Brände in Südeuropa und der Türkei : Deutschland unterstützt Griechenland im Kampf gegen die Flammen

Avatar_shz von 07. August 2021, 20:59 Uhr

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Seit über einer Woche kämpfen die Menschen gegen die Flammen, doch ein Ende der Katastrophe wie hier am Rande Athens ist nicht in Sicht.
Seit über einer Woche kämpfen die Menschen gegen die Flammen, doch ein Ende der Katastrophe wie hier am Rande Athens ist nicht in Sicht.

In Athen kann man kaum atmen, Sizilien erklärt den Notstand, auch in der Türkei lodern 13 Brände immer noch unkontrolliert. Die Bundesregierung schickt daher Feuerwehrleute nach Griechenland.

Athen | Weiterhin toben in Südeuropa und der Türkei zahlreiche Waldbrände. Im stark betroffenen Griechenland mussten auch am Samstag wieder Ortschaften evakuiert werden. Auf der großen Insel Euböa wurden in der Nacht mehr als 1300 Menschen mit Fähren aus dem von Flammen umgebenen Küstenort Limni gebracht. Auch auf Sizilien brennt es - dort erklärte die Regionalregierung für sechs Monate den Not- und Krisenfall. Begründung: Es brennt seit Ende Juli, die nächste Hitzewelle steht bevor und die Situation bleibt angespannt. Im westtürkischen Mugla haben sich die Brände unterdessen durch den Wald in die Nachbarprovinz Aydin gefressen. Weiterlesen: Kilometerlange Feuerwand vor Athen – Neue Brände und Explosionen Deutschland schickt Feuerwehrleute nach Griechenland Griechenland erhält im Kampf gegen die Flammen Unterstützung aus Deutschland. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte am Samstag der Deutschen Presse-Agentur, Deutschland habe in der vergangenen Nacht aktiv Hilfe angeboten, die Griechenland inzwischen angenommen habe. "Derzeit bereiten sich Feuerwehrkräfte aus NRW, Hessen sowie das Technische Hilfswerk darauf vor, sich zügig mit Einsatzfahrzeugen nach Griechenland zu begeben, um dort die Waldbrandbekämpfung zu unterstützen." Details zu Einsatzort, Abmarschzeitpunkt und Fahrtroute würde derzeit mit Griechenland abgestimmt, hieß es. Deutschland habe zusätzlich angeboten, die Waldbrandbekämpfung mit der Anmietung von geeigneten Hubschraubern mit der erforderlichen Traglast zu unterstützen. Ob der Einsatz der Hubschraubern von Griechenland angefordert werde, sei derzeit noch unklar. Oppositionsparteien im Bundestag hatten kritisiert, dass Deutschland angesichts zahlreicher Waldbrände bisher keine Hilfe nach Griechenland geschickt hat. Zahlreiche EU- und andere europäische Staaten hatten bereits etwa Löschhubschrauber für den Kampf gegen die Flammen nach Griechenland geschickt. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es unterdessen in Athen: Die Großbrände im Norden der Stadt sind am Samstag teilweise eingedämmt worden. "Erstmals können wir sagen, dass die Situation etwas besser ist - es gibt aktuell nur noch zwei Feuerfronten", sagte Nikos Peppas, Vize-Gouverneur der Region Attika, am Mittag dem Fernsehsender Skai. Es bestehe Hoffnung, die Brände bis zum Abend unter Kontrolle zu bringen. Die Rettungskräfte stehen unter enormem Druck, denn auf der Halbinsel Peloponnes und der Insel Euböa toben weiterhin zahlreiche unkontrollierte, große Brände. Sie wurden bisher kaum aus der Luft bekämpft, weil Athen im Fokus stand. Weiterhin unkontrollierte Feuer in Italien und der Türkei "Die vergangene Nacht war wirklich die Hölle, ein Alptraum. Wir haben gewaltige Anstrengungen unternommen, damit das Feuer nicht auf bewohntes Gebiet übergreift", sagte Pappas. Die vielen tausend evakuierten Menschen könnten bald zurückkehren - sofern ihre Häuser nicht abgebrannt seien. "Aber das muss langsam und mit großer Vorsicht geschehen", sagte er. Jene, die in den vergangenen Tagen vor den Feuern flohen, wohnen momentan auf Staatskosten in Hotels oder bei Bekannten und Verwandten. In den vom Feuer betroffenen Gegenden gibt es vielfach noch keinen Strom und kein Wasser. Auf der italienischen Insel Sardinien eskaliert die Lage ebenfalls immer wieder. Am Samstag meldete die Feuerwehr in der Provinz Oristano einen Brand in einer Unterkunft für Touristen. Die Einsatzkräfte verhinderten nach eigenen Angaben, dass die Flammen auf die umliegende Vegetation übergriffen. Verletzte gab es nicht. In der Türkei lodern nach offiziellen Angaben aktuell 13 unkontrollierte Feuer. Einzig für das südtürkische Antalya konnten die Behörden Entwarnung geben: Alle Brände seien unter Kontrolle. Laut Wetterbericht wird Regen erwartet. Doch in der Provinz haben die Brände große Zerstörung hinterlassen. Ganze Dörfer wurden in Asche gelegt. Nichtregierungsorganisatinen versorgen Betroffene unter anderem mit Notunterkünften. Weltklimarat warnt vor Hitzewellen und Waldbränden im Mittelmeerraum Laut dem Entwurf eines Berichts des Weltklimarates IPCC, der der Nachrichtenagentur AFP vorliegt, könnte der Mittelmeerraum infolge des Klimawandels in Zukunft noch weitaus schlimmere Hitzewellen, Dürren und Brände erleben. Die Region mit ihren rund 500 Millionen Einwohnern gelte als "Hotspot des Klimawandels", heißt es in einem Kapitel über die Region der IPCC-Arbeitsgruppe II, die die Folgen der Erderwärmung beleuchtet. Italien kämpft landesweit gegen Hunderte Waldbrände Die Temperaturen im Mittelmeerraum würden in den nächsten Jahrzehnten voraussichtlich schneller ansteigen als im weltweiten Durchschnitt, warnt der IPCC. Dies werde wichtige Bereiche wie die Landwirtschaft, Fischerei und den Tourismus unter Druck setzen. Dutzende Millionen Menschen würden zudem von zunehmendem Wassermangel, Küstenüberschwemmungen und potenziell tödlicher Hitze betroffen sein. Infolge dieser Entwicklung wächst auch die Wahrscheinlichkeit von Hitzewellen, Dürren und Waldbränden. Dabei seien Hitzewellen die größte Bedrohung für den Mittelmeerraum, da sie "bei weitem die tödlichsten Extremereignisse in Europa" darstellten, sagte Friederike Otto von der Universität Oxford AFP. ...

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