zur Navigation springen

"Lourdes" : An der Quelle der Wunder

vom

Religiöser Rummel oder Stätte der Wunder? Jessica Hausner betrachtet in "Lourdes" das Phänomen der Marienwallfahrtsstätte in den Pyrenäen.

shz.de von
erstellt am 30.Mär.2010 | 03:17 Uhr

Lourdes - das ist die in aller Welt bekannte Marienwallfahrtsstätte im Südwesten der Pyrenäen. Sie zieht jährlich mehr als eine Million Pilger an, darunter massenweise Todkranke und Behinderte, die auf eine wundersame Heilung durch Quellwasser hoffen. Kein Papst kommt daran vorbei, dort zur Mutter Gottes zu beten - so war Johannes Paul II. in Lourdes, und auch sein Nachfolger Benedikt XVI. ließ sich ein Glas von dem wunderbaren Wasser reichen, das an einer Grotte aus dem Berg sprudelt. Was es mit den Wundern auf sich hat, das wollte die Wiener Filmemacherin Jessica Hausner wissen - und drehte ein eindrucksvolles Werk mit dem schlichten Titel "Lourdes".

Ruhig und prägnant stellt die 37-jährige Österreicherin den ganzen religiösen Rummel und die Vermarktung jener Marienerscheinungen vor, die die einfache Müllerstochter Bernadette Soubirous dort an der Grotte gehabt haben soll. Der von ZDF und Arte mitproduzierte Film erzählt in klaren Einstellungen von der an den Rollstuhl gefesselten Christine (hervorragend: Sylvie Testud), die anfangs durchaus noch skeptisch ist, nicht so ganz an Wunder zu glauben scheint. Doch dann wird sie zum großen Star ihrer Gruppe der hoffnungsvoll nach Lourdes gereisten Kranken und Gebrechlichen. Denn unter den Augen eines von ihr heiß verehrten Malteser-Helfers (Bruno Todeschini) beginnt sie plötzlich zu laufen, zieht Bewunderung auf sich und sofort auch Neid.
"Eine grausame Erzählung"

"Eine grausame Erzählung, ein Tagtraum oder eine Nachtmär", so sieht Jessica Hausner ihr jüngstes Werk. Darin lässt sie die Frage aufwerfen, warum der eine geheilt zu werden scheint und die anderen - genauer Millionen andere - weiter ungetröstet leiden müssen. Doch in "Lourdes" hat auch ein Kirchenmann darauf nur eine Antwort parat, die vielen platt erscheinen mag: Gott ist frei in seinen Entscheidungen.

Und so muss es schon bei Bernadette aus dem Städtchen am Fuße der Pyrenäen gewesen sein - ausgerechnet die ärmliche Müllerstochter soll 1858 gleich mehrere Marienerscheinungen gehabt haben. Später war sie als Ordensschwester tätig, und nach ihrem Tod wurde sie, ungewollter Auslöser dieses Pilger-Ansturms, dann selig- und heiliggesprochen.
"Lourdes" galt manchen auf dem Filmfestival von Venedig 2009 als einer der Favoriten für den Goldenen Löwen, zumal der Film es nicht nötig hat, mit Effekten und technischem Schnickschnack glänzen zu wollen. Es reichte zwar am Lido dann nur zu einem Nebenpreis, doch auf der Viennale 2009 kam bereits der Wiener Filmpreis für den besten Spielfilm hinzu. Die Tochter des Wiener Malers Rudolf Hausner hat jedenfalls mit "Lourdes" ein weiteres Schmuckstück ihrer Karriere vorgelegt. Vor einem Jahrzehnt wurde die Filmemacherin international bekannt, mit "Lovely Rita" über ein in familiäre Zwänge eingebundenes Mädchen. Es folgte der Psychothriller "Hotel" (2004), der ihr einige Auszeichnungen einbrachte. Und jetzt das eineinhalbstündige Werk über das Pilger-Business im 21. Jahrhundert und den Glauben an Gottes Wunder.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen