Täter war polizeibekannt : Alptraum für Familie: Fremder Mann springt mit Kind vor Zug

Am Wuppertaler Hauptbahnhof hat sich ein Mann ein fremdes Kind geschnappt und ist mit ihm vor einen einfahrenden Zug gesprungen. Das fünfjährige Kind wurde dabei leicht verletzt.
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Am Wuppertaler Hauptbahnhof hat sich ein Mann ein fremdes Kind geschnappt und ist mit ihm vor einen einfahrenden Zug gesprungen. Das fünfjährige Kind wurde dabei leicht verletzt.

Wenn der Alptraum Realität wird: Am Bahnhof in Wuppertal greift sich ein Fremder den fünfjährigen Sohn einer Familie - und springt mit ihm vor einen einfahrenden Zug. Wie durch ein Wunder überlebt der Junge nur leicht verletzt.

shz.de von
13. April 2018, 17:42 Uhr

Um 18.08 Uhr geschieht am Donnerstagabend im Wuppertaler Hauptbahnhof das Ungeheure: Ein polizeibekannter Mann greift sich an Gleis 5 ein fremdes Kind und springt mit ihm vor den Augen der entsetzten Eltern und Geschwister vor einen einfahrenden Zug.

Der 23-Jährige geht der Lok sogar noch entgegen, bevor er sich mit dem fünfjährigen Jungen zwischen die Schienen legt.

Der Lokführer der herannahenden S-Bahn bemerkt das Drama und löst eine Notbremsung aus, kann aber nicht mehr verhindern, dass die tonnenschwere Lok Mann und Kind überrollt. Doch der Junge hat großes Glück im Unglück. Weil sich der Fremde längs zu den Schienen legt, erfasst die Lok weder Mann noch Kind.

Das Gesicht des Fünfjährigen erscheint kurz darauf an der Bahnsteigkante, er kann selbst unter dem Zug hervor- und rasch wieder auf den Bahnsteig klettern, wie ein Polizeisprecher berichtet. Äußerlich trägt er nur ein paar Schürfwunden davon.

Als auch der unverletzte Täter unter dem Zug auftaucht, wird er sofort von herbeieilenden Passanten gepackt, festgehalten und der Polizei übergeben. Es handelt sich um einen 23-jährigen Inder, der seit vielen Jahren in Gelsenkirchen lebt und der Polizei bereits wegen kleinerer Delikte bekannt ist. «Das waren Aggressionsdelikte und Schwarzfahren», sagt Staatsanwalt Hauke Pahre.

Nun wird wegen versuchten Mordes gegen den 23-Jährigen ermittelt. Der Staatsanwalt wirft ihm Heimtücke vor. Die Familie des Fünfjährigen und der Verdächtige kennen sich nicht, sind sich laut Ermittlern vermutlich nie zuvor begegnet.

Der Fünfjährige ist das älteste von drei Kindern der betroffenen Familie: Seine ein und drei Jahre alten Geschwister sind ebenfalls mit den Eltern auf dem Bahnsteig und erleben den Horror mit. Die Familie wird danach von Seelsorgern betreut. Auch der Lokführer ist von dem Geschehen mitgenommen: «Er ist heute krank und wird psychologisch betreut», sagt ein Bahnsprecher.

Unklar bleibt das Motiv des Verdächtigen. In der Polizeivernehmung schweigt er. Ein Psychiater wird hinzugezogen. Ihm berichtet der 23-Jährige, dass er schon seit einer Weile Stimmen hört. Der Facharzt attestiert ihm eine schizophrene Psychose. Daraufhin beantragt die Staatsanwaltschaft die Unterbringung in einer geschlossenen Psychiatrie.

Wie am Freitag zudem bekannt wird, hatte das Amtsgericht Gelsenkirchen den psychisch auffälligen Mann bereits unter Betreuung gestellt.

Das Drama an Gleis 5 hatte auch erhebliche Auswirkungen auf den Bahnverkehr und viele Reisende: Der Wuppertaler Hauptbahnhof wird nach dem Vorfall für alle Züge für eine knappe Stunde voll gesperrt und bleibt zum Abschluss der Spurensicherung um 21.14 Uhr noch weitere drei Stunden teilweise gesperrt. Rund 40 Züge waren nach Angaben eines Bahnsprechers betroffen. Die Verbindungen fielen ganz oder teilweise aus, Fernzüge seien umgeleitet worden. Es kam zu Verspätungen.

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