Dortmunder Schwurgericht : Anschlag auf BVB-Bus: Angeklagter gesteht Tat

BVB-Anschlag

Dem 28-Jährigen wird 28-facher versuchter Mord vorgeworfen. Er soll am 11. April 2017 in der Nähe des Team-Hotels eine Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt haben.

Eine halbe Million Euro Gewinn hätte dem Angeklagten Sergej W. sein Plan laut Anklage einbringen können. Die Bomben hätten töten können.

shz.de von
08. Januar 2018, 10:19 Uhr

Dortmund | Im Prozess um den Splitterbombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund hat der Angeklagte die Tat gestanden, aber jede Tötungsabsicht bestritten. „Ich bedauere mein Verhalten zutiefst“, sagte der 28-jährige Sergej W. am Montag vor dem Dortmunder Schwurgericht. Er habe einen Anschlag vortäuschen wollen und dafür die Sprengvorrichtungen „extra so konzipiert, dass keine Personenschäden zu erwarten waren“.

Die Staatsanwaltschaft hat den Deutschen mit russischen Wurzeln unter anderem wegen 28-fachen versuchten Mordes angeklagt. Laut Anklage wettete W. mit Optionsscheinen auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie. Bei dem Anschlag am 11. April waren insgesamt drei Splitterbomben gezündet worden, als der Mannschaftsbus des BVB gerade am Teamhotel zum Champions-League-Spiel gegen AS Monaco abfuhr. Ein Polizist erlitt ein Knalltrauma, Abwehrspieler Marc Bartra wurde im Inneren des Busses schwer am Arm verletzt.

Nach Ansicht eines Ermittlers des Bundeskriminalamts stellten die Bomben eine tödliche Gefahr dar. Im Prozess vor dem Dortmunder Schwurgericht sagte der Zeuge am Montag, ein Gutachter habe errechnet, dass tödliche Verletzungen ab einer Aufprallenergie von 79 Joule zu erwarten gewesen seien. Tatsächlich sei jeder einzelne der über 100 Stahlbolzen aus den Sprengsätzen mit einer Energie von 135 Joule auf sein Ziel geprallt.

Laut Anklage kaufte Sergej W. in der Woche vor dem Anschlag für mehr als 26.000 Euro Optionsscheine und Kontrakte – und schloss mit diesen sozusagen eine Wette auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie ab. Wäre der Kurs tatsächlich auf einen Euro abgerutscht, hätte der 28-Jährige über eine halbe Million Euro Gewinn gemacht.

Der BVB ist der einzige Fußballverein in Deutschland, dessen Aktien an der Börse gehandelt werden. Sergej W. wurde zehn Tage nach der Tat festgenommen.

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