Darstellung von Gewalt gegen Frauen : Sexualisierung und Klischees: Darum hat das deutsche TV ein Problem

Avatar_shz von 01. Dezember 2021, 07:45 Uhr

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Im deutschen Fernsehen wird Gewalt gegen Frauen oft zu eindimensional gezeigt (Symbolbild)
Im deutschen Fernsehen wird Gewalt gegen Frauen oft zu eindimensional gezeigt (Symbolbild)

Gewalt gegen Frauen wird im deutschen Fernsehen immer noch zu häufig einseitig, realitätsfern und voller Klischees dargestellt. Darüber hinaus kommen die Betroffenen zu wenig zu Wort. Warum das gefährlich sein kann.

Berlin | Jede dritte Frau in Deutschland hat mindestens einmal in ihrem Leben körperliche und/oder sexualisierter Gewalt erlebt. Eine wichtige, bisher jedoch unterbeleuchtete Rolle kommt dabei der Frage zu, wie Medien geschlechterbasierte Gewalt aufgreifen und darstellen. Vor diesem Hintergrund haben die malisa Stiftung – die 2016 von Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth gegründet wurde – sowie die UFA GmbH die Studie "Geschlechtsspezifische Gewalt im deutschen Fernsehen. Eine Medieninhaltsanalyse“ initiiert und gefördert. Gewalt gegen Frauen: Die Betroffenen kommen nicht zu Wort Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass geschlechtsspezifische Gewalt in rund einem Drittel der Sendungen vorkommt und es sich dabei häufig um explizite und schwere Gewalt gegen Frauen und Kinder handelt. Geschlechtsspezifische Gewalt wird in unterschiedlichen Programmsparten und Genres dargestellt, am häufigsten jedoch in fiktionalen Programmen. Und innerhalb dieser kommt sie meist in Krimi-Serien und Spielfilmen vor. HTML Block Darüber hinaus wurde festgestellt, dass die Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt nur in acht Prozent der Darstellungen ausführlich selbst zu Wort kommen und häufig sowohl Vorabwarnungen über den Inhalt, Hinweise auf Hilfsangebote für Betroffene, die Beschreibung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie generell eine stärkere Einbeziehung der Betroffenen-Perspektive fehlen. Weiterlesen: Nicht mehr wegsehen: Frauenhass gefährdet unsere Demokratie "Töte sie doch einfach": Wie sich Rassisten und Frauenhasser online radikalisieren Verzerrte Vorstellungen von Gewalt und Schuld werden verstärkt In Dokumentationen wie beispielsweise True-Crime-Formaten sei eine "Sexualisierung und Stereotypisierungen im Kontext geschlechtsspezifischer Gewalt" sichtbar. Darüber hinaus sei hypersexualisierte Gewalt insbesondere im Action-/Agentenfilm präsent und missbräuchliche Inszenierungen und Instrumentalisierung sexualisierter Gewalt mehrfach in Daily-Soaps sowie in Scripted-Reality-Formaten. "Dies ist besonders bedenklich, da es die bereits in der Gesellschaft bestehenden verzerrten Vorstellungen über die Häufigkeit von Falschanschuldigungen verstärken könnte", schreiben die Initiatoren der Studie dazu auf der malisa-Webseite. Maria Furtwängler: Wir können und sollten Teil der Lösung sein Wie Medien über Gewalt gegen Frauen berichten, in welchem Kontext sie sie darstellen, welche Vorstellungen und (Rollen-)Bilder sie dabei vermitteln, beeinflusse die gesellschaftliche Wahrnehmung von Gewalt gegen Frauen, ihren Folgen und den Möglichkeiten, ihr entgegenzutreten. Schauspielerin Maria Furtwängler betont: Medien prägen unsere Wahrnehmung der Realität. Wir als Medienschaffende haben dadurch eine besondere Verantwortung, gerade bei einem gesellschaftlich so dringlichen Thema wie Gewalt gegen Frauen. Wenn wir diese verzerrt darstellen, werden wir eher ein Teil des Problems, dabei können und sollten wir Teil der Lösung sein. Die Ergebnisse der Studie geben uns viele Impulse für unser zukünftiges Handeln. Auch der Geschäftsführer der UFA GmbH, Joachim Kosack, schlägt selbstkritische Töne an. "Als Produktionsfirma rütteln uns die Ergebnisse der Studie auf", sagt er. "Gerade weil die erzählerische Form des Krimis auch bei uns einen großen Raum einnimmt. Aber nicht nur beim Krimi achten wir zu wenig auf das Thema. Bei der Entwicklung unserer Stoffe reflektieren wir viel zu wenig, dass immer wieder stereotypisierte Erzählmuster wiederholt werden beziehungsweise nicht in einen Kontext gesetzt werden, der diese Muster dramaturgisch einordnet." Er kündigt darüber hinaus an, dass sich die UFA ab sofort in Workshops intern verstärkt mit dem Thema auseinandersetzen wolle, um ihrer Verantwortung als Medienschaffende gerecht zu werden. Die Studie wurde von Prof. Dr. Christine Linke und Ruth Kasdorf M.A. durchgeführt und ist ein Kooperationsprojekt der Hochschule Wismar und der Universität Rostock. Analysiert wurde eine repräsentative Stichprobe der Programme von acht TV-Sendern (Das Erste, ZDF, RTL, RTL2, Vox, ProSieben, SAT.1 und Kabel Eins), die 2020 zwischen 18 und 22 Uhr ausgestrahlt wurden. ...

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