Kiel-Krimi im Vergleich Borowski – der zweitbeste „Tatort“-Kommissar

Von Götz Bonsen | 26.03.2014, 05:30 Uhr

Am Sonntag ermittelt Borowski wieder in der ARD. Der Kieler „Tatort“ ist der nördlichste - aber das war es dann auch mit den Superlativen. Er ist exzentrisch, witzig und stilsicher - aber in jedem Ranking nur Zweiter.

Borowski ist nicht der Durchgeknallteste.

Exzentrisch ist Borowski - und kauzig. Bisweilen prägten neurotische Züge sein Tun. Doch auch wenn er schon auf die Couch der Psychologin Frieda Jung gebeten wurde: Die Seele des Kollegen Faber (Foto: dpa) aus Dortmund ist noch mit weitaus tieferen Abgründen gezeichnet. Der durchgeknallteste „Tatort“-Kommissar kommt aus Dortmund.

Andere sind witziger.

Einer der lustigsten Dialoge im Kieler Tatort ist die letzte Konversation Borowskis mit der Psychologin Frieda Jung: „Wir könnten ja heiraten“. Borowski: „Fragt sich nur wen?“ Doch wieder kein Superlativ für Kiel: Das Gespann Thiel und Boerne aus Münster (Foto: dpa) bringt das Volk einfach noch herzhafter zum Lachen. „Wer, in aller Welt, ist so blöd und entführt Boerne?“

Borowski entwischte ein Mörder.

Der furchtsame Frauenmörder Kai Korthals darf noch in Freiheit seine Zähne mit den Bürsten seiner Opfer putzen: „Der stille Gast“ floh nach seiner Verhaftung. Borowskis Kollegin Sarah Brandt muss sich aufgrund dieser leidigen Panne weiter vor ungebetenem Besuch fürchten. Aktenzeichen ungelöst.

Borowski ist kein echter Psychologe.

Borowski selbst würde sich wohl als Profiler, Psychologen und Menschenkenner beschreiben. Mit Instinkt, dezenter Empathie und Phantasie liest er den Tätern die Leviten. Der studierte Psychologe Kommissar Jens Stellbrink (m., Foto: dpa) vom Tatort Saarbrücken hat in puncto Kriminalpsychologie aber die Nase vorn. Kiel geht tief, Saarbrücken geht tiefer.

Andere schießen besser.

Borowski ist der Mann, der seinen VW Passat auf offener Straße erschoss. Der Hamburger Kommissar Nick Tschiller, gespielt von Til Schweiger (Foto: dpa), erschießt sie alle.

Borowski hat Halluzinationen - aber nur die zweitschönsten.

Borowski hat schon phantastische Dinge gesehen. Aus dem Nebel im Wald tauchte einst ein imaginärer Wolf auf, der ihm den Fundort einer Leiche im Morast verriet. Doch die Kessler-Zwillinge zum Tanzen zu bringen - solche Phantastereien schafft nur der Meister der Halluzinationen selbst, Kommissar Murot (Ulrich Tukur).

Für Kult-Kleidungsstücke kommt Borowski zu spät.

Der Mann mit der braunen Cordjacke kann auch modisch nicht auf Platz eins vorstoßen. Den hat natürlich Schimanski (Foto: dpa) mit seiner stets schmuddeligen M65-Feldjacke inne - für immer.

Die anderen kennen wir besser.

Viel wissen wir auch nach über zehn Jahren nicht über den skandinavischsten aller „Tatort“-Ermittler, der all die zweiten Plätze bündelt. Der komische Kauz von der Waterkant hatte mal eine Tochter, die jetzt irgendwo in Amerika studiert. Besucht hat er sie noch nie. Wir wissen nicht mal, wen er liebt. Aber wir lieben ihn, den ewigen Zweiten, den Psychologen, den Kommissar der Herzen. (Foto: Imago)