Terror in Afghanistan : Anschlag in Kabul – ein deutsches Opfer unter den Toten

Laut eines Innenministeriumssprechers griffen am Samstagabend vier bewaffnete Männer das Hotel an.
Foto:

Laut eines Innenministeriumssprechers griffen am Samstagabend vier bewaffnete Männer das Hotel an.

Die Gesamtzahl der Opfer ist noch unklar. Das Hotel in der afghanischen Hauptstadt war zuvor bereits von Terroristen angegriffen worden.

shz.de von
22. Januar 2018, 14:19 Uhr

Kabul | Bei einem Anschlag auf ein internationales Hotel in der afghanischen Hauptstadt Kabul am Wochenende hat es auch ein deutsches Todesopfer gegeben. Dies teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin mit. Die Angehörigen würden informiert. Wie die Sprecherin weiter mitteilte, gibt es keine Hinweise auf andere deutsche Verletzte. Es handelt sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur um eine deutsche Mitarbeiterin einer internationalen Hilfsorganisation.

Die afghanischen Behörden bezifferten die Anzahl der Todesopfer nach einem 17 Stunden langen Taliban-Angriff zuletzt auf 19. Ein verletzter Afghane sei in der Nacht gestorben, sagte ein Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, am Montagmorgen.

Zahl der Todesopfer noch unklar

Außerdem waren bei dem Angriff, der am späten Samstagabend begonnen hatte, alle sechs Angreifer getötet worden. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sagte, bisher seien 22 Leichen in Krankenhäuser gebracht worden. Die Zahl beinhalte aber möglicherweise Leichen von Attentätern.

Augenzeugen hatten am Sonntag die Angaben der afghanischen Regierung als schwer untertrieben kritisiert. Regierungssprecher sind dafür bekannt, dass sie Opferzahlen für die Öffentlichkeit klein halten.

Die Zahl der bisher als Ausländer identifizierten Opfer stehe weiterhin bei 14, sagte Nasrat Rahimi. Es könne aber noch dauern, bis alle identifiziert sein. Drei hätten keine Papiere bei sich gehabt.

Er korrigierte eine Angabe vom Vortag, wonach ein Kirgise ums Leben gekommen sei. Der Mann sei Kasache. Ein Sprecher des kasachischen Außenministeriums, Anuar Zhainakov, bestätigte das über Facebook.

Es blieben aber weitere Lücken und Diskrepanzen. Nach afghanischen Angaben sollen zum Beispiel neun Ukrainer umgekommen sein. Die ukrainische Regierung hatte am Sonntag aber nur sechs bestätigt. Für zwei tote Venezolaner gab es am Montag noch keine offizielle Bestätigung. Ein für tot erklärter griechischer Pilot rief am Montagmorgen den griechischen TV-Sender Skai an und beschrieb, wie er sich vor den Angreifern in seinem Zimmer versteckt hatte.

Der Großteil der Opfer hatten für die afghanische Fluglinie Kam Air gearbeitet, die das Hotel als Basis für internationalen Angestellte genutzt hatte. Kam Air kündigte Verspätungen und Flugstreichungen an.

Hotel war zuvor bereits Ziel eines Terrorangriffs

Der Anschlag wird als Zeichen der Schwäche der afghanischen Regierung eingeschätzt. Das Hotel war bereits 2011 Ziel eines Terrorangriffs, daraufhin wurden die Sicherheitsvorkehrungen massiv verstärkt. Die Regierung musste sich am Montag dafür rechtfertigen, die Sicherheitsverantwortung für das staatliche Hotel erst vor zwei Wochen an eine private Firma übergeben zu haben.

Die Angreifer waren am Samstagabend offenbar durch die Küche in das Gebäude gelangt. Die Männer schossen mit Maschinengewehren auf Gäste, warfen Handgranaten. Erst nach 17 Stunden gelang es afghanischen Sicherheitskräften, die Kontrolle über das sechsstöckige Hotel wiederzugewinnen. Teile des Gebäudes brannten aus, nachdem die Angreifer Feuer gelegt hatten. Hotelgäste versuchten, sich von den oberen Etagen mit Hilfe von Bettlaken abzuseilen. Mindestens ein Mensch stürzte dabei in die Tiefe.

Rettungskräfte und medizinisches Personal konnten erst am Sonntagfrüh zum Hotel vordringen, um Verwundete zu versorgen. Die ganze Nacht über hatten afghanische Sicherheitskräfte das Gebiet weiträumig abgeriegelt, so dass weder Löschfahrzeuge noch Krankenwagen Zugang hatten.

Erst vor wenigen Tagen hatte die US-amerikanische Botschaft in Kabul vor einem Attentat auf ein Hotel in der Hauptstadt gewarnt. Das 1969 eröffnete Intercontinental Hotel ist ein beliebter Veranstaltungsort für Hochzeiten, Konferenzen und politischen Versammlungen und ein Wahrzeichen der Stadt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen