Schicht im Schacht nach 200 Jahren : Das Ende der Steinkohleförderung in Deutschland in Bildern

Bergleute im Bergwerk Saar bei Lebach (Kreis Saarlouis) in 1400 Meter Tiefe und bei 45 Grad Celcius.
Bergleute im Bergwerk Saar bei Lebach (Kreis Saarlouis) in 1400 Meter Tiefe und bei 45 Grad Celcius.

Kaum eine andere Region in Deutschland wurde so vom schwarzen Gold in der Tiefe geprägt wie das Ruhrgebiet.

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21. Dezember 2018, 15:03 Uhr

Bottrop | In Deutschland wird der Steinkohlebergbau endgültig eingestellt. Mit dem Ende des Kohleabbaus gehen rund 200 Jahre Industriegeschichte zu Ende. Kaum eine andere Region in Deutschland wurde so vom schwarzen Gold in der Tiefe geprägt wie das Ruhrgebiet. So arbeiteten zu Hochzeiten in den 1950er Jahren rund 600.000 Menschen in den Zechen der Ruhrgebiete. Nach der Stilllegung des letzten aktiven Steinkohlebergwerks Prosper Haniel in Bottrop am Freitag werden im kommenden Jahr noch einige Hundert Kumpel unter Tage mit der Abwicklung und der Beseitigung der Folgeschäden beschäftigt sein.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt am Freitag auf der Schachtanlage Prosper-Haniel in Bottrop das letzte abgebaute Steinkohlestück. Sieben Bergleute hatten es aus der letzten in Deutschland noch fördernden Steinkohlenzeche nach oben gebracht.

 Peter Schrimpf (l-r), Vorstandsvorsitzender der Ruhrkohle AG (RAG), ein Kumpel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident.
dpa/Marcel Kusch
Peter Schrimpf (l-r), Vorstandsvorsitzender der Ruhrkohle AG (RAG), ein Kumpel, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Jean-Claude Juncker, EU-Kommissionspräsident.


Bergleute der Zeche Ewald/Hugo in Herten warten am im November 1997 auf die Einfahrt in den Schacht. Foto: dpa/Bootmann
dpa/Bootmann
Bergleute der Zeche Ewald/Hugo in Herten warten am im November 1997 auf die Einfahrt in den Schacht. Foto: dpa/Bootmann

Die Bergleute holten 1960 in damals noch 146 Zechen insgesamt 142,3 Millionen Tonnen Kohle aus der Erde. Für 2018 wurde noch eine Fördermenge von 1,8 Millionen Tonnen vereinbart.

Ein Bergmann der Steinkohlezeche Prosper-Haniel bei Bottrop wartet in rund 1000 Meter unter Tage darauf, von einem Personenzug zum Abbaugebiet gebracht zu werden.Foto: dpa/Felix Heyder
dpa/Felix Heyder
Ein Bergmann der Steinkohlezeche Prosper-Haniel bei Bottrop wartet in rund 1000 Meter unter Tage darauf, von einem Personenzug zum Abbaugebiet gebracht zu werden.Foto: dpa/Felix Heyder

Wettbewerbsfähigkeit schon lange nicht mehr vorhanden

Doch schon lange war der deutsche Bergbau nicht mehr wettbewerbsfähig. Gut eine Milliarde Euro Kohlesubventionen pro Jahr fielen zuletzt an, um die Preisdifferenz zum Weltmarkt auszugleichen. Allein seit von 1996 bis heute sind aus den Haushalten des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen rund 61 Milliarden Euro als Absatz – und Stilllegungsbeihilfen geflossen.

dpa/Roland Weihrauch
dpa/Roland Weihrauch
Deutsche Steinkohle wird vor der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop abgeladen.

Das Aus für die Steinkohleförderung hatten die Bundesregierung, die Kohleländer Nordrhein-Westfalen und Saarland sowie die Bergbaugewerkschaft IG BCE im Jahr 2007 vereinbart. Rund 33.000 Bergleute und andere Mitarbeiter waren damals auf den Zechen beschäftigt. Jetzt sind es noch rund 3500. Großzügige Vorruhestandsregelungen sorgten dafür, dass es keine Entlassungen beim Personalabbau gab.

 Ein Paar Gummistiefel hängt in der Mannschaftskaue der Steinkohlezeche Prosper-Haniel bei Bottrop. Foto: dpa/Felix Heyder
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Ein Paar Gummistiefel hängt in der Mannschaftskaue der Steinkohlezeche Prosper-Haniel bei Bottrop. Foto: dpa/Felix Heyder

Erinnerungen bleiben

Nach dem Ende der Steinkohle-Ära bleibt doch eins: zahlreiche Souvenirs. Klamotten, Bücher, Spiele und allerlei Kuriositäten erinnern an das Schwarze Gold aus dem Ruhrgebiet und die Bergleute, die es jahrzehntelang förderten. So können etwa Handytaschen aus Pütthemden, schwarze "Pottnudeln", Seife in Form von Kohlebriketts und Kaffee-Tassen mit dem Slogan "Hau weg, die Plörre" gekauft werden.

Im Gladbecker Stadtteil Ellinghorst verkauft Matthias Bohm im Ladenlokal "Freiraum" Mode seines eigenen Labels "Grubenhelden". Dort gibt es etwa Pullover und Mützen aus originalen Grubenhemden sowie T-Shirts, in die innen Zeilen des Steigerliedes gedruckt sind.

Der ehemalige Bergmann Marian Pogorzalek steht im Geschäft des Labels 'Grubenhelden' mit seinem handgefertigtem Gürtel auf dem die Zeile 'und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt' aus dem Steigerlied eingraviert ist. Foto: dpa/Marcel Kusch
dpa/Marcel Kusch
Der ehemalige Bergmann Marian Pogorzalek steht im Geschäft des Labels "Grubenhelden" mit seinem handgefertigtem Gürtel auf dem die Zeile "und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt" aus dem Steigerlied eingraviert ist. Foto: dpa/Marcel Kusch

Abschied vom Bergbau auch auf Schalke

Mit einer beeindruckenden Zeremonie und Choreografie hat sich Fußball-Vizemeister FC Schalke 04 vom Bergbau verabschiedet. Vor dem West-Duell gegen Bayer Leverkusen sang der Bergmannschor der Ruhrkohle AG in der verdunkelten Arena das "Steigerlied". Der Vorstandsvorsitzende der Ruhrkohle AG, Peter Schrimpf, übergab das Grubenlicht an Schalkes Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies.

Ein Mitglied der Grubenwehr steht vor einer Lore mit Kohle. Am 21. Dezember wird im Ruhrgebiet die letzte Steinkohlezeche geschlossen. Foto: dpa/Ina Fassbender
dpa/Ina Fassbender
Ein Mitglied der Grubenwehr steht vor einer Lore mit Kohle. Am 21. Dezember wird im Ruhrgebiet die letzte Steinkohlezeche geschlossen. Foto: dpa/Ina Fassbender

Die Schalker spielten mit einer Sondergenehmigung der Deutschen Fußball Liga mit unterschiedlichen Zechen-Motiven auf den Trikots. Die Gründungsväter des Gelsenkirchener Vereins waren Bergleute.

Schalkes Haji Wright trägt ein Trikot mit dem Schriftzug Bergmannsglück. Foto: dpa/Guido Kirchner
dpa/Guido Kirchner
Schalkes Haji Wright trägt ein Trikot mit dem Schriftzug Bergmannsglück. Foto: dpa/Guido Kirchner


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