Laut Medien mehr als 1200 Tote : Beben und Tsunami in Indonesien: Verzweifelte Suche nach Überlebenden

Verheerend ist die Zerstörung nach den Erdbeben und dem Tsunami in Palu, Zentral-Sulawesi. Foto: Tatan Syuflana/AP/dpa
Verheerend ist die Zerstörung nach den Erdbeben und dem Tsunami in Palu, Zentral-Sulawesi. Foto: Tatan Syuflana/AP/dpa

Das genaue Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzusehen. Da drängt sich die Frage auf: Musste es so schlimm ausgehen?

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01. Oktober 2018, 07:11 Uhr

Jakarta | Nach der Tsunami-Katastrophe mit vielen Hundert Toten in Indonesien haben die Rettungskräfte am Montag die Suche nach Überlebenden wieder aufgenommen. Die Arbeiten auf der Insel Sulawesi werden nach Angaben von Helfern dadurch erschwert, dass es an technischem Gerät und Treibstoff fehlt. Das Militär flog Generatoren ein, weil der Strom nach den zwei schweren Erdbeben und der folgenden Flutwelle an vielen Orten immer noch unterbrochen ist.

In der besonders heftig getroffenen Stadt Palu wurden weitere Tote aus den Trümmern gezogen. Nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde konnten aus einem Hotel und einem Restaurant aber auch zwei Überlebende geborgen werden. In der Nacht wurde die Suche dann unterbrochen. Die Behörde will gegen 13.00 Uhr Ortszeit (8.00 Uhr MESZ) eine neue Zwischenbilanz vorlegen.

Nach offiziellen Angaben kamen an der Westküste von Indonesiens viertgrößter Insel durch die Beben und den Tsunami seit Freitagabend mindestens 832 Menschen ums Leben. Das Online-Nachrichtenportal Kumparan berichtete unter Berufung auf die Polizei von mehr als 1200 Toten. Dafür gab es offiziell aber keine Bestätigung.

Menschen graben mit bloßen Händen nach Vermissten

Befürchtet wird, dass die Zahlen in den nächsten Tagen noch deutlich in die Höhe gehen. Wie groß das Ausmaß der Katastrophe tatsächlich ist, weiß noch niemand.

Der Leiter der staatlichen Suchtrupps in Palu, Nugroho Budi Wiryanto, klagte: "Es gibt kaum schweres Gerät und praktisch keinen Treibstoff. Das macht uns die Rettung von Opfern sehr schwer." Vielerorts gruben Menschen mit bloßen Händen nach Vermissten. Zudem seien am Wochenende die Kommunikationsverbindungen unterbrochen gewesen, sagte der Beamte. "Hoffentlich ist das heute gut genug und wir haben mehr Erfolg."

Zahlreiche Anwohner beschwerten sich darüber, dass sie von den Behörden zu wenig Hilfe bekämen. "Hier hilft uns niemand, nicht einmal mit einem Glas Wasser", sagte ein Mann namens Mahmud. Ein anderer Mann, Amir Sidiq, meinte: "Hier ist überhaupt niemand von der Regierung oder einer anderen Organisation, um die Beisetzung der Leichen zu organisieren. Wir machen das alles selbst."

Ein Militärsprecher verwies darauf, dass mit der Aushebung von Massengräbern begonnen worden sei. "Wir beerdigen die Toten so schnell es geht", sagte Luftmarschall Hadi Tjahjanto. "Hoffentlich ist das in ein bis zwei Tagen getan." Allein in Palu starben mehr als 800 Menschen. Viele Opfer sind noch in den Trümmern verschüttet. Die Flutwelle, die viele Gebäude mitriss, war bis zu sechs Meter hoch.

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Bislang stützt sich die Opferbilanz auf Angaben aus einer einzigen Stadt: Palu an der Westküste mit mehr als 350.000 Einwohnern. Von dort stammt auch eine Handy-Aufnahme des Tsunami, die sich weltweit verbreitete. Zu sehen ist, wie eine mächtige Welle auf die Küste zurollt und dann Menschen, Boote, Autos und ganze Häuser mit sich reißt. Viele wurden am Strand, wo ein Festival geplant war, von dem Tsunami überrascht.

Im Video: Welle reißt bei Tsunami in Indonesien Häuser mit

Grund dafür war vermutlich auch, dass das Warnsystem nicht richtig funktionierte. Der Sprecher von Indonesiens Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Nugroho, sagte: "Es gab keine Sirene. Viele Menschen waren sich der Gefahr nicht bewusst." Das nationale Zentrum für Meteorologie und Geophysik hatte zwar eine Tsunami-Warnung ausgegeben, hob sie nach nur einer halben Stunde aber wieder auf – aus Sicht von Kritikern viel zu früh.

Keine zuverlässigen Informationen

In Palu sind viele Gebäude schwer beschädigt, auch eine große Moschee und ein Einkaufszentrum am Strand. Auch die größte Brücke der Stadt steht nicht mehr. Am Sonntag gab es immer noch keinen Strom. Die Handy-Netze funktionierten nur gelegentlich. Aus den Trümmern waren immer noch Stimmen zu hören. Nach Angaben von Helfern fehlt es jedoch an geeignetem Gerät, um die Eingeschlossenen herausziehen zu können. Zumindest ist der Flughafen inzwischen wieder geöffnet, so dass Maschinen mit Hilfsgütern landen können.

Nach dem Beben steht das Zentrum von Palu in Trümmern. Foto: dpa/Tatan Syuflana
Nach dem Beben steht das Zentrum von Palu in Trümmern. Foto: dpa/Tatan Syuflana

Möglicherweise sieht es in Gebieten weiter im Norden – näher am Zentrum des Bebens – noch schlimmer aus. Wegen zerstörter Straßen und Kommunikationsleitungen ist es schwer, dort hinzukommen. Sorge bereitet den Helfern insbesondere die Lage in der Gemeinde Donggala, wo viele Fischer zu Hause sind. Von dort gab es nach Angaben des Vizepräsidenten keinerlei zuverlässige Informationen.

Inzwischen hat Indonesien um internationale Hilfe gebeten. Präsident Joko Widodo bat die Investitionsbehörde des 260-Millionen-Einwohner-Landes, die Hilfe zu koordinieren. Dies teilte der Chef der Behörde, Thomas Lembong, am Montag in der Hauptstadt Jakarta mit. Zuvor hatten schon zahlreiche Staaten und internationale Organisationen Hilfsangebote gemacht, auch die Europäische Union.

Indonesien liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Für die mehr als 260 Millionen Einwohner sind Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche keine neue Erfahrung. Beim Tsunami an Weihnachten 2004 starben dort mehr als 160.000 Menschen, so viele wie in keinem anderen Land der Region.

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