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"Wie das Leben so spielt" : Adam Sandler im Haifischbecken der Berufskomiker

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Adam Sandler spielt einen krebskranken Comedy-Superstar, dem nicht nur die Gags, sondern auch wahre Freunde ausgegangen sind.

Die Comedy-Welt ist ein Haifischbecken, in der sich die Berufskomiker gegenseitig belauern. Zeigt der eine Schwäche, nimmt der andere das als Anlass zum Spott. Davon erzählt der Hollywoodfilm "Wie das Leben so spielt". Wirklich witzig ist das nicht - eher tieftraurig. So ist es mit dem ganzen Film: Es werden viele Witze erzählt, obgleich die Geschichte in Richtung Drama weist. Adam Sandler spielt einen krebskranken Comedy-Superstar, dem nicht nur die Gags, sondern auch wahre Freunde ausgegangen sind. Nachwuchstalent Seth Rogen ("Beim ersten Mal") wird sein Ghostwriter, ist mit dem vereinsamten, divenhaften Superstar aber schnell überfordert.

Regisseur Judd Apatow und Sandler kennen sich aus ihren Comedy- Anfängen vor zwanzig Jahren, damals teilten sie eine Wohngemeinschaft. Apatow gelang in den vergangenen fünf Jahren der Durchbruch als Regisseur, Autor oder Produzent. Mit Comedys wie "Jungfrau (männlich), 40, sucht..." oder "Superbad" ließ er die Kinokasse klingeln. Sein Markenzeichen: Derbe Späße über ewige Verlierer, die ihr Leben am Ende des Films doch irgendwie meistern. Diese Balance zwischen Humor und Herzschmerz wird in dem neuen Streifen aufgehoben, Sentimentalitäten überwiegen.
Bilderbuchfamilie gerät in die Krise

Die dramatischen Haupt- und Neben-Handlungen sind breitgefächert: Freunde hintergehen einander, eine Bilderbuchfamilie gerät in die Krise, junge College-Absolventen haben beruflich keine Perspektive und ein Altstar will vor dem Tod mit dem Leben ins Reine kommen. Leider lässt sich Apatow für keine der Storys angemessen Zeit. Er benennt die Probleme bloß, ohne in die Tiefe zu gehen. Genug Raum dafür hätte er gehabt: 146 Minuten war das Original lang, die deutsche Fassung wurde um sechs Minuten gekürzt.

Nachdem Apatow mit unbarmherzigen Blicken für peinliche Momente mit Comedys sehr erfolgreich war, gibt er sich nun als reifer Filmemacher. Doch er schneidet so viele verschiedene Geschichten an, dass sich der rote Faden völlig verheddert. Zum Lachen gebracht werden soll das Publikum hauptsächlich mit Genitalwitzen, die ein Eintauchen in den dramatischen Fluss der Geschichte schwierig machen.
"Wie das Leben so spielt" ist ein unausgegorener Mix aus Drama und Comedy. Apatow-Fans werden wohl mit dem überraschenden melancholischen Grundton hadern, Freunde schwermütiger Kino-Gefilde hingegen werden sich an den nicht enden wollenden Penis-Witzen stören. Am Ende des Films sind alle Figuren wieder in ähnlichen Positionen wie am Anfang; als wäre nichts geschehen, als hätte sich die Geschichte im Kreis gedreht. "Wie das Leben so spielt", wollen die Filmemacher dem Publikum wohl weismachen.

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erstellt am 15.Sep.2009 | 05:35 Uhr

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