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Zoo in Arnheim : Affe Tushi bringt Drohne zum Absturz

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Der Schimpanse Tushi geht in einem niederländischen Zoo mit einem Stock bewaffnet auf den fliegenden Eindringling los.

shz.de von
erstellt am 04.Sep.2015 | 10:06 Uhr

Arnheim | Ein Schimpanse hat eine Drohne in einem Zoo in den Niederlanden gezielt zum Absturz gebracht. Eine Filmcrew wollte mit dem kleinen Fluggerät Aufnahmen aus der Luft von einer Affengruppe im Royal Burgers' Zoo in Arnheim machen. Doch Weibchen Tushi brachte die Drohne kalkuliert zur Strecke: Sie kletterte auf ein Gerüst und attackierte mit einem fast zwei Meter langen Zweig das Flugobjekt.

Die Schimpansen sind eine Gattung aus der Familie der Menschenaffen. Sie sind mit einem DNA-Unterschied von 1,37 Prozent die nächsten lebenden Verwandten des Menschen. Schimpansen wohnen - wenn sie nicht in Zoos eingesperrt werden - im mittleren Afrika, vor allem im Senegal, in Nigeria, im Norden und Osten der Demokratischen Republik Kongo sowie in Uganda und Tansania. Dort sind die Tiere  durch die fortschreitende Zerstörung und Zerstückelung ihres Lebensraumes bedroht. Der Gemeine Schimpanse und sein kleinerer Verwandter, der Bonobo, werden von der Weltnaturschutzunion „International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“ IUCN als stark gefährdet gelistet. Zuverlässige Schätzungen über die Populationsgröße beider Arten gibt es jedoch nicht.

Ein Bericht dazu ist jetzt in der Fachzeitschrift „Primates“ erschienen, wie der Wissenschaftsverlag Springer mitteilte. Der Vorfall ereignete sich bereits im April. Die Wissenschaftler Jan van Hooff und Bas Lukkenaar sehen diesen Vorfall demnach als weiteren Beweis dafür, dass Schimpansen nicht lange fackeln und als Werkzeug benutzen, was immer ihnen zwischen die Finger kommt.

Bereits bei einem Testlauf erweckte die Drohne die Aufmerksamkeit der Schimpansen: Manche schnappten sich Weidenzweige vom Boden. Vier der Tiere erklommen so bewaffnet ein Klettergerüst in der Nähe der Drohne. Dieses Verhalten sei für Schimpansen eher untypisch.

Als die Aufnahmen begannen, zoomte die Kamera auf die beiden Schimpansen-Weibchen Tushi und Raimee: Sie saßen immer noch auf dem Holz-Gerüst und hielten Zweige in den Händen, die etwa 180 Zentimeter lang waren. Tushi schwenkte ihren Zweig zweimal schwungvoll durch die Luft - der zweite Streich holte die Drohne erfolgreich auf den Boden und zerstörte sie, wie die letzten Aufnahmen zeigen. Vor und während des Hiebs schnitt sie Grimassen.

Obwohl ihr Gesicht ihre Anspannung verriet und sie ihre Zähne bleckte, zeigte sie den Angaben zufolge keinerlei Anzeichen von Furcht. Daraus - so die Studie - kann man schlussfolgern, dass sie mit Absicht auf die Drohne einschlug, nicht aus Reflex oder Angst.

„Die Benutzung eines Stocks als Waffe war eine in diesem Kontext einzigartige Handlung“, kommentierte van Hooff. „Sie schien sehr durchdacht.“ Lukkenaar ergänzte: „Diese Begebenheit liefert uns weitere Anzeichen, dass Schimpansen die Benutzung von Werkzeug vorausplanen.“ Nach dem Absturz inspizierten die Schimpansen die Drohne und warfen sie herum, bis sie das Interesse daran verloren.

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