Bürgerentscheid Lübecker stimmen für Flughafen

Von Karin Lubowski/dpa | 27.04.2010, 07:20 Uhr

Lübecks Bürger sagen Ja zu ihrem Flughafen. In einem Bürgerentscheid stimmten am Sonntag knapp 36.800 Lübecker für den Ausbau und gegen die Abwicklung.

Beinahe wäre Lübeck-Blankensee am schönen Frühlingswetter gescheitert. Bei einer Wahlbeteiligung von gerade einmal 31,4 Prozent hatten sich die Initiatoren des Bürgerentscheids bereits die vermeintlichen Wunden geleckt, als es nach der Auszählung des 72. von 77 Stimmbezirken wieder spannend wurde. Schien bis dahin ein Aus für Blankensee schon unabwendbar, rückte nun das Erreichen der erforderlichen Stimmenzahl von 34.768 in greifbare Nähe. Am Ende hatten Sonntag 36.798 Lübecker (das entspricht 67,4 Prozent aller abgegebenen Stimmen) dafür gestimmt, dass "die Hansestadt Lübeck den Lübecker Flughafen abweichend vom Bürgerschaftsbeschluss...in Eigenregie ausbauen" und "bis einschließlich 2012 weiterführen" soll, so der Wortlaut auf dem Stimmzettel. Dagegen stimmten 17.760 Wähler (32,6 Prozent).
Nach Schließung der Wahllokale verfolgten Airport-Befürworter im Rathaus zunächst enttäuscht die Auszählung. Thomas Schalies (FDP), einer der Motoren des Bürgerentscheids, gestand eine Niederlage sogar schon ein, als er kurz darauf in Jubel ausbrach. Auch die Industrie- und Handelskammer zu Lübeck verbreitete schon eine enttäuschte Stellungnahme.
260 Arbeitsplätze zunächst gerettet
Gekämpft wurde bis zum Schluss um jede Stimme. Die Airport-Befürworter taten dies mit einem Fest auf dem Rathausmarkt. Dort feierten schließlich die Flughafen-Beschäftigten am ausgelassensten. Am Blankenseer Airport-Betrieb hängen insgesamt 260 Arbeitsplätze.
Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), der prominenteste Kämpfer für den Airport-Ausbau, sprach von einer der spannendsten Wahlen, die er je erlebt habe. Er hatte einen schwierigen Wahltag geahnt: "Das Wetter ist für einen Wahltag zu gut." Sogar der frühere Wirtschaftssenator Wolfgang Halbedel, der sich ebenfalls für den Ausbau in Eigenregie ins Zeug gelegt hatte, orakelte: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."
Gegner sprechen von Gau für Lübecker Haushalt
Enttäuscht reagierten dagegen die Flughafengegner. "Eine materiell gut ausgestattete Kampagne hat Erfolg gehabt", sagte der designierte Innen- und Umweltsenator und erklärter Flughafengegner Bernd Möller (Grüne) in Anspielung auf die massive Unterstützung der Flughafenbefürworter durch die Wirtschaft. "Aber viele Fragen sind noch ungeklärt, unter anderem sehe ich massive wettbewerbsrechtliche Probleme auf die Stadt zukommen", sagte Möller.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag, Andreas Tietze, kritisierte die Entscheidung als Gau für den Lübecker Haushalt, da nun Geld an anderer Stelle fehle. "Das wird massive Kürzungen in Bildung und Betreuung, bei Sozialem und Kultur sowie der Umwelt bedeuten", sagte Tietze. "Für einen Flughafen, der immer hohe Defizite ausweisen wird, geht in Lübeck die Lebensqualität vor die Hunde."