"Wunde des Missbrauchs" : Papst Franziskus bestraft zwei chilenische Bischöfe

Papst Franziskus zieht nach dem Missbrauchsskandal weiter Konsequenzen.
Papst Franziskus zieht nach dem Missbrauchsskandal weiter Konsequenzen.

Papst Franziskus räumt nach den Missbrauchsvorwürfen weiter in der katholischen Kirche auf.

shz.de von
13. Oktober 2018, 16:40 Uhr

Rom | Papst Franziskus zieht im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche weitere Konsequenzen. Wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen ergriff das katholische Kirchenoberhaupt gegen zwei chilenische Geistliche eine der härtesten Maßnahmen überhaupt: Der emeritierte und in Deutschland lebende Erzbischof von La Serena, Francisco José Cox Huneeus, und der frühere Bischof von Iquique, Marco Antonio Órdenes Fernández, wurden in den Laienstand versetzt, wie der Vatikan am Samstag mitteilte.

Die "schmerzhafte Wunde des Missbrauchs von Minderjährigen" sei auch Thema im Gespräch mit dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera gewesen, den Franziskus am Samstag zu einer Audienz empfing.

Untersuchung eingeleitet

Cox Huneeus, der inzwischen 84 Jahre alt ist und seinen Ruhestand am Rhein in der Priestergemeinschaft Schönstatt-Patres verbringt, sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, sich 2004 in Vallendar bei Koblenz an einem zur Tatzeit 17-Jährigen vergangen zu haben. Die Glaubenskongregation des Vatikans hatte deswegen eine Untersuchung eingeleitet. 1997 war Cox Huneeus überraschend als Erzbischof zurückgetreten, nachdem es erste Verdachtsmomente gegen ihn gab. Seit 2002 lebt er in Deutschland.

Der frühere Erzbischof soll nach Angaben der Schönstatt-Patres weiter Mitglied bleiben: "Die Kongregation hat uns ausdrücklich gebeten, Francisco José Cox in der Obhut unserer Gemeinschaft zu behalten", teilte die Priestergemeinschaft mit. Man nehme die Nachricht mit großer Scham auf.

Vertrauen schwer erschüttert

Bereits vor zwei Wochen hatte Franziskus einen Chilenen aus dem Klerikerstand entlassen: den wegen Missbrauchs verurteilten Fernando Karadima. Der ehemalige Priesterausbilder steht im Zentrum des Missbrauchsskandals, der das Vertrauen in die Kirche in dem südamerikanischen Land schwer erschüttert hat.

Auch in den USA kämpft die katholische Kirche mit einem massiven Missbrauchsskandal. Am Freitag wurde bekannt, dass Franziskus den Rücktritt des Erzbischofs von Washington akzeptiert hat. Kardinal Donald Wuerl stand seit Wochen unter Druck, weil er in seiner Zeit als Bischof von Pittsburgh in Pennsylvania an der Vertuschung von Missbrauchsfällen im Klerus beteiligt gewesen sein soll.

Mittlerweile steht aber auch der Papst selbst unter Druck: Es wird nicht nur bemängelt, dass der Pontifex nicht hart genug gegen Täter und Vertuscher durchgreift. Der konservative Erzbischof Carlo Maria Viganò wirft dem Papst vor, Vorwürfe gegen einen früheren US-Kardinal zu lange ignoriert und Sanktionen gegen diesen gar rückgängig gemacht zu haben.

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