Staubilanz : ADAC meldet Staurekord für 2017: Hamburg an der Spitze

Staumeldungen auf Platz zwei.
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Eine kilometerlange Blechlawine auf der A8 in Bayern. Das Bundesland liegt bei den Staumeldungen auf Platz zwei.

Auf den Straßen wird derzeit viel gebaut und auch die Anzahl der Fahrzeuge steigt stetig. Die Folge: lange Staus.

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23. Januar 2018, 16:21 Uhr

München | Der ADAC hat im vergangenen Jahr in Deutschland rund 723.000 Staus registriert – mehr als je zuvor. Im Vorjahr hatte der Autoclub 694.000 Stauereignisse auf deutschen Autobahnen gemeldet. Auch bei den Staukilometern gab es laut der am Dienstag veröffentlichten ADAC-Staubilanz für 2017 erneut einen Zuwachs. Sie summierten sich auf eine Gesamtlänge von 1,45 Millionen Kilometer, ein Plus von fünf Prozent, wie der Autoclub mitteilte. Die Zahl der Stunden, die Autofahrer im stockenden Verkehr zubrachten, stieg auf 457.000 (2016: 419.000), das waren neun Prozent mehr als im Vorjahr.

Es werde an den Straßen rege gebaut – und der Verkehr nehme ständig weiter zu, erklärte der ADAC die Zunahme. Die Kfz-Fahrleistung sei laut der Bundesanstalt für das Straßenwesen (BASt) gegenüber 2016 um 1,3 Prozent gestiegen. Die drei Bundesländer mit den meisten Staumeldungen waren erneut Nordrhein-Westfalen (35 Prozent), Bayern (18 Prozent) und Baden-Württemberg (elf Prozent). Auf diese drei Bundesländer entfielen insgesamt 64 Prozent aller Staumeldungen.

Hamburg in Autobahn-Staubilanz auf Platz eins

Auf den Hamburger Autobahnen hat es sich demnach im vergangenen Jahr so viel gestaut wie in keinem anderen Bundesland. Im Verhältnis zu den vorhandenen Autobahnkilometern seien in Hamburg und Berlin die meisten Staus verzeichnet worden, teilte der Autoclub mit. Für die Gesamtlänge der Staus in der Hansestadt errechnete der ADAC die Kennziffer 390. Sie liegt damit knapp vor Berlin (388). In der Hauptstadt ist allerdings die Kennzahl für die Dauer der Staus höher.

Die gemeldeten Staukilometer summierten sich in Hamburg über das Jahr auf 31.630. Das waren 3823 Kilometer oder knapp 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch in Schleswig-Holstein wuchs die Blechlawine, und zwar um 1854 Kilometer oder rund sechs Prozent auf eine Gesamtlänge von 34.694 Kilometern.

Stauschwerpunkte waren auf der A7 die Abschnitte zwischen dem Dreieck Hamburg-Nordwest und Schnelsen sowie vor dem Elbtunnel zwischen Waltershof und Othmarschen. Weiter nördlich staute sich der Verkehr besonders häufig auf zwischen Quickborn und Schnelsen-Nord sowie rund um Neumünster. Zwischen Hamburg und dem Dreieck Bordesholm südwestlich von Kiel wird die Autobahn zurzeit ausgebaut. Auch für den Baustellenbereich bei Stapelfeld auf der A1 brauchten Autofahrer viel Geduld.

Den viertgrößten Stau mit 29 Kilometern Länge gab es am 6. Juni 2017 auf der A7 zwischen Henstedt-Ulzburg und Heimfeld. Die längste Verkehrbehinderung in Hamburg registrierte der ADAC am 5. Oktober auf 23 Kilometern der A1 zwischen Billstedt und Seevetal-Hittfeld. Damals hatte die Deutsche Bahn wegen des Sturmtiefs „Xavier“ den Zugverkehr in ganz Norddeutschland eingestellt. Der Verkehrskollaps beim G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg machte sich auf den Autobahnen nicht mit einer Rekordstaulänge bemerkbar.

Ursache der wachsenden Behinderungen um Hamburg sei zum einen der zunehmende Verkehr in der wachsenden Metropole. Zum Teil hätten Autofahrer auch versucht, innerstädtische Baustellen über die Autobahnen zu umgehen, erklärte ein ADAC-Sprecher. Ein weiterer Grund sei die gestiegene Attraktivität deutscher Urlaubsziele. An die Küsten von Nord- und Ostsee reisen viele Menschen mit dem Auto.

Nur die halbe Wahrheit

Ein Kommentar von Barbara Glosemeyer

„Deutsche Stau-Meister“ und „Stau-Hauptstadt“: Es ist eine bittere Auszeichnung, die Hamburg erneut eingeheimst hat. Es ist nicht das erste Mal und jeder Autofahrer kann ein Lied davon singen, wie viel berufliche und private Lebenszeit er in und um Hamburg in Blechkarawanen verbringt. Die ADAC-Bilanz stimmt – auch gefühlt.

Und doch sind Stau-Flüche oft auch nur die halbe Wahrheit. Denn ohne die Baustellen von heute gibt es morgen keine Entlastung für die Autofahrer. Die Erweiterung der A7 von Hamburg bis Bordesholm, der Bau von drei Deckeln über die Autobahn auf Hamburger Stadtgebiet, sind über Jahre hinweg immense Bauprojekte, die im Verhältnis zum Bauvolumen relativ störungsfrei über die Bühne gehen. Warum? Weil Planung und Kommunikation klappen. Auch deshalb sind A7-Stauproteste überschaubar. Der Autobahn-Ausbau pusht zwar die Staubilanzen, bringt aber in Zukunft existenzielle Entlastung wie die sechsspurige A1 zwischen Hamburg und Bremen.

Anders die Baustellenregie im Stadtverkehr: Da weiß oft die linke Hand nicht, was die rechte tut; da wird als „Zugabe“ zur einspurigen Baustellen-Ausfallstraße gerne gleichzeitig auch die Umgehung repariert. Motto: Einfach vom A7-Baustellen-Management lernen. Dann ist Hamburg künftig vielleicht nicht mehr Stau-Hauptstadt.

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