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Verdächtiger gefasst : Anschlag auf BVB: Wie funktionieren eigentlich Put-Optionsscheine?

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Der Verdächtige soll auf eine fallende BVB-Aktie gesetzt haben. Wie erklären, wie das möglich ist.

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erstellt am 21.Apr.2017 | 11:37 Uhr

Optionen sind uralte Finanzinstrumente, die vor allem aus der Landwirtschaft stammen und ursprünglich der Absicherung eines bestimmten Preises dienten. Ein Bauer verkauft etwa seine Ernte bereits im Frühjahr zu einem bestimmten Preis. Er hat dadurch die Sicherheit, diesen Preis zu erzielen. Der Käufer spekuliert darauf, dass das Getreide im Herbst mehr wert ist. Sein Risiko, dass der Preis auch fallen könnte, wird über den Preis berücksichtigt: Er erhält quasi eine Versicherungsprämie.

Dieses Prinzip hat auch in der Literatur Einzug gehalten, etwa bei den „Buddenbrooks“ von Thomas Mann. Dort kauft Thomas Buddenbrook einem Mecklenburger Bauern seine Ernte „auf dem Halm“ zum halben Preis ab. Als die Ernte durch ein Gewitter vernichtet wird, erleidet er einen großen Verlust, der den Niedergang der Buddenbrook-Dynastie einleitet.

 

So twitterte „Capital“-Redakteur Christian Kirchner

Aus dieser Idee der Absicherung haben Banken die sogenannten Optionsscheine entwickelt, die vor allem Kleinanlegern zu Spekulationsgeschäften dienen. Hier wettet man auf einen steigenden oder fallenden Kurs eines sogenannten Basiswerts, also einer Aktie, eines Rohstoffs oder einer Währung. Wetten auf steigende Kurse werden als „Call“ bezeichnet, auf fallende als „Put“. Dabei wird am Ende der Laufzeit aber keine Ware mehr übergeben, sondern es kommt nur zu einer Geldzahlung.

So twitterte der Grünen-NRW-Landtagsabgeordnete Stefan Engstfeld

Bei einem Put-Optionsschein wie im Fall des mutmaßlichen BVB-Attentäters (die Entwicklung der Ermittlungen hier im Liveblog) steigt der Kurs, sobald die zugrunde liegende Aktie massiv fällt. Darauf soll der Mann gewettet haben. Solche Papiere mit einer Restlaufzeit bis zum 16. Juni, wie in der Pressemitteilung der Bundesanwaltschaft genannt, bietet etwa die Frankfurter DZ Bank an.

Tatsächlich stieg die Aktie am Tag nach dem Anschlag zunächst, gab an den kommenden vier Handelstagen dann aber um insgesamt sechs Prozent nach. Für die BVB-Aktie ist das aber keine ungewöhnliche Schwankung. Ein beispielhaft herausgegriffener Put-Optionsschein (Wertpapierkennnummer DGV8VW) legte seit dem 11. April von 65 auf 73 Cent zu. Ein Verkauf würde aber derzeit nur 64 Cent erlösen.

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