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Welt-Aids-Tag : Aids bleibt zweithäufigste Todesursache unter Teenagern

vom

Die Vereinten Nationen haben ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2030 sollen HIV und Aids weltweit eingedämmt werden.

shz.de von
erstellt am 01.Dez.2015 | 07:39 Uhr

Aids ist die zweithäufigste Todesursache weltweit unter Teenagern. In Afrika sei die Immunschwächekrankheit sogar der häufigste Grund für Todesfälle in der Altersgruppe der zehn- bis 19-Jährigen, berichtete die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Präventionsprogramme und Verhütungsangebote müssten ausgeweitet werden und sich gezielt an Jugendliche richten. Am häufigsten sterben Jugendliche laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei Unfällen.

Insgesamt ging die Zahl der HIV-Neuinfektionen weltweit - bezogen auf alle Altersgruppen - von der Jahrtausendwende bis 2014 um 35 Prozent auf zwei Millionen im Jahr zurück. Im vergangenen Jahr starben den Angaben zufolge 1,2 Millionen Menschen an Aids, 800.000 weniger als 2004.

Ein Problem: Eine der wirkungsvollsten Präventionsmaßnahmen wird von der katholischen Kirche verboten. Papst Franziskus hat eine gewisse Flexibilität in Bezug auf die ablehnende Haltung der katholischen Kirche gegenüber Kondomen angedeutet. Die Frage, ob der Gebrauch von Kondomen zur Vermeidung von HIV-Infektionen erlaubt werden solle, stelle die Kirche vor ein „Dilemma“, sagte Franziskus während des Rückflugs nach Rom nach Abschluss seiner Afrika-Reise. Es gelte, das Gebot der Enthaltsamkeit gegen das Verbot des Tötens abzuwägen. Es gehe darum, „das Leben zu verteidigen, oder den Geschlechtsverkehr, aus dem das Leben kommt“.

Franziskus vermied eine konkrete Antwort auf die Frage, ob die Kirche angesichts der hohen HIV-Infektionsraten in Afrika ihre Haltung ändern sollte. Er antwortete mit einem vielsagenden Bibel-Gleichnis. Jesus sei einmal gefragt worden, ob es zulässig sei, am Sabbat Menschen zu heilen. „Es ist eine Pflicht, zu heilen“, sagte Franziskus. Erst wenn alle geheilt seien, „in dieser Welt können wir dann vom Samstag sprechen“. Der Papst sagte aber auch, es gebe größere Probleme wie soziale Ungleichheit, Hunger und Kriege.

In Deutschland wissen nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) etwa 13.200 von 83.400 Menschen mit HIV nichts von ihrer Infektion. Dabei raten Experten inzwischen dazu, so früh wie möglich mit einer Therapie zu beginnen. Die Deutsche Aids-Hilfe will daher ihre anonymen und kostenlosen Testangebote ausbauen. Doch nicht jeder will sich überprüfen lassen. „Vor allem Angst vor Diskriminierung und der Glaube, mit HIV sei ein erfülltes Leben nicht mehr möglich, halten Menschen vom HIV-Test ab“, sagte Vorstandsmitglied Ulf-Arne Hentschke-Kristal.

Hintergrund: HIV und AIDS

Das Humane Immunschwächevirus (HIV) ist die Ursache für die Krankheit Aids. Es wird vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und infizierte Injektionsnadeln übertragen. Das Virus ist sehr wandlungsfähig. Viele Tests für einen Impfstoff sind bisher gescheitert.

Der Erreger legt unter anderem bestimmte Immunzellen lahm. Deshalb kann das Abwehrsystem des Körpers Krankheitserreger wie Bakterien und Viren nicht mehr wirkungsvoll bekämpfen. Selbst an sich harmlose Infektionen können so zur tödlichen Bedrohung werden.

Nach einer erkannten HIV-Infektion lassen sich Ausbruch und Symptome von Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Erworbenes Immunschwäche-Syndrom) mit verschiedenen Medikamenten bekämpfen. Die Kombination solcher Arzneien kann die Vermehrung des Erregers im Blut verhindern. Lebensqualität und -erwartung der Patienten sind durch diese Therapien deutlich gestiegen. Sie haben jedoch Nebenwirkungen und können Patienten noch nicht heilen.

 

Der Welt-Aids-Tag, der jedes Jahr am 1. Dezember stattfindet, will unter anderem für mehr Solidarität mit Betroffenen werben. Auch die Bundesregierung rief zu mehr Akzeptanz auf. Die meisten Menschen wüssten, wie sie sich vor einer Infektion mit dem Aids-Erreger schützen könnten, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) in Berlin bei der Vorstellung der Kampagne „Positiv zusammen leben“.

Bekannt sei auch, dass es im täglichen Miteinander keine Ansteckungsrisiken gebe. Aber nicht immer vertrauten die Menschen diesem Wissen. Die Kampagne wolle Vorurteile abbauen. Das Aktionsbündnis Aids forderte die Bundesregierung auf, mehr in Maßnahmen gegen Aids zu investieren. Dem Bündnis gehören nach eigenen Angaben bundesweit rund 300 Gruppen und Organisationen an.

Das HI-Virus in der Blutbahn.
Das HI-Virus in der Blutbahn. Foto: Imago
 

Der Kampf gegen die Immunschwächekrankheit muss aus Sicht der WHO trotz aller Erfolge unvermindert weitergehen. In einigen besonders betroffenen Ländern sinke die Zahl der Neuinfektionen nicht mehr.

Zahlreichen HIV-Infizierten in afrikanischen Ländern südlich der Sahara ist der regelmäßige Zugang zu lebensrettenden Medikamenten verwehrt. Antiretrovirale Arzneimittel seien zwar generell auf Lager, gelangten aber zu spät zu vielen Kliniken, erklärte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) während der Internationalen Konferenz über Aids und sexuell übertragene Infektionskrankheiten (ICASA) in der simbabwischen Hauptstadt Harare. Der Grund für die Engpässe seien vor allem schlecht organisierte Zulieferketten und logistische Hürden.

Die vom HI-Virus verursachte Immunschwächekrankheit Aids ist in Afrika die Todesursache Nummer eins bei Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren, weltweit ist es die Nummer zwei. Jede Stunde stecken sich laut Unicef weltweit 26 Menschen mit dem HI-Virus an. Die katholische Kirche lehnt Verhütungsmittel ab. 

Die Organisation Brot für die Welt forderte, Männer in Afrika stärker in den Fokus zu nehmen. Viele ließen sich nicht rechtzeitig auf HIV testen und starteten mit einer Behandlung erst, wenn es ihnen sehr schlecht gehe. Es seien vor allem Frauen, die sich - während der Schwangerschaft - auf den Aids-Erreger testen lassen.

Die Vereinten Nationen haben sich zum Ziel gesetzt, die Immunschwächekrankheit bis zum Jahr 2030 zu stoppen. Vor diesem Hintergrund hat das Kinderhilfswerk World Vision eine neue Strategie verabschiedet. Dabei gehe es vor allem um die Verhinderung von Neuinfektionen bei Kindern und ihren Müttern, um die Unterstützung und Versorgung betroffener Jungen und Mädchen sowie den Schutz vor Ansteckungen bei Jugendlichen, teilte World Vision mit. Weltweit leben demnach 2,6 Millionen Kinder mit dem HI-Virus.

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