Serie von Paketbomben : Terrorverdacht: Sprengsätze an Hilary Clinton, Barack Obama und CNN versandt

Polizisten vor dem Time-Warner-Center in New York: Das Bürogebäude wurde komplett evakuiert.
Polizisten vor dem Time-Warner-Center in New York: Das Bürogebäude wurde komplett evakuiert.

Eine Serie von Paketbomben an prominente Politiker versetzt die USA in Unruhe: alle adressiert an Demokraten.

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24. Oktober 2018, 20:55 Uhr

Kurz vor den US-Kongresswahlen hat der Fund mehrerer Pakete mit potenziellen Sprengsätzen an prominente Politiker die USA in Unruhe versetzt. Der Secret Service fing zwei solcher Pakete ab, die an den früheren demokratischen US-Präsidenten Barack Obama und die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton adressiert waren. Kurz darauf wurde nach dem Fund eines solchen Pakets auch ein großes Bürogebäude in New York geräumt, in dem unter anderem der US-Fernsehsender CNN seinen Sitz hat. Weitere Politiker der oppositionellen Demokraten erhielten Pakete mit potenziellen Sprengsätzen. Ermittler vermuten, dass sie vom gleichen Absender stammen. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einem Terrorakt.

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Die Hintergründe waren zunächst unklar. Offen blieb etwa, ob die Sprengsätze alle funktionstüchtig waren und wenn ja, wie gefährlich sie waren. Bei dem Paket, das an in dem New Yorker Bürogebäude einging, gehen die Ermittler bereits davon aus, dass der enthaltene Sprengsatz scharf war. Es scheine sich um Rohrbomben zu handeln. Den Angaben nach wurde in dem Paket unter anderem auch ein Umschlag mit weißem Pulver gefunden.

Feueralarm in der Live-Sendung

Die Ereignisse überschlugen sich am Mittwoch. Ein Blick zurück: Am Vormittag (Ortszeit) bestätigt der Secret Service zuerst die ominösen Sendungen an Clinton und Obama: Das an Clintons Wohnsitz außerhalb von New York adressierte Paket sei am Vorabend entdeckt worden. Mittwochfrüh sei dann ein zweites verdächtiges Paket an Obama in Washington aufgetaucht. Beide Pakete seien bei Routine-Checks als mögliche Sprengsätze aufgefallen – vor der Auslieferung. Die beiden hätten die Pakete nicht erhalten und seien nicht in Gefahr gewesen.

Kurz darauf in New York im Time Warner Center, in dem unter anderem CNN sitzt: Mitten in die Live-Berichterstattung von CNN platzt ein Feueralarm. Das komplette Gebäude und einige andere drumherum werden geräumt. Der Grund auch da: ein verdächtiges Paket. Hunderttausende Menschen in Manhattan bekommen eine Notfall-Warnung auf ihr Handy, die sie auffordert, die Gegend um das Gebäude unweit des Times Square in Manhattan weiträumig zu meiden. In den geräumten Gebäuden befinden sich unter anderem Büros, Wohnungen, eine Shopping Mall, ein Jazz Club und ein Lebensmittelladen. Der Straßenblock wird abgesperrt, die Polizei ist mit einem Großaufgebot und Spürhunden vor Ort.

Demokraten im Visier

Auch von anderen Orten werden nach und nach weitere verdächtige Paketsendungen gemeldet: etwa bei der ehemaligen demokratischen Parteichefin Debbie Wasserman Schultz in Florida oder beim New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo.

Offen ist, ob der Versand der Pakete in direktem Zusammenhang zur Kongresswahl am 6. November steht. Auffallend sind Parallelen bei den Adressaten: Obama und Clinton gehören zu den prominentesten Demokraten. Clinton war 2016 bei der Präsidentschaftswahl gegen Donald Trump angetreten. Wassermann Schultz und Cuomo sind ebenfalls Demokraten.

