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Bombenexplosion in Essen : Anschlag auf Sikh-Gebetshaus: Prozess gegen drei Jugendliche beginnt

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Drei junge Männer sollen das Attentat aus islamistischen Motiven begangen haben. Drei Menschen wurden im April verletzt.

Essen | Acht Monate nach dem Bombenanschlag auf ein Sikh-Gebetshaus beginnt am Mittwoch um 12 Uhr in Essen der Prozess gegen drei Jugendliche. Die zur Tatzeit 16 Jahre alten Jungen sollen das Attentat mit einer selbstgebauten Bombe aus islamistischen Motiven begangen haben. Sie betrachteten die Sikhs als Ungläubige. Drei Menschen wurden bei dem Anschlag verletzt, einer von ihnen schwer. Die Gemeinde leidet bis heute unter den Folgen des Anschlags.

Sikhs sind streng gläubige Anhänger einer religiösen Reformbewegung, die im 15. Jahrhundert in Nordindien entstand. Sie haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder mit Angriffen auf Mitglieder konfrontiert gesehen - etwa 2012 bei einer Schießerei in einem Sikh-Tempel im US-Staat Wisconsin mit sieben Toten.

„Die Gemeindemitglieder sind bis heute noch geschockt über diesen Vorfall“, sagte der Nebenklage-Anwalt des damals schwer verletzten Priesters vor Beginn des Prozesses am Mittwoch am Landgericht. „Mein Mandant und der Vorstand der Gemeinde können diese schreckliche Tat bis heute nicht verstehen.“ Der Priester habe lange im Krankenhaus gelegen und könne sein Amt nach wie vor nicht ausüben.

Eine Jugendkammer des Landgerichts Essen verhandelt den Fall wegen des jugendlichen Alters der mutmaßlichen Täter unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Anklage wertet die Tat als versuchten Mord. Zwei der Jungen sind mittlerweile 17 Jahre alt. Die drei Jugendlichen, die alle in Deutschland geboren wurden, kommen aus Gelsenkirchen, Essen und Schermbeck im Kreis Wesel.

Der Verteidiger des 17 Jahre alten Yusuf T. bezeichnete die Tat vor Journalisten als „völlig missratenen Dummejungenstreich“. „Yusuf selbst ist geständig, die Bombe gezündet zu haben. Wir sagen allerdings, er hat nicht versucht, Menschen umzubringen, sondern es war ein völlig missratener Dummejungenstreich mit leider einer schwer verletzten Person.“

Auf die Frage, ob Yusuf ein radikalisierter junger Moslem sei, antwortete der Verteidiger, sein Mandant stehe dazu, dass er auf dem völlig falschen Weg war, dass er zwei Jahre lang starken radikalen Einflüssen ausgesetzt war. „Er wendet sich heute ganz klar von diesen falschen Vorstellungen ab und sagt: ,Das war alles ein paranoider Wahnsinn, den ich heute selbst nicht mehr nachvollziehen kann.‘“

Die Explosion hatte sich am 16. April gegen 19 Uhr ereignet. Mehr als 100 Mitglieder einer Festgesellschaft waren zum Zeitpunkt der Explosion noch im Gebäude, allerdings die meisten in anderen Räumen, die übrigen Teilnehmer schon in einem nahegelegenen Festsaal. Das Gebäude wurde stark beschädigt, mehrere Fenster gingen durch die Wucht der Explosion kaputt. Essens Polizeipräsident Frank Richter nannte die Tat damals einen „Terrorakt“.

Für die Sikhs selbst gilt der Grundsatz der Toleranz gegenüber anderen Religionen sowie die Gleichberechtigung aller Menschen und Geschlechter. Gläubige Sikhs leben nach strengen Vorschriften: Nikotin und Alkohol sind verboten, ebenso Ehebruch und sexuelle Beziehungen vor der Ehe. In Deutschland leben um die 15.000 Sikhs.

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erstellt am 07.Dez.2016 | 10:59 Uhr

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