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World Intellectual Property Organization

Tag des geistigen Eigentums : Alles nur geklaut? So dreist plagiieren Künstler und Co.

Plagiate kommen in vielen Formen und Farben daher. Von Fehlalarm bis richtig frech ist in dieser Sammlung alles dabei.


von
26. April 2021, 17:54 Uhr

Hamburg | Patente, Produktdesigns, Handelsmarken und Urheberrechte – es geht um geistige Schöpfungen, für die Mensch vor allem Kreativität und Innovationsgeist aufwenden muss. Seit der Jahrtausendwende widmen die UNESCO und die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) dem geistigen Eigentum mit dem 26. April einen eigenen Aktionstag. Die folgenden Plagiatsfälle zeigen, wie das Urheberrecht mit frechen Fälschungen übergangen wird.

Plagiatsvorwürfe gegen Harry und Meghan

dpa/Dominic Lipinski

Mit ihrer Stiftung "Archewell" wollen Prinz Harry und Herzogin Meghan angeblich nur Gutes bezwecken. Doch das Logo scheint geklaut.

Mit "Archewell" haben Prinz Harry und Herzogin Meghan erst im Oktober 2020 eine gemeinnützige Stiftung ins Leben gerufen, die direkt mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert wurde. Dabei ging es um das Logo: Das schlichte Design mit den Initialen "A" und "W", die untereinander platziert und von einem dunklen Oval gerahmt sind, kamen dem Chef einer österreichischen Immobilienfirma, Dmitry Pryanishnikov, bekannt vor. Das Logo für sein Bauprojekt "Am Werdertor" zeichnet sich durch die gleichen Eigenschaften aus. Zu Harrys und Meghans Glück sah der Unternehmer die Nachahmung als "aufrichtigste Form der Schmeichelei" gelassen, wie er der "Daily Mail" sagte. Also: Keine Konsequenzen für die Royals.

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Der Fall Moses Pelham gegen "Kraftwerk"

dpa/Uli Deck

Nach vielen Prozessjahren ist für Musiker Moses Pelham und die Band "Kraftwerk" immer noch kein Ende in Sicht.

Über 20 Jahre Rechtsstreit um zwei Sekunden Klang liegen im Fall Pelham gegen "Kraftwerk" zurück. Für den Song "Nur mir" mit der Rapperin Sabrina Setlur hatte der Frankfurter Rapper und Musikproduzent Moses Pelham einen zweisekündigen Ausschnitt aus dem Hit "Metall auf Metall" der Düsseldorfer Electro-Gruppe "Kraftwerk" gesampelt, also für seinen eigenen Song verwendet. Nachdem der Fall vom Landesgericht über das Oberlandesgericht bis in den Bundesgerichtshof und sogar den Europäischen Gerichtshof vorgedrungen war, entschied der Bundesgerichtshof zugunsten Pelhams. Demnach habe er die umstrittene Sequenz 1997 ungefragt kopieren dürfen, seit 2002 setz eine EU-Richtlinie diese Erlaubnis allerdings außer Kraft und der Rechtsstreit droht wieder zu entfachen. Mehrere offene Fragen sollen in einem neuen Verfahren im Oberlandesgericht Hamburg verhandelt werden.

Mit 27 Plagiaten zum Doktortitel

dpa/Christoph Soeder

Mit der freiwilligen Rückgabe ihres Doktortitels hat Familienministerin Franziska Giffey Schadensbegrenzung betrieben.

Mindestens 27 Plagiate soll Familienministerin Franziska Giffey (SPD) in ihrer Doktorarbeit heimlich untergebracht haben, wie die Freie Universität Berlin (FU) in einem unabhängigen Gutachten offenbarte. Zunächst war Giffey mit einer Rüge, also einer Art Abmahnung, davongekommen. „Weil der Kern der Arbeit und ihre wissenschaftliche Leistung von den Mängeln nicht infrage gestellt“ würden, blieb ihr der Doktortitel, den sie 2010 mit ihrer Dissertation zum Thema "Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft" erhielt. Doch die FU rollte den Fall neu auf und stellte ihre wissenschaftliche Leistung nun doch infrage. Im Anschluss erklärte Giffey, ihren Titel "Dr. rer. pol." nicht länger zu führen, um "weiteren Schaden von meiner Familie, meiner politischen Arbeit und meiner Partei abzuwenden".

Falsche Ärzte im OP

imago images/Cavan Images

Ärzten wird oft ein Grundvertrauen entgegengebracht. Hoffen wir, dass die folgenden Fälle dies nicht zu sehr erschüttern.

Jahrelang haben ihm die Patienten und Kollegen des Dürener Krankenhauses vertraut. So konnte ein heute 45-Jähriger sechs Jahre lang als Arzt arbeiten, obwohl er weder ein abgeschlossenes Medizinstudium noch eine Zulassung besaß. Entlarvt wurde er von einem Kollegen, der aus fachlichem Interesse nach der Doktorarbeit des Hochstaplers suchte – und nichts fand. Das Dürener Amtsgericht drückte ihm 22 Monate auf Bewährung auf, die mittlerweile abgesessen sind.

Doch dieser Mann war nicht der erste falsche Arzt. Mit gefälschten Dokumenten hatte sich schon einmal jemand einen medizinischen Werdegang, in diesem Fall zum Schönheitschirurgen, zusammen gereimt. Duzende Patienten ließen sich von ihm gegen Barzahlung operieren. Wegen gefährlicher Körperverletzung und Betrugs wurde der Regensburger zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.