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf die Polizei, das an Clinton adressierte Paket weise Ähnlichkeiten zu der Briefbombe auf, die am Montag am US-Wohnsitz des Milliardärs und Philantropen George Soros gefunden worden war. Soros hat seit Jahren die Demokraten unterstützt.

"Viel Hass in der Luft"

CNN berichtete, das Paket, das bei dem Sender einging, sei an den früheren CIA-Direktor John Brennan adressiert gewesen – der ein erklärter Gegner von US-Präsident Trump ist und regelmäßig als Kommentator in verschiedenen Medien auftritt. Brennan ist wie Obama und Clinton eine Hassfigur für Trumps Anhänger. CNN selbst ist ebenso immer wieder Ziel heftiger Kritik von Trump und dessen Lager.

Weniger als zwei Wochen vor der Kongresswahl ist die politische Stimmung besonders aufgeheizt. Die Republikaner mit dessen Frontmann Trump und die Demokraten überziehen sich mit gegenseitigen Attacken. Es geht um viel bei der Abstimmung am 6. November, bei der das gesamte Repräsentantenhaus und Teile des Senats neu gewählt werden.

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De Blasio sprach von einer schmerzhaften Zeit für die Nation. Es liege "viel Hass in der Luft". Er rief dazu, das vergiftete Klima nicht weiter anzuheizen. Das müsse an der Spitze beginnen. Er nannte die Serie an Paketsendungen einen Terrorakt, der darauf abziele, die freie Presse und Politiker einzuschüchtern. Dies sei "sehr beunruhigend".

Hilary Clinton bedankt sich beim Secret Service

Das Weiße Haus verurteilte die Vorfälle scharf. "Diese feigen Aktionen sind verabscheuungswürdig und haben keinen Platz in diesem Land", schrieb US-Vizepräsident Mike Pence bei Twitter. "Die Verantwortlichen werden zur Rechenschaft gezogen werden." Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, sprach von "terrorisierenden Handlungen" und nannte die Drahtzieher "Feiglinge".

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Politische Gewalt habe keinen Platz in den USA, sagte Präsident Trump am Mittwoch in Washington. "Wir müssen zusammenhalten", betonte der Präsident, der sich selbst regelmäßig mit heftigen Attacken auf die oppositionellen Demokraten und deren Führungsfiguren hervortut. Kritiker werfen ihm vor, die Spaltung in der US-Gesellschaft dadurch weiter voranzutreiben. "Wir sind extrem sauer, traurig und unglücklich über das, was wir heute Vormittag erlebt haben – und wir werden das gründlich aufklären", sagte Trump. Die Urheber dieser "verabscheuungswürdigen Taten" würden zur Rechenschaft gezogen.

Hillary Clinton würdigte bei einem Auftritt in Miami die Arbeit der Sicherheitsbehörden. Es gehe ihrer Familie und ihr dank der Männer und Frauen des Secret Service gut, die das Paket abgefangen hätten, sagte Clinton. Sie sei der Behörde jeden Tag für ihre Arbeit dankbar. Es sei eine "beunruhigende Zeit", fügte sie hinzu. "Es ist eine Zeit tiefer Spaltung, und wir müssen alles in unser Macht stehende tun, um unser Land zusammenzubringen."

Anschlagsversuche auf Politiker per Post sind nicht neu: Obama war schon einmal während seiner Zeit im Weißen Haus Ziel einer solchen Aktion. 2013 gingen mehrere mit dem tödlichen Pflanzengift Rizin gefüllte Briefe an den Präsidenten – wie auch an andere Politiker. Die Polizeibehörde FBI fing sie ab. In Europa sorgten mehrere Briefbomben mit Brandsätzen an prominente Politiker 2010 für Aufruhr – darunter ein Schreiben an das Bundeskanzleramt. Es wurde entschärft. Urheber waren griechische Anarchisten. Zuletzt war im März 2017 im Berliner Bundesfinanzministerium ein Paket mit einem Explosivgemisch gefunden und entschärft worden.

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