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Kabul : 72 Tote nach zwei Moscheeanschlägen in Afghanistan

vom

Die Gewalt in Afghanistan lässt nicht nach: Diesmal sterben bei Anschlägen auf zwei Moscheen viele Gläubige, die zu Abendgebeten gekommen waren.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 18:40 Uhr

Kabul | Nach zwei Anschlägen auf Moscheen in Afghanistan ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 72 gestiegen. Bei einem Selbstmordattentat in einer sunnitischen Moschee in der zentralafghanischen Provinz Ghor seien mindestens 33 Menschen getötet worden, sagte der dortige Polizeichef Mohammed Ikbal Nisami am späten Abend. Zuvor hatte das afghanische Innenministerium noch 20 Tote gemeldet.

Bei dem Selbstmordanschlag in einer schiitischen Moschee in Kabul sind nach Angaben des Innenministeriums mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Außerdem seien 45 Menschen verletzt worden. Die Moscheen waren am für Muslime heiligen Freitag voll besetzt.

Ein Mitglied des Provinzrats, Muwen Ahmed, sagte, „die ganze Decke“ sei heruntergekommen. Seiner Ansicht nach war das Ziel des Anschlags ein bekannter Milizenkommandeur und erbitterter Gegner der radikalislamischen Taliban namens Fasl Ahad, der mit seinen Männern zum Abendgebet gekommen war. Laut dem Sprecher der Provinzregierung, Abdullah Khatibi, handelte es sich in Ghor um eine sunnitische Moschee.

Der Anschlag in Kabul war der dritte Angriff auf eine schiitische Moschee in Kabul in knapp zwei Monaten. Ende September waren bei einem Angriff auf eine schiitische Moschee sieben Menschen getötet worden, Ende August starben bei einem weiteren Anschlag mindestens 28 Menschen. Ein ähnliches Attentat gab es Anfang August auch in der westafghanischen Stadt Herat, damals kamen 29 Menschen ums Leben.

Fast jedes Mal kamen die Attentäter, wenn die Moscheen voll waren - entweder an einem hohen Feiertag oder während eines Freitagsgebets. Wer hinter den Taten steckt, blieb zunächst unklar. Anschläge auf schiitische Moscheen hat bisher fast immer die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für sich reklamiert. Anders als in vielen muslimischen Ländern gibt es in Afghanistan keine Geschichte blutiger Fehden zwischen Sunniten und Schiiten. Aber seit dem Aufkommen des IS 2015 sind Schiiten - die meist der ethnischen Minderheit der Hasara angehören - zunehmend Ziel brutaler Angriffe. Der IS war 2017 bereits für einige der brutalsten Anschläge in Afghanistan verantwortlich, darunter eine siebenstündige Schießerei in einem Krankenhaus in Kabul.

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