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75 Jahre später : 9. April 1940: Der Tag, an dem Nazideutschland Dänemark besetzte

vom
Aus der Onlineredaktion

75 Jahre ist es heute her, dass die Wehrmacht Dänemark innerhalb eines Tages besetzte. Heute gibt es zahlreiche Gedenkveranstaltungen.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2015 | 11:17 Uhr

Flensburg/Apenrade | Heute ist es genau 75 Jahre her, dass die deutsche Wehrmacht Dänemark besetzte. In Deutschland spielt das Ereignis faktisch kaum eine Rolle. In Dänemark hingegen gibt es zahlreiche Gedenkveranstaltungen. Genau fünf Jahre war das Königreich Dänemark während des Zweiten Weltkriegs unter deutscher Besatzung. Anders als in anderen besetzten Ländern, blieben die Institutionen im Nachbarland bis 1943 intakt.

Das „Unternehmen Weserübung“ sollte in erster Linie die Nachschubwege nach Norwegen sichern. Dänemark, eigentlich neutral, protestierte zwar, ordnete sich aber der Besetzung nach wenigen Stunden unter. Grund war die Androhung des Bombardements von Kopenhagen. Zu Kämpfen kam es nur lokal. Bereits am Abend des 9. April war Dänemark vollständig besetzt. Deutschland garantierte die territoriale Integrität und beabsichtigte, den Schutz und die Neutralität des Königreiches zu gewährleisten. Zuvor hatte die Wehrmacht in einem Blitzangriff am frühen Morgen von allen Seiten mit rund 40.000 Mann die Grenzen nach Dänemark überschritten.

Von 1943 bis 1945 prägten jedoch Streiks, Sabotage und Widerstand gegen die Staatsgewalt das Bild der Besatzung. Der dänische Widerstand sorgte für einen Bruch der in den Vorjahren versprochenen Souveränität. Ausgangssperren und Versammlungsverbote wurden verhängt. Als die dänische Regierung sich weigerte, dies umzusetzen, wurde sie aufgelöst. In der Folge wurde der Widerstand größer. Nach Ende des Krieges gab es etwa 850 Opfer auf Seiten der Widerstandsbewegung, 1800 Seeleute verloren ihr Leben. 600 Dänen fanden den Tod in deutschen Konzentrationslagern.

Das Ereignis am 9. April 1940 sorgt im Jahr 2015 hauptsächlich für Verkehrsbehinderungen, schreibt die dänische Zeitung Jydske Vestkysten. An vielen Orten in Dänemark wird heute an den Beginn der Besatzung erinnert. Kränze werden vor allem in Südjütland niedergelegt. Zwischen 12.30 Uhr und 14 Uhr werden der Flensborg Landevej sowie der Avntoftvej gesperrt. Eine zentrale Gedenkfeier wird in Søgård abgehalten, einem ehemaligen Gutshaus, das heute als Trainings- und Ausbildungszentrum für die dänischen Heimatschutzverbände dient. Der Ort hat historische Bedeutung, denn hier nahm der militärische Widerstand gegen die Besetzung durch Deutschland seinen Ausgangspunkt am 9. April 1940. Viele dort stationierte Einheiten kämpften in Südjütland gegen deutsche Truppen. Ein Gedenkstein erinnert an die gefallenen Soldaten. Auch in anderen Landesteilen kann es laut Polizei zu Behinderungen kommen.

Viele junge Dänen wissen heute offenbar nicht mehr, was es mit dem Datum auf sich hat, schreibt die dänische Jyllands Posten. Dennoch sei das Thema noch immer sehr populär unter Schülern. Trotzdem paradox: Einen Kinofilm mit dem Titel „9. April“ sahen im vergangenen Monat über 180.000 Dänen und dennoch gibt es Diskussionen, ob die dänische Gesellschaft in einer „geschichtslosen“ Zeit lebt und die eigene Geschichte in Vergessenheit gerät.

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