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Notarzteinsatz in Wallenfels : Achte Babyleiche gefunden: Mutter legt Geständnis ab

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In Wallenfells herrscht Fassungslosigkeit. Acht Babys wurden tot gefunden. Die Mutter tötete sie nach der Geburt.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2015 | 15:28 Uhr

Wallenfels | Nach dem Fund von acht Babyleichen in Oberfranken hat die Mutter ein Geständnis abgelegt. Sie habe eingeräumt, „einige Kinder“ lebend zur Welt gebracht und danach getötet zu haben, teilte die Polizei am Samstag mit. Die 45-Jährige war am Freitagabend gegen 19.45 Uhr in einer Pension in Kronach festgenommen worden. Sie war in Begleitung eines 55 Jahre alten Mannes.

In der Nacht zum Freitag hatten die Ermittler in der kleinen oberfränkischen Stadt Wallenfels zunächst die sterblichen Überreste von mindestens sieben Babys entdeckt. Am Freitagnachmittag fanden sie dann eine weitere Säuglingsleiche. Die Leichen der Kinder waren in Handtücher und Plastiktüten gewickelt. Offen blieb zunächst, wie die Babys zu Tode kamen und wann sie starben. Die tatverdächtige Frau hatte bis vor kurzem in dem Haus gelebt.

Die Leichen seien in einem schlechten Zustand, sagte die Sprecherin. Aufschluss soll eine Obduktion in der Erlanger Rechtsmedizin bringen, Ergebnisse erwarten die Ermittler aber erst in der kommenden Woche. Oberstaatsanwalt Martin Dippold sagte, man wisse zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal, ob die Kinder nach der Geburt am Leben waren.

Eine Anwohnerin hatte am Donnerstagnachmittag den Notruf gewählt, nachdem sie in der Wohnung die sterblichen Überreste eines Säuglings gefunden hatte. Daraufhin entdeckten die alarmierten Polizisten in einem Zimmer mehrere weitere Leichen. In welchem Verhältnis die Anruferin zu den Hausbewohnern steht, sagte die Polizei zunächst nicht. Am Freitagmittag hatte die Polizei mitgeteilt, man gehe von sieben Leichen aus. Ermittler im Haus fanden aber am Nachmittag ein weiteres totes Baby.

Mittlerweile wurde die Ermittlungsgruppe „Schlossberg“ gegründet. „Es sind noch sehr viele Personen zu befragen und es erfolgen auch weitere Durchsuchungsmaßnahmen“, sagte die Polizeisprecherin. Dabei soll vor allem das Anwesen selbst noch genauer unter die Lupe genommen werden. „Unter Umständen kommen auch noch andere Objekte dazu.“ Es werde jetzt alles, was möglich sei, so zeitnah wie möglich gemacht.

In Wallenfels selbst herrschte am Freitag große Betroffenheit. Man traure um die Kinder, die nicht leben durften, sagte Bürgermeister Jens Korn (CSU). Ob es eine Trauerfeier oder einen Gottesdienst geben werde, sei noch offen. Man wolle sich hier mit den örtlichen Kirchengemeinden absprechen.

Babyleichen: Grausige Funde in der Vergangenheit

Oktober 2015: Passanten entdecken an einer Bushaltestelle in Sülfeld nördlich von Hamburg eine Babyleiche. Ersten Erkenntnissen zufolge war das Kind tot, als es dort abgelegt wurde.

April 2015: Im Müllcontainer eines Supermarktes in der Oberpfalz wird eine Babyleiche entdeckt.

September 2014: Die Polizei findet zwei tote Neugeborene in einem Schließfach des Hamburger Hauptbahnhofs. Der Mutter war schon vor einigen Jahren eine Babyleiche zugeordnet worden. Damals konnte nicht ermittelt werden, ob das Kind schon tot zur Welt kam. Die Frau begibt sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik.

August 2014: In den Wohnungen einer 32-Jährigen in Siegen und Bonn werden in Gefrierschränken versteckte Babyleichen entdeckt. Die Frau wird zu drei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt.

Mai 2014: In München wird in der Toilette eines Reisezugs ein totes Neugeborenes gefunden. Einen Tag zuvor war in der Uckermark in Brandenburg auf einer Wiese ein totes Baby entdeckt worden.

Oktober 2013: In Oberfranken werden bei Bauarbeiten im Garten eines Mehrfamilienhauses zwei Babyleichen entdeckt. Die Mutter soll sie in den 80er Jahren unversorgt gelassen und vergraben haben. Das Landgericht Hof urteilt 2014, dass ihr die Taten nach mehr als 25 Jahren nicht mehr nachgewiesen werden können.

März 2013: Eine 28-Jährige aus Husum in Schleswig-Holstein gesteht die Tötung ihrer fünf Kinder. 2006 war in Nordfriesland eine Babyleiche gefunden worden, 2007 eine weitere im Kreis Schleswig-Flensburg. Im Keller der Frau wurden später drei weitere Leichen entdeckt. Die Frau muss für neun Jahre ins Gefängnis.

Februar 2011: Polizisten finden die Überreste eines toten Babys in einem Garten in Jüterbog in Brandenburg. Die Mutter und ihr Ex-Partner hatten es nach der Geburt 2009 vergraben. 2012 wurden sie zu lebenslanger Haft verurteilt.

Juli 2005: In einer Garage in Brieskow-Finkenheerd (Brandenburg) werden bei einer Entrümpelung neun Babyleichen entdeckt. Die Mutter der Kinder hatte sie in Eimern und Blumenkübeln versteckt.

 
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