13 Tote in Thousand Oaks : Blutbad in Kalifornien: War Tatort Treffpunkt für Las Vegas-Überlebende?

Die amerikanische Stadt Thousand Oaks galt als eine der sichersten des Landes – bis zu der Schießerei in einer Bar.
Die amerikanische Stadt Thousand Oaks galt als eine der sichersten des Landes – bis zu der Schießerei in einer Bar.

Die Bar, in der 13 Menschen ums Leben kamen, soll ein Treffpunkt für Überlebende des Las-Vegas-Attentats gewesen sein.

shz.de von
09. November 2018, 11:28 Uhr

Thousand Oaks | Als US-Marinesoldat war er bis 2011 mehrere Monate in Afghanistan stationiert. Zuletzt lebte der 28-jährige Ian David Long bei seiner Mutter im kalifornischen Newbury Park. Von dort waren es nur wenige Kilometer zu der Tanzbar "Borderline Bar & Grill" in Thousand Oaks, nordwestlich von Los Angeles, wo Long in der Nacht zum Donnerstag ein Blutbad anrichtete.

Weiterlesen: Ex-Marinesodat erschießt zwölf Menschen in Bar in Kalifornien

Mit einer Glock-Pistole zielte er auf seine Opfer, meist College-Studenten, die dort einen Tanzabend mit Country-Musik feierten. Am Ende sind 13 Menschen tot: elf Gäste, ein Polizist, der zur Hilfe eilte, und der Schütze. Die Polizei geht davon aus, dass sich der frühere Marinesoldat selbst erschossen hat.

Hunderte Menschen erwiesen dem getöteten Polizisten ihren Respekt und bildeten ein Spalier beim Abtransport seiner Leiche.
Imago/Gene Blevins
Hunderte Menschen erwiesen dem getöteten Polizisten ihren Respekt und bildeten ein Spalier beim Abtransport seiner Leiche.

Ein verwackeltes Video, auf dem Schreie und viele Schüsse zu hören sind, zeigte am Donnerstag das Grauen der Tatnacht. Junge Augenzeugen beschrieben dramatische Szenen, wie sie um ihr Leben rannten und durch Fenster und Hinterausgänge entkamen. Völlig aufgelöst trat Jason Coffman vor Reporter, nachdem er erfahren hatte, dass sein 22 Jahre alter Sohn Cody unter den Toten ist. Auch die 18-jährige Studentin Alaina Housley, Nichte der Schauspielerin Tamera Mowry und des TV-Reporters Adam Housley, starb in dem Kugelhagel.

Überlebender aus Las Vegas unter den Opfern

Unter den Todesopfern ist nach Recherchen der "New York Times" auch ein Mann, der das Massaker bei einem Musikfestival in Las Vegas vor gut einem Jahr überlebt hatte. "Er wurde gestern Abend im 'Borderline' getötet", sagte die Mutter des Opfers der Zeitung. "Er hat es durch Las Vegas geschafft, er kam nach Hause. Und gestern Abend ist er nicht nach Hause gekommen." Im Oktober 2017 hatte ein Mann von seinem Hotelzimmer aus das Feuer auf die Gäste eines Country-Festivals eröffnet. 58 Menschen starben, mehr als 850 wurden verletzt. Es war der schlimmste Massenmord in der US-Kriminalgeschichte.

Auch Nicholas Champion hatte das Blutbad von Las Vegas überlebt, wie die "New York Times" schrieb. Als er am Mittwoch im "Borderline" feierte, hatte er wieder Glück – der Fitness-Trainer kam erneut mit dem Leben davon. Wie er hätten sich Dutzende andere Überlebende von Las Vegas zum Zeitpunkt der Schießerei am Abend in dem beliebten Lokal von Thousand Oaks befunden, sagt Champion. Das "Borderline", ein Treffpunkt für Country-Fans, sei zu einem Ort des Trostes für Überlebende von Las Vegas geworden, berichtete die "New York Times".

Auch US-Schauspieler Ashton Kutcher kannte das Lokal gut. Seine Frau Mila Kunis habe für ihn "dieses Jahr eine Geburtstagsparty im "Borderline" geschmissen. Der einzige Grund, warum wir leben, ist, dass der Schütze eine andere Nacht gewählt hat", schrieb Kutcher auf Twitter. In zahlreichen Tweets forderte er Waffenreformen in den USA. Er wandte sich auch an die Tochter des Präsidenten mit der Bitte, ihren Vater von strengeren Gesetzen zu überzeugen. Ihr Schwager sei auch auf der Feier gewesen

Noch kein Motiv bekannt

Der Schütze soll die Bar selbst häufiger besucht haben. Über ein mögliches Motiv für die Bluttat machten die Ermittler zunächst keine Angaben. Die Spurensuche in der Bar, im Fahrzeug und im Elternhaus des Mannes könne Tage dauern, sagte der FBI-Mitarbeiter Paul Delacourt am Donnerstag. Die Bundespolizei unterstützt die Ermittlungen der lokalen Behörden. Es gäbe keinerlei Hinweise auf andere Mittäter, hieß es.

Mehrere Jahre bis 2013 habe der Schütze in der Marineinfanterie gedient, darunter auch mehrere Monate in Afghanistan, teilten die Behörden mit. Der Kommandant des Marine Corps, Robert Neller, bezeichnete das Blutbad in einem Tweet als "verabscheuenswerte" Tat. Dies sei ein "tragischer und sinnloser" Gewaltakt gewesen.

Psychischer Zustand wurde überprüft

Möglicherweise habe Long unter Posttraumatischer Belastungsstörung gelitten, sagte Sheriff Geoff Dean vom Bezirk Ventura County. Long sei den Behörden zuvor mehrere Male aufgefallen. Der Sheriff sprach von geringfügigen Vorfällen, etwa im Straßenverkehr. Zuletzt seien Beamte im April wegen eines häuslichen Vorfalls zu seinem Elternhaus gerufen worden. Sein psychischer Zustand sei überprüft worden, eine Einweisung sei aber nicht für nötig befunden worden.

Ein Nachbar sagte US-Medien, dass die Mutter des Schützen ihren Sohn dazu aufgefordert habe, Hilfe für Veteranen zu suchen, doch der 28-Jährige habe dies abgelehnt.

US-Präsident Donald Trump bedankte sich bei den Rettungskräften. "Die Polizei hat großen Mut gezeigt", schrieb Trump beim Kurznachrichtendienst Twitter. Er ordnete an, am Weißen Haus und anderen Regierungsgebäuden US-Flaggen auf halbmast zu setzen.

Die demokratische Senatorin des Bundesstaats Kalifornien, Dianne Feinstein, verurteilte den leichten Zugang zu Waffen in den USA. Dies sei genau der richtige Zeitpunkt, um über strengere Waffengesetze für mehr Sicherheit zu sprechen. Doch es fehle der Wille der Republikaner, etwas umzusetzen, so die Demokratin.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen