Moskau Giftwolke lässt Moskau nicht los

Von dpa | 10.08.2010, 03:59 Uhr

Ausnahmezustand rund um die russische atomare Wiederaufbereitungsanlage Majak: Wegen der verheerenden Waldbrände dürfen Wälder und Parks in der Gegend um die bekannte Atomanlage nicht mehr betreten werden.

Das Zentrum samt Lagerstätte am Ural rund 1500 Kilometer östlich von Moskau war offensichtlich zunächst aber nicht betroffen. Derweil verdoppelte sich in der Hauptstadt die Sterberate wegen der wochenlangen Rekordhitze und des giftigen Qualms der Torfbrände.

Täglich sterben etwa 700 Menschen, wie der Chef der Moskauer Gesundheitsbehörde, Andrej Selzowski, gestern nach Angaben der Agentur Interfax sagte. Normalerweise liege die Zahl bei 360 bis 380 Toten pro Tag.

In Moskau herrscht seit Wochen eine Hitzewelle mit Temperaturen von knapp

40 Grad. "Seit Entstehen unseres Landes, also seit 1000 Jahren, hat es nichts Vergleichbares gegeben - was die Hitze angeht, haben weder wir noch irgendeiner unserer Vorfahren jemals so etwas festgehalten", sagte der Chef des staatlichen Wetterdienstes, Alexander Frolow.

Moskauer Ärzte berichten, dass sie nur noch Notoperationen erledigen könnten. Es gebe ein Verbot, ältere Menschen zu behandeln. Die Krankenhäuser seien überfüllt. Die Zahl der Notfälle auf den Kinderstationen sei um etwa 20 Prozent angestiegen, heißt es. Außerdem versuchen viele Moskauer aus Angst um ihre Gesundheit weiter, vor dem Smog zu flüchten - und finden etwa in klimatisierten Einkaufszentren Gelegenheit zum Durchatmen.

Die Verhängung des Ausnahmezustandes in Moskau - wie in vielen anderen Regionen des Riesenreichs - lehnen die Behörden weiter ausdrücklich ab. Die Lage sei unter Kontrolle, heißt es. Doch die Menschen erleben jeden Tag das Gegenteil - und von Stunde zu Stunde wird es schlimmer.

Landesweit wüteten nach wie vor mehr als 500 Waldbrände. Flammen loderten auch in der Nähe des atomaren Forschungszentrums in der abgeschotteten Stadt Sneschinsk etwa 80 Kilometer südlich von Jekaterinburg am Ural. Das Feuer war nach Angaben des staatlichen Atomkonzerns Rosatom aber 15 bis 20 Kilometer von der Einrichtung entfernt, in der Atomwaffen geplant und gewartet werden. Ein Brand nahe der Anlage sei gelöscht worden, sagte ein Rosatom-Sprecher in Moskau.

Sicherheitshalber wurden aber zusätzliche Einsatzkräfte nach Sneschinsk kommandiert und deswegen der Kampf gegen andere Brände in der Region vorerst eingestellt. Löschwagen blieben im unwegsamen Sumpfgelände stecken. "Die Löscharbeiten werden rund um die Uhr geführt", teilte das regionale Zivilschutzzentrum mit.