Großfamilie unter Verdacht : Clan-Razzia: Mehr als 500 Polizisten durchsuchen Gebäude in Norddeutschland

Razzia in Wriedel in Niedersachsen.
Razzia in Wriedel in Niedersachsen.

Den Verdächtigen wird Menschenhandel und Betrug vorgeworfen. Doch das ist nicht alles.

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27. März 2019, 13:25 Uhr

Lüneburg | Wegen des Verdachts des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs haben mehr als 500 Ermittler am Mittwochmorgen 13 Gebäude in Norddeutschland durchsucht. Mitgliedern einer polnisch-stämmigen Großfamilie werde Sozialleistungs- und Versicherungsbetrug, Urkundenfälschung sowie Menschenhandel vorgeworfen, teilte die Polizei mit. Die Beamten beschlagnahmten mehr als 30.000 Euro Bargeld, Schmuck und einen VW Bus. Drei Männer und eine Frau wurden festgenommen. Ein Verdächtiger befand sich nach Polizeiangaben in Untersuchungshaft.

Die Ermittler stellten Material sicher. Dabei ging es bei den Durchsuchungen um fiktive Verkehrsunfälle.
dpa/Philipp Schulze

Bei den Durchsuchungen ging es um fiktive Verkehrsunfälle. Die Ermittler stellten Material sicher.

Nach ersten Erkenntnissen sind Sozialleistungen im Wert von mehr als 200.000 Euro erschlichen worden. Den Verdächtigen wird vorgeworfen, in Polen ihren Namen geändert und dann in Deutschland neue Sozialleistungen beantragt zu haben. Ferner hätten sie Menschen zu handwerklichen Arbeiten gezwungen. Weitere Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt. Mitglieder der Großfamilie stehen zudem im Verdacht, verschiedene Versicherungen betrogen zu haben. Dabei hätten sie reelle Verkehrsunfälle mehrfach sowie fiktive Verkehrsunfälle abgerechnet.

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dpa/Philipp Schulze

Durchsuchungen gab es unter anderem in Wriedel im Kreis Uelzen, Waddeweitz im Kreis Lüchow-Dannenberg und Hamburg. Auch in Schleswig-Holstein waren Beamte im Einsatz. Bundesweit wurden mehrere Rechtsanwaltskanzleien durchsucht. Ziel sei es gewesen, Beweise sicherzustellen, Haftbefehle zu vollstrecken und illegale Gewinne zu beschlagnahmen. Die Ergebnisse werden nun ausgewertet. Die Razzia geht auf einen Antrag der Staatsanwaltschaft Lüneburg zurück. Dem Einsatz waren monatelange Ermittlungen vorausgegangen.

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