Neu im Kino : Hornbys „Juliet, Naked“: Lohnt der Film mit Ethan Hawke?

Lustig! Rose Byrne und Ethan Hawke in der Hornby-Verfilmung 'Juliet, Naked'.
Lustig! Rose Byrne und Ethan Hawke in der Hornby-Verfilmung "Juliet, Naked".

Nick Hornbys „Juliet, Naked“ kommt ins Kino. Ethan Hawke und Rose Byrne machen den Film zur intelligenten Romanze.

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12. November 2018, 00:04 Uhr

Berlin | Nach „About a Boy“ und „A Long Way Down“ kommt mit „Juliet, Naked“ der nächste Roman von Nick Hornby auf die Leinwand. Am Donnerstag, 15. November, läuft die romantische Komödie mit Ethan Hawke und Rose Byrne in den deutschen Kinos an. (Horror, Hogwarts und Sex: Über diese Filme werden wir im November reden)

Worum geht‘s in „Juliet, Naked“?

Annie und Duncan sind seit 15 Jahren ein Paar. Die Leidenschaft ihrer Beziehung drückt am besten der Moment aus, als sie seinen havarierten CD-Player in Gang setzt – mit Batterien aus ihrem Vibrator. Zumindest Duncan ist einem echten Höhepunkt dabei ziemlich nahe. Denn soeben hat er das Album „Juliet, Naked“ in die Finger bekommen, eine unbekannte Ur-Fassung der einzigen Platte von Tucker Crowe. Der Musiker ist eine Legende des Alternative Rock, seit seinem frühen Ruhm wie vom Erdboden verschluckt und in Duncan hat er seinen größten Fan gefunden. Als Tucker-Crowe-Exeget von internationalem Rang betreibt der nicht nur einen Fan-Blog; mit Erinnerungsstücken hat er sogar sein Zimmer in eine Art Schrein verwandelt.

Duncan geht in der Obsession für sein Idol voll auf; Annie dagegen trauert den verpassten Chancen eines Lebens nach, das sie in ein britisches Küstenkaff verschlagen hat und immer noch kinderlos ist. Als ihr Freund sich in die Entdeckung von „Juliet, Naked“ hineinsteigert, hat Annie endgültig genug und postet auf seiner eigenen Webseite einen harten Verriss. Kurz darauf bekommt sie dann selbst Fanpost – von Tucker Crowe persönlich, der sich und seine Musik schon lange verachtet. In heiter-melancholischen Mails klagen beide fortan über ihr die Fehlentscheidungen ihres Lebens. Und als eine der Töchter, die Tucker mit diversen Frauen gezeugt hat, in London ein Kind erwartet, kommt der Amerikaner zu Besuch.

Dialogwitz mit Linklater-Touch

Die romantische Komödie „Juliet, Naked“, der Nick Hornbys gleichnamiger Roman zugrunde liegt, lässt sich am besten als Quartett für drei Personen beschreiben. Annie und Duncan sind für ein und dieselbe Person entflammt; die aber liegt in zwei Versionen vor: Während sie den realen Tucker liebt, begeistert er sich für eine romantische Illusion, die Fans mit waghalsigen Gerüchten aufblasen – von Tuckers erfundener Affäre mit schwedischen Royals bis zur nichts existenten Nutztierhaltung auf der eigenen Farm. Die Überschätzung des verklärten Stars wird hier zur Kontrastfolie für die Erwartungen an das eigene Glück: Jesse Peretz, Stammregisseur der HBO-Serie „Girls“, macht aus der Vorlage einen hinreißenden Film über die Liebe, Selbsterfüllung und das Älterwerden.

In seinem Dialogwitz erinnert „Juliet, Naked“ dabei an Richard Linklaters „Before Sunrise“-Filme, und das nicht nur, weil Ethan Hawke auch hier die männliche Hauptrolle spielt und Rose Byrne („X-Men“) als Annie sogar ein bisschen an Julie Delpy erinnert. Die Filme berühren sich auch in der Nonchalance, mit der die Protagonisten auf ihr Leben blicken, sich gegenseitig aufziehen und vor dem Sex die Erektionsfähigkeit rekonvaleszenter Infarktpatienten googeln. Chris O’Dowd schafft es als Duncan, auch die lächerliche Figur mit echter Empathie zu zeigen. Überhaupt gelingen dem Film im Gelächter immer wieder diskrete, intime Beobachtungen, Annies Scham etwa, als Passanten Tuckers Sohn für ihr eigenes Kind halten. Und wie jede gute Romanze liefert auch diese rührende Momente in Serie. Dank des guten Humors werden sie nicht mal dann peinlich, wenn ältere Damen im Heimatmuseum der versäumten Jugendliebe nachweinen. Wer romantisches Wohlfühlkino sucht, das seine Zuschauer ernst nimmt, ist hier richtig.

Juliet, Naked“. GB/USA 2017. R: Jesse Peretz. D: Rose Byrne, Ethan Hawke, Chris O’Dowd. 97 Minuten, ohne Altersbeschränkung.

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