Katastrophe in Südostasiatischen : Zahl steigt weiter: Mehr als 1550 Tote nach Erdbeben und Tsunami in Indonesien

Rettungskräfte bringen eine Leiche auf einer Trage aus ein zusammengebrochenes Hotel in der Provinz Sulawesi. Foto: Iqbal Lubis/XinHua/dpa
Rettungskräfte bringen eine Leiche auf einer Trage aus ein zusammengebrochenes Hotel in der Provinz Sulawesi. Foto: Iqbal Lubis/XinHua/dpa

Das Ausmaß der Tsunami-Katastrophe in Indonesien deutlich: Mehr als 1550 Menschen sind tot. Es wird wohl noch schlimmer.

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05. Oktober 2018, 07:48 Uhr

Palu/Jakarta | Eine Woche nach den Erdbeben und dem Tsunami auf der indonesischen Insel Sulawesi ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 1558 gestiegen. Das teilte der Sprecher des nationalen Katastrophenschutzes, Sutopo Nugroho, am Freitag mit. Internationale Hilfe komme zwar an, wegen der zerstörten Infrastruktur könne sie aber noch nicht alle bedürftigen Menschen erreichen, so der Sprecher.

Elf Länder, darunter Australien, Großbritannien und die USA hätten bisher Flugzeuge mit Hilfsgütern in die betroffenen Gebiete gesendet. Indonesien nimmt nach Angaben des Katastrophenschutzes nur Hilfe in Form von Zelten, Wasseraufbereitungsanlagen, Generatoren und medizinischer Unterstützung an.

Seit Tagen wurden keine Überlebenden mehr unter den Trümmern entdeckt. Am heutigen Freitag läuft eine vorläufige Frist für die Rettungseinsätze ab. Danach gelten die Chancen als sehr gering – und viele traumatisierte Familien dürften allmählich traurige Gewissheit haben.

200.000 Menschen in Not

Der Sprecher des nationalen Katastrophenschutzes, Sutopo Nugroho, hatte die Zahl der Toten zuletzt am Mittwoch auf mindestens 1407 beziffert. Mehr als 2500 Menschen waren schwer verletzt und mindestens 113 wurden offiziell vermisst. Die tatsächliche Zahl der Todesopfer liegt wohl noch deutlich höher. Längst waren nicht alle aus Schlamm und Trümmern geborgen.

Dem Katastrophenschutz zufolge verloren mehr als 70.000 Menschen entlang von Sulawesis Westküste ihre Unterkunft. Die Vereinten Nationen schätzten, dass fast 200.000 Leute auf Hilfe angewiesen waren. Aus aller Welt gab es Zusagen. Die EU-Kommission aktivierte den europäischen Katastrophenschutz, um die Hilfe zu koordinieren. Die Bundesregierung gibt 1,5 Millionen Euro.

Karte: Verortung des Erdbebens und der vom Tsunami betroffenen Region. Hochformat: 60 x 85 mm; Redaktion: I. Kugel / J. Schneider; Grafik: A. Rigamonti
Karte: Verortung des Erdbebens und der vom Tsunami betroffenen Region. Hochformat: 60 x 85 mm; Redaktion: I. Kugel / J. Schneider; Grafik: A. Rigamonti

Besonders schlimm betroffen war die 350.000-Einwohner-Stadt Palu, wo der Tsunami am Freitagabend in drei Wellen mit bis zu sechs Metern Höhe auf die Küste getroffen war. In zwei Stadtteilen verwandelte sich der Boden bei der Katastrophe in einen weichen Brei – ein Phänomen, das als Bodenverflüssigung bekannt ist.

"Unser Dorf nicht vergessen"

In Palu kam es zu Plünderungen. Nach Polizeiangaben wurden 45 Menschen festgenommen. Sie versuchen in Einkaufszentren unter anderem Flachbildfernseher, Schuhe, Kleidung und einen Geldautomaten zu stehlen, wie Polizeisprecher Dedi Prasetyo mitteilte. Ihnen drohten demnach bis zu sieben Jahren Haft.

Bewohner von umliegenden Dörfern beklagten sich über fehlende Hilfe von außen. "Ich hoffe, die Medien können der Regierung sagen, sie soll auch in unser Dorf kommen", sagte Sukri, ein Bewohner des Dorfes Wani II. "Achtet nicht nur auf Palu."

Immer noch gibt es kleinere Nachbeben. Zudem brach im Nordosten der geplagten Insel noch ein Vulkan aus. Der knapp 1800 Meter hohe Soputan schleuderte Asche bis zu vier Kilometer in die Höhe. Offenbar ging es jedoch glimpflich ab. Der Inselstaat Indonesien hat so viele aktive Vulkane wie kein anderes Land der Welt.

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