Sexueller Missbrauch Der tiefe Fall des Linus Förster: Ex-Politiker kündigt Geständnis an

Von dpa | 15.09.2017, 14:29 Uhr

Der ehemalige Landtagsabgeordnete muss sich ab Montag vor Gericht unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs verantworten.

Ein Besuch bei einer Prostituierten läutete vor einem Jahr das Ende von Linus Försters Karriere ein. Der SPD-Landtagsabgeordnete wollte die Frau beim bezahlten Sex heimlich filmen, doch sie bemerkte das rote Licht der Kamera und erstattete Anzeige gegen ihn. Damit kam der Stein sprichtwörtlich ins Rolle und beförderte weitere Sexualdelikte ans Tageslicht.

Am Montag beginnt der Prozess gegen den ehemaligen Landtagsabgeordneten vor dem Augsburger Landgericht. Er ist wegen sexuellen Missbrauchs widerstandunfähiger Personen in mehreren Fällen angeklagt, teils werden die Fälle als schwer gewertet, teils wird ihm versuchter Missbrauch vorgeworfen. Ferner werden Förster auch Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen und vorsätzliche Körperverletzung vorgeworfen.

Der Prozess findet vor der Jugendkammer statt, weil sich der 52-Jährige auch wegen des Besitzes von mehr als 1300 Kinderpornos verantworten muss. Insgesamt haben die Richter fünf Verhandlungstage geplant. Das Urteil wird vermutlich am 29. September bekanntgegeben. Dem Ex-Politiker droht bei einer Verurteilung eine Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren.

Förster will Taten gestehen

Der 52-Jährige wird die Vorwürfe im Prozess voraussichtlich einräumen. „Es wird ein Geständnis geben, er hat ja gar keine andere Wahl“, sagte sein Verteidiger Walter Rubach. Dies sei Försters Chance in dem Verfahren. 

Verlauf der Ermittlungen

Ausgelöst wurden die Ermittlungen gegen den Politiker durch eine Augsburger Prostituierte. Laut Anklage war Förster vor einem Jahr zu der Frau gegangen und wollte sie heimlich beim vereinbarten Sex filmen. Doch die Asiatin bemerkte das rote Aufnahmelicht der Kamera. Mit Hilfe einer Kollegin konnte sie sich schließlich den Speicherchip des Gerätes sichern. Förster versuchte daraufhin sich die Karte wieder anzueignen, dabei kam es zu einem Gerangel, bei dem die Prostituierte verletzt wurde. Der Aufnahmechip blieb letztlich in ihrem Besitz.

Nach dem Vorfall ging die Frau zur Polizei und erstattete Anzeige gegen den ihr unbekannten Freier. Die Auswertung der Aufnahmen auf dem Chip führte die Kripo auf die Spur des damaligen Landtagsabgeordneten.

Am 15. November 2016 durchsuchten die Ermittler nicht nur Försters Wohnung in Augsburg, sondern auch seine Räume in der Augsburger SPD-Zentrale sowie sein Landtagsbüro in München. Dabei wurden etliche Festplatten und eine Daten-CD sichergestellt, die den Ermittlern Hinweise auf weitere Straftaten brachten. Unter anderem soll er mehrfach schlafende Frauen missbraucht und seine Taten heimlich gefilmt haben. Auch der Besitz von Kinderpornografie wird ihm vorgeworfen.

Rücktritt aus der Politik

Ende November hatte Förster als Konsequenz der Ermittlungen seinen Rückzug aus der Politik erklärt. Daraufhin war er aus der SPD ausgetreten, in der er seit 1984 Mitglied war. Zudem hatte er die Niederlegung seines Landtagsmandates zum Jahresende angekündigt. Als die Vorwürfe gegen Förster immer schwerwiegender wurden, klickten Mitte Dezember die Handschellen. Der 52-Jährige sitzt seit Dezember in Untersuchungshaft.