Itzehoe Explosives Gasgemisch in schwelender Brandruine

Von Lars Peter Ehrich | 03.04.2011, 02:51 Uhr

Wenn die Gärung beginnt, wird es gefährlich: In der abgebrannten Getreidehalle im Itzehoer Hafen hat sich wegen des Löschwassers ein explosives Gasgemisch gebildet.

Eigentlich sollte aufgeräumt und endgültig gelöscht werden. Doch Freitag gegen 8.30 Uhr gab es an den Ruinen der Rusch-Lagerhallen am Hafen wieder Alarm. Die Mitarbeiter der Abrissfirma hatten verdächtige Gerüche wahrgenommen. Wenig später stand fest: Explosionsgefahr. Die Arbeiten ruhten auch am Abend noch.
Zwei Lagerhallen der Mühlenwerke Rusch waren bei dem Großbrand am vergangenen Montagabend zerstört worden. Rund 22.000 Tonnen Weizen und Raps waren bei den Löscharbeiten durchnässt worden. Jetzt, so die Vermutung, hat der Gärungsprozess Gase frei gesetzt. Die Stadtwerke wurden gerufen. Deren Messgeräte hätten sofort angeschlagen und die Explosionsgefahr gemeldet, schilderte Wehrführer Peter Happe. Die Methan-Konzentration im hinteren Bereich einer Lagerhalle war zu hoch, und zwar an den Öffnungen der Belüftungsrohre am Boden. Messungen der Feuerwehr und des Löschzugs Gefahrgut des Kreises bestätigten das Problem. Deshalb hätte es einen schweren Unfall auslösen können, weiter mit dem Bagger die immer noch glimmenden Reste auf der Oberfläche zu bearbeiten.
Straßen mussten nicht gesperrt werden
Die Gefahr hielt sich allerdings, wohl auch dank des Windes, in Grenzen: "Zehn Meter vom Gebäude weg war nichts mehr", so Happe. Deshalb mussten auch keine Straßen gesperrt werden über den ohnehin abgesperrten Bereich am Hafen hinaus.
Doch wie sollte es weitergehen? Auch ein chemischer Fachberater wurde hinzugezogen. Die Wehr habe schon am Montag vorgeschlagen, eine Hallenwand zu entfernen, um das Getreide herausholen zu können, so Happe. Jetzt wurde auf einen Seilbagger gewartet, der Trümmer und Getreide aus den Ruinen holen sollte.
Feuerwehrleute bleiben eine weitere Nacht am Hafen
Ob wirklich gearbeitet werden würde, war aber noch nicht klar. Vor allem die Messwerte für das giftige Kohlenmonoxid machten den Helfern Sorgen. Sie betrugen an den Belüftungsrohren das Zehnfache der zulässigen Grenzwerte. Weniger problematisch waren die Ergebnisse für Schwefelwasserstoff. Und die Methan-Werte waren Freitagabend zurückgegangen. Allerdings: Wenn oben wieder gearbeitet werde, komme unten die Gärung wieder verschärft in Gang, so die Befürchtung. Deshalb müsse das Aufräumen begleitet werden, sagte Happe. "Damit die gefahrlos weiterarbeiten können, müssen wir weiter messen." Es drohte eine weitere Nacht am Hafen.865462564001865891471001
(lpe, shz)