Sturm : Acht Tote und ein Schaden von einer halben Milliarde Euro: Die Bilanz von Orkan „Friederike“

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Orkan „Friederike“ hinterließ eine Schneise der Verwüstung.

Die Wetterlage entspannt sich langsam. Bahnreisende müssen sich dennoch weiter auf Einschränkungen einstellen.

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19. Januar 2018, 18:19 Uhr

Berlin | Der verheerende Orkan „Friederike“ hat in Deutschland Schäden von einer halbe Milliarde Euro angerichtet. Das geht aus ersten Schätzungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Der GDV hat dabei die versicherten Schäden zusammengerechnet. Mindestens acht Menschen verloren in dem Sturm ihr Leben. Die Zugverbindungen kamen am Freitag langsam wieder ins Rollen. Die Bahn hatte erstmals seit 2007 den Fernverkehr deutschlandweit eingestellt. Auch die Wetterlage entspannte sich – es bleibt jedoch ungemütlich.

„Friederike“ gilt als der schwerste Sturm in Deutschland seit „Kyrill“, der auf den Tag genau elf Jahre zuvor über das Land hinweggefegt ist. Allerdings war „Kyrill“ deutlich verheerender. Der Sturm schlug mit mehr als zwei Milliarden Euro Schaden zu Buche.

Jörg Kachelmanns Meteorologenteam erläuterte auf Twitter, bei „Friederike“ seien zwar an einigen Stationen höhere Windgeschwindigkeiten als damals bei „Kyrill“, gemessen worden – „aber von der Fläche war 'Kyrill', ein ganz anderes Kaliber“.

Wie „Kyrill“ hinterließ „Friederike“ nicht nur eine Schneise der Verwüstung. In Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg starben mindestens acht Menschen, darunter zwei Feuerwehrleute. Mehrere Leute wurden verletzt. 2007 hatte „Kyrill“ in Deutschland elf Menschen getötet.

Bahnverkehr eingeschränkt

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Laut Bahn sind an mehr als 200 Streckenabschnitten Reparaturen nötig.

 

Da zahlreiche Bahnstrecken zunächst noch gesperrt waren, mussten Reisende auch am Freitag mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen etwa war nach zahlreichen Schäden durch den Orkan weiterhin erheblich eingeschränkt. Im Regionalverkehr fuhren am Mittag auf rund der Hälfte der Linien wieder Züge. In Niedersachsen war die blockierte Nord-Süd-ICE-Strecke zwischen Hannover und Göttingen wieder befahrbar.

Laut Deutscher Bahn hat „Friederike“ Millionenschäden am Schienennetz angerichtet. An mehr als 200 Streckenabschnitten seien Reparaturen nötig. Reisende oder Mitarbeiter seien nicht zu Schaden gekommen. Der Bahn-Vorstand für Personenverkehr, Berthold Huber, verteidigte die bundesweite Einstellung: „Die Entscheidung, die Sicherheit unserer Fahrgäste und Mitarbeiter über alles zu stellen, war richtig.“

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bedankte sich via Twitter bei den Rettungskräften und sprach den Angehörigen der Todesopfer sein Mitgefühl aus. „Ich danke vor allem den mehr als 1000 ehrenamtlichen THWlern sowie allen anderen Einsatzkräften, die sich in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben.“ Der Sturm habe gezeigt, wie wichtig das Technische Hilfswerk (THW) für das Zusammenleben sei.

 

Im Wald droht Lebensgefahr

Der Orkan wütete auch im Wald, vor allem im Harz richtete er Verwüstungen an. „Wer jetzt in die Wälder geht, begibt sich in Lebensgefahr. Ich kann nur dringend davor warnen“, sagte der Der Dezernent der Niedersächsischen Landesforste, Dietmar Sohns.

Auch in Dresden wurden sämtliche Wälder gesperrt. Wer sie dennoch betritt, muss mit einer Geldbuße in Höhe von bis 2500 Euro, in besonders schweren Fällen sogar bis 10.000 Euro rechnen.

Heftige Kritik gibt es am inkonsequenten Umgang von Schulen mit dem Unterrichtausfall. Einige Schulen in Nordrhein-Westfalen hatten zunächst trotz der Sturmwarnung Unterricht erteilt und die Schüler dann nach der zweiten oder dritten Stunde nach Hause geschickt. Dadurch waren manche Kinder auf dem Heimweg mitten in den Sturm geraten.

Auch in anderen Ländern Europas wütete „Friederike“. In Belgien und den Niederlanden kamen Menschen ums Leben. In Polen gab es mehrere Verletzte. „Friederike“ war von Westen her über Deutschland gefegt. Auf dem Brocken im Harz seien in der Spitze Orkanböen von 203 Stundenkilometer gemessen worden. „Damit haben wir elf Jahre nach 'Kyrill' wieder einen Orkan der Königsklasse“, sagte DWD-Sturmexperte Andreas Friedrich. Die Meteorologen erwarten für das Wochenende vor allem Wolken und Regen-, Schnee- und Graupelschauer.

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