Rudi Carrells 80. Geburstag : Arbeiten mit Rudi Carrell - Erinnerungen eines Ideengebers

Das bekannte verschmitze Grinsen: Rudi Carrell in den Kulissen von „Der Rudi Carrell Show-Lass dich überraschen“.
Das bekannte verschmitze Grinsen: Rudi Carrell in den Kulissen von „Der Rudi Carrell Show-Lass dich überraschen“.

Er war bekannt für seine charmante Art und seinen Humor: Entertainer Rudi Carrell wäre am Freitag 80 Jahre alt geworden. Wie der Holländer privat war, erzählt der Ideenfinder der „Rudi-Carrell-Show“ Harald Ehren.

Miriam Richter von
18. Dezember 2014, 20:25 Uhr

„Am laufenden Band“, „Die-Rudi-Carrell-Show“ und „7 Tage-7 Köpfe“: Rudi Carrell begeisterte in seinen Sendungen mit seiner witzigen Art und seinem holländischen Charme ganze Generationen. Über 50 Jahre war Carrell im Showbiz zu Hause, angefangen als Zauberer, später als Sänger und vor allem als Entertainer. Am 19. Dezember wäre der große Showmaster 80 Jahre alt geworden.  Aber wie war Rudi Carrell abseits der Bühne? shz.de sprach mit Harald Ehren, der für die Überraschungs- und Talentshow „Die Rudi-Carrell-Show“, auch „Lass dich überraschen“ genannt, mit Carrell zusammen arbeitete.

„Ich habe Ehrfurcht vor Rudi Carrell gehabt“, sagt Harald Ehren. Der Chefredakteur von FischerAppelt kennt den Showmaster sehr gut. Schließlich hat Ehren als Ideenfinder sechs Monate lang für „Lass dich überraschen“ gearbeitet. Seine Witze habe Carrell immer selbst geschrieben, aber er brauchte eine Struktur, so Ehren. „Die Sendungen waren bis ins kleinste Detail geplant. Rudi Carrell hat nichts dem Zufall überlassen.“ An der perfekten Planung der Sendung war Ehren beteiligt.

An eine seiner Ideen erinnert sich Harald Ehren besonders gut: Die Zusammenführung einer Familie aus Burkina - Faso war Ehrens persönliches Highlights.

„In der Sendung gab es immer ein Zusammentreffen von Menschen, die sich lange nicht gesehen haben“, so Ehren. Für die Weihnachtssendung 1992 hatte er sich etwas besonderes überlegt. Ein Mann aus Burkina - Faso lebte bereits seit mehrere Jahren in Rostock. In seiner Heimat hatte er eine Frau und ein Kind, welches er noch nie gesehen hatte. „Ich wusste, er wollte unbedingt das Kind sehen“, so Ehren. „In mir kam das Bild von Jesus und Maria auf. Ich stellte mir die Familienzusammenführung als biblische Szene vor.“ Mit viel Herzschmerz, Umarmungen und Tränen.

„Wir hatten bei der Planung aber nicht bedacht, dass die Familie aus einem anderen Kulturkreis kam.“ Öffentlich Zärtlichkeiten auszutauschen war undenkbar.  „Das Ehepaar war beim Wiedersehen zurückhaltend, hat sich gesehen und sich die Hände geschüttelt“, berichtet Ehren.  Aber Rudi Carrell habe die Situation sehr gut gerettet. „Es war ganz still und eine Stimmung die zwischen Betretenheit, Andacht und Ergriffenheit schwankte“, erinnert sich Ehren. „Und da kam der herzhafte Lacher wie so eine Art Erlösung. Quasi eine Lacher mit Tränen der Rührung in den Augen.“

„Die Zeit bei Rudi Carrell waren meine besten Lehrjahre“, sagt Ehren. Der Showmaster sei unglaublich diszipliniert gewesen. Und vor allem hatte er ein Gefühl für seine Gäste. „Rudi Carrell hat im richtigen Moment Distanz gewahrt. Er ist mit den Menschen professionell und respektvoll umgegangen.“ Eine Eigenschaft, die Ehren bei einigen anderen Moderatoren vermisst.

Nachwuchssänger imitieren ihren Lieblingsstar: Rudi Carrell mit den Kandidaten bei der Rudi Carrell Show 1990.
imago/teutopress
Nachwuchssänger imitieren ihren Lieblingsstar: Rudi Carrell mit den Kandidaten bei der Rudi Carrell Show 1990.
 

An seine Zeit bei „Lass dich überraschen“ erinnert Ehren sich gern zurück, obwohl es manchmal auch stressig wurde. „Rudi Carrell hat 150 Prozent von seinen Mitarbeitern verlangt.“ Wenn jemand gepatzt hat, konnte der Showmaster auch schon einmal cholerisch werden. „Ein Kabelträger hat ein Kabel fallen lassen. Rudi Carrell ist völlig ausgeflippt.“ Danach war der Träger seinen Job los.

Carrell konnte aber nicht nur schimpfen, er konnte ebenso loben und belohnen.  „Nach den Sendungen hat er einen Raum in einem bekannten Kölner Brauhaus für das Team gemietet und uns eingeladen. Wir haben dort gefeiert, gegessen und getrunken - alles auf Rudi Carrells Kosten.“

In diesem kleinen, privaten Kreis war Carrell anders als der kumpelhafte, immer gut gelaunte Entertainer auf der Bühne. „Privat hat Carrell keine Miene verzogen“, sagt Ehren. Witze habe er abseits der Fernsehproduktion nicht erzählt. Das änderte sich allerdings schlagartig, sobald Carrell seinem Beruf nachging. Job war Job. „Sobald das Licht und die Musik angingen, war es, wie wenn man eine Maschine anstellt.“

Das deutsche Publikum liebte diese „Maschine“.  „Die Rudi-Carrell-Show“ hatte teilweise über 20 Millionen Zuschauer und war nach „Wetten dass?“ die erfolgreichste Samstagabendshow.  Auch  acht Jahre nach seinem Tod ist Rudi Carrell beim deutschen Publikum unvergessen, auch wegen Momenten wie diesem.

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