Ein weiterer Schwindler gab sich als Zahnarzt aus und arbeitete in zwei Praxen, bevor er in der dritten Praxis aufflog. Nicht einmal seine Frau, die selbst als Zahnarzthelferin arbeitete, fühlte ihm auf den Zahn. In Mönchengladbach wurde er zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Und sogar ein verurteilter Drogenschmuggler kam mit seiner Masche durch. Fast zwei Jahre lang arbeitete er als Chefpsychologe in einer Drogenklinik. Als der Schwindel aufgedeckt wurde, wurde er wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Titelmissbrauchs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Aus "Stihl" mach "Sthil"

dpa/Aktion Plagiarius e.V.

Oben ist die Motorsäge der Andreas Stihl AG und unten die Nachahmung des chinesischen Herstellers Hangzhou Guley Garden Machinery. Der erste Preis der Ausgabe 2021 des Schmähpreises "Plagiarius" geht an diese Fälschung.

Mit dem ersten Platz des Schmähpreises "Plagiarius" wurde das dreiste Imitat einer Motorsäge der Andreas Stihl AG & Co. KG aus Waiblingen ausgezeichnet. Die chinesische Firma Hangzhou Guley Garden Machinery Co. hatte kurzerhand den Markennamen von "Stihl" zu "Sthil" geändert und die nahezu identische Motorsäge auf dem asiatischen Markt verkauft. Laut "Plagiarius" gewann das Waiblinger Unternehmen bislang schon acht Gerichtsverfahren gegen Guley, die das Plagiieren einfach nicht lassen können.

Streit um "Thinking Out Loud"

dpa/Ricardo Rubio

Mit "Thinking out loud" räumte Ed Sheeran viele Preise ab. Doch stammt der Hit aus seiner eigenen Feder?

2015 bekam der Schmusepop-Sänger und Songwriter Ed Sheeran einen Grammy für seinen Hit "Thinking out loud", doch neben der Auszeichnung erwartete den Superstar ein langer Gerichtsprozess. Sheeran, seinem Co-Songwriter und seinen Plattenfirmen wird vorgeworfen, den Rhythmus und die Melodie aus dem Song "Let's Get It On" von Marvin Gaye abgekupfert zu haben. Kläger sind die Erben des Produzenten Edward Townsend, der den Song gemeinsam mit Gaye geschrieben hatte. Sollten sie den Fall gewinnen, muss Sheeran 100 Millionen US-Dollar blechen.

"Amazon" verklagt Influencerinnen

dpa/Rolf Vennenbernd

Der Online-Riese "Amazon" geht streng gegen Fakes und Imitate vor. Zwei Influencerinnen konnten den Konzern scheinbar austricksen.

Der Onlinehändler "Amazon" hat zwei Influencerinnen verklagt, die gefälschte Designer-Ware von Gucci, Dior & Co. heimlich über "Amazon" beworben und verkauft haben sollen. Dabei sollen sie "eine ausgeklügelte Kampagne mit irreführenden Anzeigen" gestartet haben, heißt es in den Gerichtsdokumenten. Sie posteten Werbebilder der Produkte auf ihren Social-Media-Kanälen und verlinkten den entsprechenden Artikel bei "Amazon". Wer den Links folgte, gelangte zu einem Artikel mit ähnlichem Produktbild, das die Urheberrechtsverletzung jedoch vertuschte. Geliefert wurden natürlich die gefälschten Luxus-Artikel, die den Käufern zuvor von den Influencerinnen versprochen wurden – so konnten sie "Amazons" Mechanismen zur Plagiatsprüfung aushebeln.

Bob Dylans Nobelpreisrede

dpa/Sony Music

Seit den 1960er-Jahren ist Bob Dylan eine prägende Stimme in der "großen amerikanischen Songtradition".

2016 erhielt Bob Dylan „für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“ als erster Musiker den Nobelpreis für Literatur. Damit so ein Nobelpreis anerkannt wird, muss der künftige Preisträger der Tradition nach eine Nobelpreisrede halten. Dylan reichte seine Rede erstaunlich spät ein und Kritiker warfen ihm vor, die Verleihung nicht ernst genug genommen zu haben. Doch darüber hinaus erhob die amerikanische Autorin und Journalistin Andrea Pitzer echte Plagiatsvorwürfe. Dylan soll sich einer Interpretationshilfe für Schüler zum Romanklassiker "Moby Dick" von Herman Melville bedient haben, ohne die entsprechenden Zitate gekennzeichnet zu haben. Bis heute ist die Frage, ob Dylan geklaut oder nur kollagiert hat, nicht endgültig geklärt.

Hat Adele von einem türkischen Lied kopiert?

dpa/Matt Sayles

Mit ihrer gewaltigen Stimme berührt sie viele Herzen. Was hat es mit Plagiatsvorwürfen gegen ihre Lieder auf sich?

Als die britische Pop-Sängerin Adele 2015 ihr drittes Studioalbum "25" veröffentlichte, löste der Song "Million Years Ago" einen Shitstorm unter türkischen Musikfans aus. Sie sind überzeugt, dass Adele von dem im Jahr 2000 verstorbenen kurdischen Musiker Ahmet Kaya geklaut haben soll. "Acilara Tutunmak" heißt das Stück von 1985, das "Million Years Ago" so ähnlich sein soll. Anders als seine Fans sagte Kayas Witwe einer türkischen Zeitung, dass sie nicht glaube, dass Adele den Song kopiert habe.

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von 26. April 2021, 17:54 Uhr

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