Urteil : Trompetenspiel im Reihenhaus: BGH stärkt häusliches Musizieren

Wegen Trompeten-Musik liegen sich Nachbarn aus Augsburg seit Jahren in den Haaren.
Wegen Trompeten-Musik liegen sich Nachbarn aus Augsburg seit Jahren in den Haaren.

Musiker aufgepasst: Der Bundesgerichtshof hat Musizieren und Üben in den heimischen Wänden gestärkt.

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26. Oktober 2018, 13:26 Uhr

Karlsruhe | Häusliches Musizieren und das damit verbundene Üben gehören nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) grundsätzlich zu den "üblichen Formen der Freizeitbeschäftigung" und müssen von anderen hingenommen werden. Musik könne "von erheblicher Bedeutung für die Lebensfreude und das Gefühlsleben sein", entschied der Fünfte Zivilsenat am Freitag in Karlsruhe. Er argumentierte auch mit der grundrechtlich geschützten freien Entfaltung der Persönlichkeit, urteilte der Karlsruher BGH am Freitag in einem Verfahren aus Augsburg um das Trompetenspiel eines Berufsmusikers.

Es komme allerdings immer auf den Einzelfall an. Die Art des Instruments, die wahrnehmbare Lautstärke im Nachbarhaus und mögliche Erkrankungen der Nachbarn müssten berücksichtigt werden. Der für das Nachbarrecht zuständige Fünfte Zivilsenat hält zwei bis drei Stunden an Wochentagen und ein bis zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen für angemessen. Ob ein Berufsmusiker übe, spiele keine Rolle. "Er kann nicht mehr, aber auch nicht weniger Rechte haben", sagte die Vorsitzende Richterin Christina Stresemann.

Der Senat verwies den Fall zur Neuverhandlung an das Landgericht zurück. Dieses hatte dem Musiker lediglich zehn Übungsstunden pro Woche werktags zu bestimmten Zeiten im Dachgeschoss und an maximal acht Samstagen und Sonntagen je eine Stunde zugestanden. "Die Maßstäbe des Landgerichts sind zu streng", sagte Stresemann.

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