Mindestens 413 Millionen US-Dollar : "New York Times": Trump half seinen Eltern offenbar bei Steuerbetrug

Donald Trump (r.) mit seinem 1999 verstorbenen Vater Fred C. Trump auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1977. Foto: imago/MediaPunch
Donald Trump (r.) mit seinem 1999 verstorbenen Vater Fred C. Trump auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1977. Foto: imago/MediaPunch

Bereits als Dreijähriger habe der heutige US-Präsident ein Einkommen in Höhe von 200.000 US-Dollar jährlich gehabt.

Avatar_shz von
04. Oktober 2018, 15:24 Uhr

New York | "Ich bin wirklich reich – ich brauche von niemandem Geld", betonte Donald Trump gleich zu Beginn seines Wahlkampfes um das Amt des US-Präsidenten. Immer wieder bezeichnete er sich selbst als "Weltklasse-Geschäftsmann" und Selfmade-Millionär, seinen Reichtum habe er lediglich auf einem "kleinen" Kredit in Höhe von einer Million Dollar aufgebaut. Diesen habe er damals von seinem Vater erhalten und später mit Zinsen zurückzahlen müssen.

Wie Recherchen der "New York Times" nun ergeben haben, soll Trump in Wahrheit allerdings mindestens 413 Millionen US-Dollar erhalten haben – Geld, das auch aus zumindest fragwürdigen Steuerpraktiken seines Vaters in den 1990er-Jahren stamme.

Trumps Sprecherin: "Es gab keinen Betrug und keine Steuervermeidung"

Wie aus dem am Dienstagabend veröffentlichten Bericht zu entnehmen ist, sollen der heutige US-Präsident und weitere Familienmitglieder dem Immobilien-Unternehmer Fred C. Trump und seiner Frau Mary dabei geholfen haben, hunderte Millionen US-Dollar an Steuern zu hinterziehen.

Trump selbst, der sich laut "New York Times" während der Recherchen trotz Wochenlanger Anfragen nicht zu dem Thema äußern wollte, hat inzwischen Stellung bezogen. Die Zeitung versuche einen "alten, langweiligen und oft erzählten Treffer zu landen", schrieb er bei Twitter. "Zusammengefasst bedeutet das, dass 97 Prozent ihrer Geschichten über mich schlecht sind."

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Immer wieder stellt Trump die Glaubwürdigkeit der Medien generell infrage, insbesondere die "New York Times" ist dabei wiederholtes Ziel seiner "Fake-News"-Vorwürfe. Die Zeitung selbst hat dagegen eine Liste mit allen Lügen zusammengestellt, die Donald Trump seit seiner Amtseinführung erzählt hat.

Auch Charles Harder, Anwalt des US-Präsidenten, wies die Anschuldigung zurück. "Die Vorwürfe wegen Betrugs und Steuerhinterziehung der New York Times sind zu 100 Prozent falsch und in höchstem Maße verleumderisch", schrieb Harder auf eine Anfrage der Zeitung. "Präsident Trump hatte praktisch keine Verbindung zu diesen Angelegenheiten."

Donald Trump wollte Testament seines Vaters ändern lassen

Ähnlich reagierte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. "Es ist ein absolut falscher Angriff, basierend auf einer alten, recycelten Geschichte", sagte sie am Mittwoch in Washington. "Es gab keinen Betrug und keine Steuervermeidung." Das einzig Wahre an der Geschichte sei, dass Trumps Vater seinem Sohn sehr vertraute. Trump habe viele gemeinsame Geschäfte in die Wege geleitet. Laut Sanders hat Trumps Vater über seinen Sohn gesagt: "Alles was er anfasst, wird zu Gold".

Im Artikel dagegen wird beschrieben, wie Donald Trump, zu diesem Zeitpunkt offenbar in Geldnot, seinem Vater im Jahr 1990 ein zu seinen eigenen Gunsten abgeändertes Testament zur zügigen Unterschrift vorgelegt haben soll. Fred Trump allerdings, aus Angst um sein Imperium, soll dieses jedoch nie unterschrieben haben. 2003, vier Jahre nach dem Tod seines Vaters, sei Donald Trump dann erneut in finanziellen Schwierigkeiten gewesen und habe begonnen, einen Teil des Imperiums seines Vaters zu verkaufen.

Millionär im Alter von acht Jahren

Schon von Kindesbeinen an habe Fred C. Trump seine Kinder finanziell unterstützt. Bereits als Dreijähriger habe Donald so ein Einkommen in Höhe von 200.000 US-Dollar jährlich gehabt, als achtjähriger sei er Millionär gewesen. Als er 17 Jahre alt war, habe er ein 52-Stöckiges Appartement-Gebäude bekommen und als 40- und 50-Jähriger soll er mindestens fünf Millionen US-Dollar im Jahr überwiesen bekommen haben. Zudem hätten seine Geschwister und er Scheinfirmen betrieben, um die Schenkungen der Eltern zu verschleiern sowie dabei geholfen, zur Steuerersparnis familieneigene Immobilien geringer zu bewerten.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt einer externen Plattform, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

 Externen Inhalt laden

Mit Aktivierung der Checkbox erklären Sie sich damit einverstanden, dass Inhalte eines externen Anbieters geladen werden. Dabei können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen

Insgesamt hätten die Trumps ihren Kindern laut Bericht mehr als eine Milliarde US-Dollar vermacht, was nach damaligen Gesetzen zu einer Steuerlast von mindestens 550 Millionen US-Dollar geführt hätte. Mit der Hilfe einer Mischung aus legalen sowie illegalen Steuertricks seien allerdings nur fünf Prozent davon abgeführt worden – rund 52,2 Millionen US-Dollar.

Trumps Selfmademan-Mythos "eher Fan-Fiktion als Biografie"

Für ihrer Recherchen ist die "New York Times" ist nach eigenen Angaben im Besitz von mehr als 200 vertraulichen Steuererklärungen Fred C. Trumps, außerdem habe sie Interviews mit dessen früheren Mitarbeitern geführt.

Mit Blick auf den von Trump gepflegten Selfmademan-Mythos spricht die "New York Times" in einem Kommentar von Täuschung: Die Geschichte von harter Arbeit und Ehrgeiz sei "eine Version der Realität, die so aufwendig verschönert wurde, dass sie eher als Fan-Fiktion, denn als Biografie" gelte.

Wie sich inzwischen herausstellt, scheint Donald Trumps ältere Schwester Maryanne Trump Barry den Anstoß für die Recherchen geliefert zu haben. Diese habe im Jahr 1999, während ihres Ernennungsprozesses zur Richterin am Berufungsgericht, ihre Finanzen offengelegt – wobei der "New York Times"-Journalistin Susanne Craig vor allem eine Zahlung von einer Million US-Dollar auffiel. Diese stammte von der Firma "All County Building Supply & Maintenance", die ebenfalls zum Trump-Imperium gehört. Und eben diese Firma sei gegründet worden, um das Erbe von Fred Trump an dessen Kinder zu verteilen.

Steuerbehörden haben Untersuchungen eingeleitet

Die New Yorker Steuerbehörden haben aufgrund des Berichts mittlerweile Untersuchungen gegen Donald Trump eingeleitet. "Die Steuerabteilung überprüft die Behauptungen im Artikel der 'New York Times' und verfolgt entschlossen alle geeigneten Wege der Untersuchung", sagte James Gazzale, Sprecher des Steuer- und Finanzministeriums, laut dem Finanzdienst Bloomberg.

(mit dpa)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen