Brunsbüttel Kraftwerke saugen Elbfische ab

Von Ralf Pöschus | 18.03.2010, 06:56 Uhr

Die Fischer an der Elbe haben Angst. Ihr Vorwurf: Die geplante gewaltige Kühlwasserentnahme für Kohlekraftwerke dezimiert die Fischbestände.

Seit 1961 ist Eberhard Rübcke Fischer auf der Elbe. "Immer von Cuxhaven bis Hamburg." Der Bereich am Brunsbütteler Elbehafen ist sein wichtigstes Fanggebiet, erzählt der 64-Jährige aus Beidenfleth. Doch damit könnte es bald zu Ende sein. Denn er fürchtet die Folgen der Kühlwasserentnahme von bis zu drei geplanten Kohlekraftwerken aus der Elbe. Allein die Südweststrom will pro Sekunde 60 Kubikmeter Flusswasser ansaugen, um ihr Kraftwerk zu kühlen. Das aufgewärmte Wasser wird wieder in den Fluss eingespeist.
Fischer Rübcke, der seinen Betrieb und damit den Kutter "Luise" gern an seinen Sohn Hannes weitergeben möchte, bezweifelt, dass die Elbfischerei angesichts der Bauvorhaben Zukunft hat und der 18-Jährige im dritten Lehrjahr sich nach einem anderen Beruf umsehen muss.
Was dem Beidenflether Fischer zu schaffen macht, ist die aus seiner Sicht wirkungslose Technik, um Fische vom Einlaufbauwerk für die Wasserentnahme fern zu halten. Weder akustische noch elektronische Fischscheuchanlagen würden den Anforderungen gerecht. Bestes Beispiel: Das Kernkraftwerk Brunsbüttel "fange" trotz solcher Vorkehrungen im Betrieb jährlich rund 165 Tonnen Fisch. Das Vorhaben der Südweststrom allein verzehnfache diese Menge. Und wenn Fische, die Richtung Nordsee schwimmen, in beiden Fällen noch entkommen wären, werde sie spätestens die Wasserentnahme vom Kohlekraftwerk der GdF Suez dahinraffen, ist Eberhard Rübcke überzeugt.
"Fische wie frisch aus der Quelle"
"Wir sind in der siebten Generation Fischer. Mein Sohn möchte, dass es mit der Elbfischerei weiter geht", sagt der 64-Jährige. Er hat in seinem Beruf schon schwere Zeiten überstanden. Bis zur Wiedervereinigung sei es kaum möglich gewesen, oberhalb von Glückstadt zu fischen - zu sehr mit Chemikalien sei das Wasser belastet gewesen. Anderthalb Jahre später habe sich das grundlegend geändert. "Wie frisch aus der Quelle gezogen schmeckten die Fische." Und es gebe Bestrebungungen auf europäischer Ebene, die Flussqualität noch weiter anzuheben. Und jetzt diese Kraftwerksvorhaben, die diesen Bemühungen entgegen stünden. Eberhard Rübcke mag das nicht nachvollziehen, verweist auf den Staatsvertrag zwischen Bund und Elbfischern von 1998. Der sichere seinem Berufsstand besonderen Schutz zu, garantiere, die Interessen der Berufsfischerei "soweit wie möglich zu berücksichtigen".
Wenn seine Hauptfanggründe vor Brunsbüttel gewissermaßen leer gesaugt würden, sei das existenzbedrohend. "Das ist für uns der wichtigste Standort, der in zehn Wochen Fangzeit den Jahresverdienst bedeutet." Dann muss er womöglich die "Luise" aufgeben - ohne Nachfolger.