Wirbelsturm im US-Bundesstaat Florida : Mindestens sechs Tote: Mädchen stirbt durch Hurrikan "Michael"

'Mexico Beach ist weg': Hurrikan 'Michael' hat zahlreiche Häuser an den Straßen des Küstenortes zerstört.
"Mexico Beach ist weg": Hurrikan "Michael" hat zahlreiche Häuser an den Straßen des Küstenortes zerstört.

"Michael" ist der schlimmste Hurrikan seit Beginn der Aufzeichnungen im Nordwesten Floridas.

shz.de von
12. Oktober 2018, 16:38 Uhr

Panama City Beach | Hurrikan «Michael» ist mit verheerender Zerstörungskraft über die USA gezogen und hat in mindestens vier Bundesstaaten Menschenleben gekostet. Die Katastrophenschutzbehörde im US-Bundesstaat Virginia teilte am Freitag auf Twitter mit, dort gebe es fünf bestätigte Todesfälle in Zusammenhang mit dem schweren Sturm. Die Zahl der Todesopfer durch Hurrikan "Michael" in den USA steig damit auf mindestens elf. Bereits davor hatten örtliche Behörden und US-Medien vier Tote in Florida, einen in Georgia und einen in North Carolina gemeldet.

Der Chef der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, sagte dem Sender CNN am Freitagmorgen (Ortszeit): "Ich erwarte, dass die Opferzahl heute und morgen weiter steigen könnte." Rettungskräfte arbeiteten sich immer noch durch Trümmer hindurch. CNN sprach von einem "historischen Hurrikan".

"Michael" war am Mittwoch in der Nähe des Ortes Mexico Beach in Florida auf Land getroffen – als Hurrikan der Kategorie vier mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde. Er lag damit nur knapp unter der höchsten Kategorie fünf. Es war nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes der stärkste Hurrikan, der diesen Teil Floridas seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1851 getroffen hat.

Durch Hurrikan 'Michael' abgeknickte Pinien-Bäume in Port St. Joe: Das Ausmaß der Zerstörung zeichnet sich erst nach und nach ab. Foto: Douglas R. Clifford/Tampa Bay Times/AP/dpa
Douglas R. Clifford
Durch Hurrikan "Michael" abgeknickte Pinien-Bäume in Port St. Joe: Das Ausmaß der Zerstörung zeichnet sich erst nach und nach ab. Foto: Douglas R. Clifford/Tampa Bay Times/AP/dpa

"Michael" zog danach weiter nach Georgia, wo er vom Hurrikan zu einem tropischen Sturm heruntergestuft wurde. Er streifte Alabama, bevor er weiterzog über South Carolina, North Carolina, Virginia und Delaware. Inzwischen ist der Sturm über dem Atlantik. Das Nationale Hurrikan-Zentrum hob alle Sturmwarnungen für die USA im Zusammenhang mit "Michael" auf.

Nach Angaben von US-Medien und Behörden waren am Freitagmorgen insgesamt mehr als 1,5 Millionen Anschlüsse in den betroffenen Bundesstaaten ohne Strom. Die Katastrophenschutzbehörde in Virginia meldete alleine 520 000 Stromausfälle und 1200 gesperrte Straßen.

Der Sturm hinterließ großflächige Zerstörung. Einzelne Ortschaften wurden in weiten Teilen zerstört, Häuser stürzten ein, Bäume knickten reihenweise um. Das ganze Ausmaß der Schäden zeichnet sich nur nach und nach ab.

Millionen Menschen zwangsevakuiert

Das Nationale Hurrikan-Zentrum hatte vor meterhohen Sturmfluten gewarnt. Doch der Sturm gewann unerwartet schnell an Stärke, und viele Menschen brachten sich nicht rechtzeitig in Sicherheit. Viele Überlebende stehen nun vor den Trümmern ihrer Existenz. In dem kleinen Ort Mexico Beach, wo der Sturm als erstes auf die Küste getroffen war, zeigte sich ein Bild großflächiger Zerstörung.

Die Polizei im Bezirk Gadsden in Florida teilte mit, vier Menschen seien dort bedingt durch den Sturm ums Leben gekommen.

Die "Washington Post" berichtete unter Berufung auf eine Polizeisprecherin, in einem der vier Fälle sei ein Mann gestorben, als ein Baum auf das Dach seines Hauses stürzte. Zu den weiteren drei Fällen wurde zunächst nichts bekannt.

Auch in Georgia und North Carolina kamen durch den Sturm Menschen zu Tode. Der Fernsehsender CNN und die "Washington Post" berichteten unter Berufung auf örtliche Behörden, in North Carolina sei ein Mann in seinem Fahrzeug von einem Baum erschlagen worden. Und in Georgia sei ein elf Jahre altes Mädchen ums Leben gekommen, als ein Carport von dem Sturm in die Luft gehoben wurde und durch ein Dach stürzte. Nicht wenige Überlebende stehen nun vor den Scherben ihrer Existenz.

"Mexico Beach ist weg"

Rettungskräfte drangen erst nach und nach zu den betroffenen Gebieten durch, um dort nach Verletzten zu suchen und Menschen mit Strom, Wasser und Essen zu versorgen. Diese Einsätze hätten nun die absolute Priorität, sagte Floridas Gouverneur Rick Scott. "Dieser Hurrikan war ein Monster." Er habe schier unfassbare Zerstörung hinterlassen.

Auch US-Präsident Donald Trump sagte in Washington, der Hurrikan habe gewaltige Schäden angerichtet. Einen derart gewaltigen Hurrikan und eine solch massive Zerstörung habe das Land selten erlebt. Die Regierung stehe permanent in Kontakt mit den Verantwortlichen in den betroffenen Staaten, sagte Trump. "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um denen zu helfen, die Hilfe brauchen", versicherte er. Man werde nicht ruhen, "bis der Job erledigt ist".

Der Präsident kündigte an, das Katastrophengebiet voraussichtlich am Sonntag oder Montag zu besuchen. Bei einem früheren Besuch befürchte er, den Helfern in die Quere zu kommen, sagte Trump.

In dem kleinen Ort Mexico Beach, wo der Sturm als erstes auf die Küste getroffen war, zeigte sich am Donnerstag ein Bild großflächiger Zerstörung. Floridas Senator Marco Rubio schrieb auf Twitter, ihm sei gesagt worden: "Mexico Beach ist weg."


Bereits die zweite Notsituation innerhalb kurzer Zeit

Auf seinem weiteren Weg Richtung Nordosten schwächte sich "Michael" ab und wurde zu einen tropischen Sturm herabgestuft. Er zog am Donnerstag weiter Richtung Nordosten über die Bundesstaaten Georgia, South Carolina und North Carolina.

"Michael" ist nicht der erste Hurrikan, der in diesem Jahr Zerstörung an die US-Südostküste gebracht hat. Mitte September hatte "Florence" vor allem in North und South Carolina schwere Überschwemmungen verursacht. Anders als "Michael" war der Sturm aber lediglich als Kategorie eins an Land getroffen – mit Windgeschwindigkeiten von 150 Kilometern pro Stunde.

Dutzende Menschen kamen durch "Florence" und die Folgen des Sturms ums Leben. Die Katastrophenschutzbehörde Fema warnte, "Michael" werde auch North und South Carolina starken Regen bringen – dabei sei dort das Wasser von "Florence" noch nicht vollständig abgeflossen.

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