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Massive Ölverschmutzung : Apenrader Förde: 200.000 Liter Diesel ausgelaufen

vom

Der Treibstoff trat aus einer Tankanlage der Firma „DanBalt“ aus. Ein Angler entdeckte die Verschmutzung auf der Förde.

shz.de von
erstellt am 08.Sep.2017 | 14:55 Uhr

Apenrade | Rund 200.000 Liter Dieseltreibstoff (das entspricht etwa dem Tankinhalt von 4500 Autos) sind am Donnerstag aus einer Tankanlage der Firma „DanBalt“ in Apenrade (Dänemark) ausgelaufen. Wie die Polizei von Südjütland und Nordschleswig in einer Mitteilung schreiben, ist vor allem das Gebiet westlich von Aubek (Aabæk) an der Nordküste der Förde betroffen.

Die Ölverschmutzung am Apenrader Hafen entdeckte der Angler Amel Loncar. „Ich fuhr wie jeden Tag zum Angeln an die Förde, als mir beim Aussteigen aus dem Auto ein starker Dieselgeruch entgegenschlug“, berichtet der 35-jährige Bosnier, der seit einem Monat frischverheiratet in Apenrade wohnt. „Erst dachte ich mir nicht viel dabei, aber als ich dann auf dem Kai stand, sah ich den Ölteppich und rief sofort die Polizei an.“ So wurde durch den aufmerksamen Angler der Treibstoffaustritt am „DanBalt“-Tanklager am Østre Havnevej in Apenrade am Donnerstag gegen 12 Uhr entdeckt.

Nachdem bei der Polizei die Meldung eingegangen war, rückten Polizei, Mitarbeiter der Kommune Apenrade, die Feuerwehr (Brand og Redning Sønderjylland), die Bereitschaftsbehörde, das Einsatzzentrum der Streitkräfte (SOK), und die Heimwehr aus. Außerdem kamen zwei Boote zum Einsatz, um von Wasser aus sich ein Bild über das Ausmaß machen zu können. Das Leck war nach etwa einer Stunde lokalisiert und konnte mit einer Ölsperre abgedichtet werden. „Der ausgetretene Kraftstoff wurde nicht mit ölzersetzenden Chemikalien bekämpft, da dies die Umwelt mehr belasten würde, als ihn einfach verdampfen zu lassen“, teilte der Pressesprecher von Syd- og Sønderjyllands Politi, Mads Dollerup-Scheibel, mit.

Um das Verdampfen zu beschleunigen, wurde der Marineheimwehrkutter MHV903 Hjortø aus Rønne in die Apenrader Förde beordert. Dort sollte er den Ölteppich durchkreuzen. Gegen 16.30 Uhr am Donnerstagnachmittag befand sich der Kutter rund zweieinhalb Kilometer von der Austrittstelle entfernt.

Ölverschmutzung hätte begrenzt werden können

Brisant sind Informationen, die am Freitag bekannt wurden: So seien zwei bis drei Stunden vergangen, bevor die Behörden alarmiert wurden. Das sagt Torben Groos, Einsatzleiter der Apenrader Feuerwehr. „Das bedeutet, dass wir von Anfang an hintenan waren. Wären wir früher alarmiert worden, hätten wir größere Ölsperren über die Hafeneinfahrt legen können, die verhindert hätten, dass das Diesel in die Förde strömt“, so der Einsatzleiter zum Sender „DR Syd“.

Weshalb erst nach zwei Stunden die Behörden informiert wurden, ist ihm ein Rätsel. Wahrscheinlich habe das Unternehmen „DanBalt“ nicht registriert, wie groß das Leck tatsächlich war.

Einsatzkräfte versuchen am Donnerstag, den Schaden zu begrenzen.
Einsatzkräfte versuchen am Donnerstag, den Schaden zu begrenzen. Foto: Paul Sehstedt
 

Bereitschaftsbehörde und dänische Soldaten arbeiten auch am Freitag weiter daran, den Schaden einzudämmen und sich einen Überblick zu verschaffen. Zwei Umweltschiffe der Marine sind ebenfalls im Einsatz. Die Schiffe der Marine hätten gemeinsam mit Drohnen die Ostsee bis Barsö und in den Kleinen Belt hinein untersucht und dabei keine weitere Ölspuren östlich der Linie Barsmark-Varnæs Hoved gefunden, sagte Groos. „Die Windrichtung vom Süden hat bedeutet, dass viel Öl wieder in den Hafen zurück geschoben wurde, sodass wir vom Hafen aus jetzt tatsächlich auch Diesel aus dem Meer pumpen können.”

Die Umweltfolgen seien jedoch, versichert Ole Theil von der Einsatzleitung der dänischen Streitkräfte dem Sender „DR Syd“, deutlich geringer, als wenn es sich um dickflüssiges Öl gehandelt hätte. Diesel verdampft vergleichsweise schnell, verbreitet sich dafür aber auch schneller, eben weil es sehr dünnflüssig ist. Als vor drei Jahren mehr als 3000 Liter Schweröl in den Hafen austraten, waren die Folgen verheerender.

Gefahr für die Bevölkerung bestehe im aktuellen Fall bei „vernünftigem Verhalten“ nicht, so die Polizei. Bürger sollten sich von stark verunreinigten Gebieten fernhalten und nicht in der Förde schwimmen gehen, bis die Behörden grünes Licht geben. Wer verschmutzte Tiere sieht, sollte die Polizei unter 114 anrufen. Bisher wurden nur vereinzelt verschmutzte Vögel entdeckt.

Die Polizei will jetzt ermitteln, wie es zu dem Vorfall kommen konnte. Bekannt ist bisher nur, dass das Dieselöl aus einer Tankanlage der Firma DanBalt stammt. Große Teile sollen am Freitagvormittag bereits verdampft sein. Dennoch sind die blauen Flaggen entlang der Förde, die auf gute Badewasserqualität hinweisen, vorerst abgenommen worden. Am Freitag veröffentlichten die Behörden eine Karte mit einer Übersicht von den Stränden die betroffen sind (www.aabenraa.dk).

Bei den Wassersportklubs am Strandvej herrschte wegen der Wasserverschmutzung keine Aufregung. „Das haben wir früher erlebt und nach zwei Tagen ist nichts mehr zu registrieren“, erzählte Knud Rasmussen vom Aabenraa Surfklub. „Wir bleiben dann eben an Land.“

„Nicht auszudenken, wenn sich der Unfall nachts ereignet hätte“, sagte Angler Amel Loncar. „Als ich hier ankam, war der Ölfilm nur etwa einhundert Meter lang.“ Eine Stunde später ragte er schon mehrere hundert Meter auf die Förde hinaus. Vorläufig werde er hier nicht mehr angeln können, sagte Loncar.

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