Mord an Journalistin : Anklage: Peter Madsen misshandelte und folterte Kim Wall

<p>Peter Madsen baute U-Boote als Autodidakt.</p>
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Peter Madsen baute U-Boote als Autodidakt.

Schon vor dem mutmaßlichen Mord soll Madsen Gewaltverbrechen an Kim Wall verübt haben.

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23. Januar 2018, 14:47 Uhr

Kopenhagen | Im Fall der getöteten Journalistin Kim Wall hat die Staatsanwaltschaft weitere Details zur Anklageschrift gegen den tatverdächtigen U-Boot-Tüftler Peter Madsen bekannt gegeben. Madsen soll die Schwedin demnach in seinem U-Boot misshandelt, gefoltert, getötet und ihren Leichnam anschließend zerstückelt haben. Letzteres hat Madsen zugegeben.

Ebenfalls soll er dies bereits vor der Abfahrt der Nautilus sorgfältig geplant haben, was die Staatsanwaltschaft bereits in der vergangenen Woche bekanntgab. Dafür spricht, dass Madsen Säge, Messer, spitze Schraubendreher und Seile an Bord des U-Bootes brachte. Er habe die 30 Jahre alte Journalistin an Kopf, Armen und Beinen gefesselt, sie geschlagen, auf sie eingestochen und sie dann getötet, schreiben die Ermittler. Demnach war es Mord. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft oder Sicherungsverwahrung für Madsen, den sie als gefährlich einstuft. Der Prozess beginnt am 8. März in Kopenhagen. Die Urteile werden am 25. April erwartet.

Das Kapitalverbrechen soll am 10. oder 11. August zwischen 10 Uhr am Abend und 10 Uhr morgens geschehen sein. Kim Wall war am 10. August nach Kopenhagen gekommen, um eine Reportage über den bekannten U-Boot-Bauer zu schreiben. Ende August fand eine Person den Torso von Kim Wall am Ufer von Amager, einer Halbinsel im Südosten von Kopenhagen. Er war von Messerstichen gezeichnet. Später fanden Taucher Kopf und Beine, und schließlich wurden die Arme von Tauchern aufgespürt, so dass die Familie eine ganze Person beerdigen konnte.

Der Exzentriker Peter Madsen hatte der Polizei immer wieder neue Versionen zum Tod von Kim Wall aufgetischt. Er bestreitet einen Mord. Walls Tod soll laut ihm ein Unfall gewesen sein, vor den Behörden hat er jedoch jede Glaubwürdigkeit verspielt. Zunächst hatte Madsen angegeben, die 30 Jahre alte Journalistin lebend auf einer Halbinsel abgesetzt zu haben. Dann behauptete er, der Frau sei ein schwerer Lukendeckel auf den Kopf gefallen, als sie nach einem Tauchgang Luft schnappen wollte. Er beschrieb detailreich ein blutiges Unglück. Am Schädel der Frau fand man jedoch keine Spuren eines solchen Schlages. Später behauptete er, sie sei an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben. Madsen hatte immer wieder freiwillig einer Verlängerung der Untersuchungshaft zugestimmt.

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