Badeunfälle Alle DLRG-Stationen in SH voll besetzt

Von Martina Scheffler, dpa | 20.07.2014, 14:05 Uhr

Rund 450 ehrenamtliche Rettungsschwimmer sind in SH pro Tag im Einsatz. Die DLRG wirbt um rüstige Rentner - und mahnt die Badenden zur Vorsicht.

Im Juli häufen sich die Badeunfälle in Schleswig-Holstein, allein an diesem Wochenende wurden zwei Männer vorm Ertrinken gerettet. Anfang des Monats kam hinzu, dass manche Strände noch unbewacht waren. Nun sind nach Angaben von Thies Wolfhagen, Landesgeschäftsführer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), alle Stationen im Norden „voll besetzt“. Etwa 450 ehrenamtliche Rettungsschwimmer sind dann pro Tag im Einsatz. Während der Hauptsaison müsse die DLRG sogar einigen Bewerbern absagen, weil es keine Plätze mehr gibt.

Von Mitte Mai bis zum Sommerferienbeginn in Nordrhein-Westfalen sah es allerdings anders aus. Mehr als die Hälfte der ehrenamtlichen Rettungsschwimmer in Schleswig-Holstein stammt nach DLRG-Angaben aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland.

Eine Ausnahme beim Überwachen der Strände ist Sylt. Dort sind die meisten Rettungsschwimmer beim Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) angestellt. „Irgendwann in den 60er Jahren“ schon müsse die Entscheidung getroffen worden sein, sagt Dirk-Uwe Abend, Leiter Personalwesen beim ISTS. Die meisten Rettungssschwimmer auf der Insel stammen Abend zufolge aus Schleswig-Holstein, aber auch Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Sogar je zwei Bayern und Berliner sind dabei. Allerdings gibt es Nachwuchssorgen - der Wohnraummangel auf Sylt ist schuld. „Die Personalunterkünfte reichen bei weitem nicht aus“, sagt Abend.

Nachwuchssorgen gibt es bei der DLRG laut Wolfhagen nicht - man wolle nun aber auch mehr Ältere für das Rettungsschwimmen interessieren. Die DLRG wolle „jedem rüstigen Rentner zurufen“, er solle den Rettungsschwimmschein machen. „Ein durchschnittlich sportlicher Erwachsener um die 50 schafft das locker.“ Innerhalb des Verbandes gebe es bereits den Arbeitsbereich 50 plus, der Mitglieder in der Altersklasse motivieren soll. Auch eine Projektwoche dazu habe es bereits gegeben. „Das wollen wir weiter ausbauen.“ 

Bedarf ist da, auch, weil die Urlauber risikobereiter geworden seien. „Viele kennen Strand und Meer gar nicht. Ich habe schon den Eindruck, dass die Menschen gar nicht orientiert sind, was sie hier eigentlich erwartet.“ Auch die Signalbeflaggung, die über Gefahren informiert, würden viele nicht kennen. „Da ist sehr viel Aufklärungsarbeit nötig.“ 

Unfallschwerpunkte im Land sieht Wolfhagen zum einen an der Nordsee, wo Ebbe und Flut von Menschen oft nicht richtig eingeschätzt würden, sowie im Bereich Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Haffkrug, wo bei ungünstigem Wetter gefährliche Strömungen entstehen könnte. „Dort sind wir aber auch stärker aufgestellt als an anderen Orten.“ Relativ ungefährlich und auch für Kinder geeignet sei dagegen die Region Eckernförde, deren Strände geschützt in einer Bucht liegen.