Heute im Ersten: „Tatort: Tollwut“ : Gehört dieser „Tatort“ wirklich zu den Besten des Jahrtausends?

Szene aus dem Dortmunder 'Tatort: Tollwut'. Im Bild: Ulrike Krumbiegel, Anna Schudt, Aylin Tezel und Jörg Hartmann.
Szene aus dem Dortmunder "Tatort: Tollwut". Im Bild: Ulrike Krumbiegel, Anna Schudt, Aylin Tezel und Jörg Hartmann.

Der Dortmunder „Tatort: Tollwut“ siegt in der vierten Woche des Krimi-Votings. Ist er wirklich so gut?

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12. Juli 2020, 07:32 Uhr

Osnabrück | Die ARD feiert 50 Jahre „Tatort“, und zum Jubiläum darf das Publikum entscheiden, welche Fälle in der Sommerpause wiederholt werden. Zur Wahl steht eine Liste der 50 besten Sonntagskrimis dieses Jahrtausends. Die erste Runde ging nach München, danach siegten zweimal Boerne und Thiel aus Münster. In der vierten Woche hat das Publikum sich einen Fall aus Dortmund gewünscht. Am heutigen Sonntag, 12. Juli 2020, zeigt das Erste den „Tatort: Tollwut“ mit dem Ermittler-Team Faber (Jörg Hartmann) und Bönisch (Anna Schudt).

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Wovon handelt der Fall?

Das Mordopfer meldet das Verbrechen im „Tatort: Tollwut“ persönlich: Ein Rechtsmediziner wurde mit Tollwut infiziert. Er weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Nun hofft er, die Überführung des Täters noch mitzuerleben. Auch Kommissar Faber ist von dem Fall persönlich betroffen: Der Tat verdächtig ist ein Häftling, der womöglich auch für den Tod von Fabers Frau und seiner Tochter verantwortlich ist.

Der „Tatort: Tollwut“ in Zahlen

Zum ersten Mal lief der Krimi am 2. Februar 2018, damals sahen 9,7 Millionen Fans zu; das entsprach einem Marktanteil von über 25,6 Prozent. Für die Dortmunder Ermittler war es der elfte Einsatz, seit sie 2012 zum ersten Mal auf Sendung gingen. Inzwischen haben Faber und seine Kollegen schon fünf weitere Verbrechen aufgeklärt. Innerhalb der 50-jährigen „Tatort“-Geschichte ist „Tollwut“ der Fall Nummer 1046. Gemessen an den Quoten der Erstausstrahlung überrascht der Dortmunder Sieg beim „Tatort“-Voting: Damals lag das Team im Ranking der meistgesehenen Ermittler nur auf Rang 7 (Auswertungszeitraum: 2017-2018).

Wie gut ist der heutige „Tatort“?

Die ARD wiederholt ihre Krimis, wir wiederholen unsere Kritik. Unser „Tatort“-Experte Joachim Schmitz vergab vor zwei Jahren fünf von sechs Sternen an den Dortmunder Fall. So schätzte er den Film ein:

Gleich die ersten Minuten treiben die Spannung in diesem Tatort auf den Siedepunkt. Zähnefletschende Schäferhunde begleiten das Wachpersonal auf nächtlichen Runden vor einer Dortmunder Haftanstalt. Drinnen wischt jemand einen düsteren Flur, selbst das Tropfen des Wischmobs wirkt bedrohlich. Auf der Krankenstation beginnt ein festgeschnallter Häftling unkontrolliert zu zucken. Sein Puls rast, Blut presst sich in die Augen, Schaum quillt aus dem Mund. Als zwei Ärzte herbeieilen, kommen sie zu spät. Der Mann stirbt unter ihren Händen. Tollwut.

Mit den ersten drei Minuten ihres Krimis geben Regisseur Dror Zahavi und der für den Schnitt zuständige Fritz Busse eine packende Bewerbung für das beste Tatort-Intro des Jahres ab. Und dann erzählt der Film eine Geschichte, die genau vier Jahre in die Vergangenheit zurückreicht – und doch nicht zwingend der Erinnerung an damals bedarf.

Kurz nach dem furiosen Intro sehen wir Kommissar Faber (Jörg Hartmann) an seinem Schreibtisch einen Briefumschlag öffnen. Auf dem Couvert steht „Auf ewig Dein“. So hieß am 2. Februar 2014 auch die Tatort-Folge, in der das Dortmunder Team den Mädchenmörder Markus Graf (Florian Bartholomäi) hinter Gitter brachte. Ein abgrundtief böser und sadistischer Mensch, den Faber damals verdächtigte, aber nicht überführen konnte, auch die Frau und die Tochter des Kommissars auf dem Gewissen zu haben.

Jetzt ist Graf wieder da. Vor neun Monaten in eben jene Dortmunder Justizvollzugsanstalt (JVA) verlegt, in der nun ein Mithäftling aus völlig unerklärlichen Gründen an Tollwut stirbt. Dem Kommissar schickt er ein Bild wie von Kinderhand gemalt: Eine Frau, die mit dem Auto gegen einen Baum geknallt ist, und ein Kind, das in den Himmel aufsteigt. Fabers Frau und seine Tochter. Offenbar hat Graf mit dem Kommissar noch nicht abgeschlossen, obwohl er im Knast sitzt.

In der JVA, wo ein mit dem Tollwutvirus infizierter Arzt sonderbarerweise weiter seinen Dienst verrichten darf, gibt es schon bald den nächsten unerklärlichen Todesfall. Sehr zum Unmut der Anstaltsleiterin Angelika Zerrer (mal wieder großartig: Ulrike Krumbiegel). Große Teile des Films werden in dem von ihr geleiteten Knast spielen. Und der steht in Wirklichkeit gar nicht in Dortmund, sondern in Magdeburg. Weil in NRW kein geeignetes leer stehendes Gefängnis zu finden war.

Regisseur Dror Zahavi hatte im Gegensatz zu den meisten seiner Darsteller schon im Knast gedreht und dabei eine Perle der Tatort-Geschichte hinterlassen: In der Kölner Folge „Franziska“ wurde Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) in einem Gefängnis als Geisel genommen und am Ende ermordet. Zahavis Krimi war nicht nur extrem gut und spannend, sondern auch so hart, dass die ARD entschied, ihn erst um 22.00 Uhr auszustrahlen. Dieses Niveau erreicht „Tollwut“ nicht ganz, sehenswert ist der Krimi aber allemal.

Tatort: Tollwut. Das Erste, Sonntag, 12. Juli 2020.

Wertung: 5 von 6 Sternen

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