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"Brothers Bloom" : Adrien Brody als Ganove

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Zwei Gauner wollen die vermögende Penelope ausnehmen. Bis sich einer in das Opfer verliebt.

Vom perfekten Trickbetrug profitiert am Ende jeder, sagt der Kleinganove Stephen Bloom. Der Täter kriegt das Geld, und das Opfer erlebt ein Abenteuer - wenn auch unfreiwillig. Im Fall der skurrilen Komödie "The Brothers Bloom" gibt es noch einen dritten Beteiligten: Der Zuschauer hat seine helle Freude. Die beiden Brüder Bloom erschwindeln sich als Waisenkinder das Taschengeld ihrer Klassenkameraden, die sie auf Schatzsuche schicken und dafür abkassieren. Später täuschen sie dramatische Showdowns vor und ergaunern Geld. Der 35-jährige US-Regisseur Rian Johnson bekam mit dem Gangsterfilm "Brick" (2005) zahlreiche Preise bei Independent- Festivals. Nun legt Johnson, der das Drehbuch schrieb und Regie führte, sein zweites Hollywood-Werk vor. Dabei beweist er großes Talent.

Das Genre der sogenannten "Con-Movies" (Trickbetrüger-Filme) lebt von der Unsicherheit des Zuschauers, der dem Erzählten nie trauen kann. Das argentinische "Nine Queens" - als "Matchstick Men" später ein mäßiges US-Remake - führte den Zuschauer auf doppelten und dreifachen Boden, der nie stabil war. "The Brothers Bloom" folgt denselben Mechanismen, doch ist das ganze in seiner humorvollen Gewichtung eher eine Persiflage auf die "Con-Movies".
Explodierende Schlösser und betrunkene Kamele

Die überzeichneten Figuren und anarchisch-unkonventionellen Bilder erinnern an die Werke von Wes Anderson ("Die Royal Tenenbaums", "Darjeeling Limited"). Ein Schloss explodiert auf Knopfdruck, ein Kamel betrinkt sich mit Wodka, und zwielichtige Figuren feiern exzessive Feste. Es ist die derbe Lausbubengeschichte von zwei ewigen Kindern, die mit immer neuen Masken dem Erwachsensein entkommen wollen. Vor lauter Lügen haben sie beim Thema Wahrheit den Durchblick verloren. Als die naive, exzentrische Multimillionärin Penelope auf der Bildfläche erscheint, droht die fragile familiäre Zweisamkeit einzustürzen.

Das Hauptdarsteller-Trio ist mit den beiden Oscar-Gewinnern Adrien Brody ("Der Pianist") und Rachel Weisz ("Der ewige Gärtner") sowie Mark Ruffalo ("Ein einziger Augenblick") ein Glücksgriff. Den Dreien ist die Lust an der fast schon surrealen Story fern jeglicher Figurenklischees anzumerken. Im deutlichen Gegensatz der beiden Brüder - der eine gerissen und skrupellos, der andere zaghaft und melancholisch - hat es sich der Autor Johnson allerdings etwas einfach gemacht. Eine stumme Japanerin, die ihren Gefühlen nur mit funkelnder Mimik Luft machen kann, erscheint etwas zu viel der skurrilen Einfälle. Maximilian Schell mimt einen undurchsichtigen russischen Gegenspieler.

"Brick" war ein anspruchsvoll verschachtelter Neo-Noir-Thriller über Drogendealer an einer High School. In "The Brothers Bloom" gelingt Johnson ein Exkurs in heitere Gefilde. In seinem dritten Film, der für 2010 angekündigte düstere Science-Fiction-Streifen "Looper", erzählt Johnson von Auftragsmördern und ihren Opfern. Johnson will sich offenbar auf keinen Fall auf ein Genre festlegen - und erweist sich auch damit als vielversprechender junger Hollywood- Regisseur.
Brothers Bloom, USA 2008, 113 Min., FSK o. A., von Rian Johnson, mit Adrien Brody, Mark Ruffalo, Rachel Weisz

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erstellt am 25.Aug.2009 | 05:44 Uhr

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