Bekenntnisse eines "Christmas-Groupie" : Darum ist Weihnachten die schönste Zeit im Jahr

Die Weihnachtszeit steht an. Für unseren Redakteur beginnt somit die schönste Zeit des Jahres.
Die Weihnachtszeit steht an. Für unseren Redakteur beginnt somit die schönste Zeit des Jahres.

Unser Redakteur Kim Patrick von Harling spricht von Weihnachten als der fünften Jahreszeit.

shz.de von
27. November 2018, 17:36 Uhr

Hamburg | Es ist kalt geworden in Deutschland, die Tage werden dunkler, hier und da ein kurzer Nieselregen, ganz vereinzelt auch Schnee. In dieser Zeit des Jahres passiert etwas mit mir. Nein, ich werde nicht traurig oder gar antriebslos. Ich sehe alles positiver, nehme Lichter und Gerüche intensiver war – die Weihnachtszeit steht an. Von einem Mann, 32 Jahre alt, Sportredakteur, kinderlos, mag diese Aussage ein wenig kitschig wirken. Aber: Das Fest macht einen besseren Menschen aus mir.

Essen, trinken, lachen und die letzten Geschenke besorgen – all das bietet der Weihnachtsmarkt.
dpa/Julian Stratenschulte
Essen, trinken, lachen und die letzten Geschenke besorgen – all das bietet der Weihnachtsmarkt.

Für mich ist Weihnachten die fünfte Jahreszeit. Nach der Arbeit trifft man sich mit Freunden auf einem der vielen Weihnachtsmärkte. Dick eingepackt, müde vom anstrengenden Tag, hebt sich die Laune parallel zur Anzahl der getrunkenen Glühweine und Feuerzangbowlen. Die Gerüche sind herrlich, man wärmt sich am Alkohol und an der beschaulichen Dekoration. Weihnachstmänner, Wichtel, Engel, Tannenbäume und die Engel, die das warme Gefühl von Geborgenheit geben. Ich vergesse den Stress dieser Welt um mich herum und lausche den Gesprächen der anderen Weihnachtsmarktbesucher. Es wird gelacht, getratscht und klangvoll miteinander angestoßen.

Kennen Sie auch diesen fiesen Teufelskreis, dem ich mich in solchen Situationen nicht erwehren kann, der aber in diesen Wochen ganz ohne schlechtes Gewissen dazu gehört? Sobald ich eine Bratwurst gegessen habe, muss ich etwas Süßes essen. Schmalzgebäck, Zuckerstangen, gebrannte Mandeln oder Maronen – alles ist angerichtet. Und nach der süßen Schiene muss ich einfach wieder etwas Deftiges zu mir nehmen…und so weiter. Bis ich mich kugelrund auf den Heimweg mache.

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Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, die Weihnachtsmärkte sind für mich nur ein Mosaik in der besinnlichen Zeit: Ein Weiteres sind die Familien-Zusammenkünfte, wenn es in Richtung vierter Advent und Feiertage geht. Man sitzt beisammen, spricht mit seinen Liebsten über das abgelaufene Jahr und hofft, dass der grantige Onkel nicht wieder über die Gans meckert. Aber auch die Streitereien verlieren in diesen Tagen an Ernsthaftigkeit und Bedeutung. Der Blick für's Wesentliche scheint angesichts der besinnlichen Stimmung geschärft – und sollte es doch mal lauter werden: Wenn man sich zur Weihnachtszeit nicht schnell versöhnt, wann dann?

Fast schon sehnsüchtig habe ich in den vergangenen Wochen auf das erste "Last Christmas" von "Wham!" im Radio gewartet. Ich lehne mich vermutlich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass ich damit zu einer Minderheit in Deutschland gehöre. Aber ich stehe dazu und oute mich offensiv als "Last-Christmas"-Fan. Und danach Bahn frei für "Driving home for christmas", "Let it snow", "Dreaming of a white christmas" oder "Wonderful dream" – jeder noch so populäre und erfolgreiche Song, der über das Jahr in den Charts kursierte, kann in meinen Augen gegen die Weihnachtsklassiker einpacken.

Der Film 'Tatsächlich Liebe' erzählt mehrere Parallelgeschichten zum Thema Liebe. Unter anderem die des Premierministers (links, Hugh Grant), der sich in eine Angestellte (Martine McCutcheon) verliebt.
imago/Prod. DB
Der Film "Tatsächlich Liebe" erzählt mehrere Parallelgeschichten zum Thema Liebe. Unter anderem die des Premierministers (links, Hugh Grant), der sich in eine Angestellte (Martine McCutcheon) verliebt.

Wenn Sie gerade vor dem PC-Bildschirm, Smartphone oder Tablet kopfschüttelnd diese Zeilen lesen, lassen Sie mich noch einen drauf setzen. Auch die an den Feiertagen oftmals ausgestrahlten Blockbuster und preisgekrönten Filme haben bei mir das Nachsehen, wenn "Tatsächlich Liebe" und "Die Muppets Weihnachtsgeschichte" über den Bildschirm flimmern. Diese Fest-Klassiker schaue ich mir mit großer Wahrscheinlichkeit bis zum 24. Dezember jeweils viermal an – mindestens. Sie geben mir ein warmes Gefühl, das die weltpolitische Lage, die täglichen Grausamkeiten der Menschen und die mögliche Angst vor der Zukunft vergessen lassen. Und gerade in der heutigen Zeit ist es doch umso wichtiger, das große Drumherum für knapp zwei Stunden vergessen zu dürfen.

Ein ungewohnter Optimismus

Was sie wissen müssen: Ich bin ein skeptischer Mensch, nicht immer möchte ich das Nette meines Gegenübers sofort als Fakt hinnehmen. Ich gebe zu, dass ich – was Menschen angeht – eher vorsichtig eingestellt bin. Doch in dieser Zeit des Jahres gehe ich mit einem anderen Optimismus in den Alltag, lasse mich von der vorherrschenden Stimmung mitreißen. Ich möchte glauben, dass vermeintlich schlechte Menschen Gutes vollbringen können. Ich möchte glauben, dass Toleranz keine Utopie ist. Ich möchte glauben, dass wir die Hungersnot in den Griff bekommen – all das aus tiefstem Herzen. Und dieses Bestreben, dieses Gefühl in mir wird durch den Weihnachtsmarkt, das Zusammenkommen der Familie, das Lachen der Kinder, wenn sie den Weihnachtsmann sehen und die Beschaulichkeit bestärkt.

Frohe Weihnachten!
imago/CHROMORANGE
Frohe Weihnachten!

Ich bin weder besonders religiös, noch gehe ich über die Weihnachtsfeiertage in die Kirche. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können mir an dieser Stelle natürlich vorwerfen, dass ich den biblischen Sinn der Weihnacht nicht schätze. Davon kann ich mich auch nicht freimachen. Ohne den Glauben an Gott würde es jedoch dieses Fest nicht geben, dafür bin ich unendlich dankbar. Denn Weihnachten macht mich zu einem besseren Menschen. Und ist es nicht genau das, was diese Zeit in einem hervorrufen soll? In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

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