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Urteil gegen Russischen Blogger : 3,5 Jahre auf Bewährung, weil er „Pokémon Go“ in der Kirche spielte

vom

Ruslan Sokolowski spielte 2016 in Jekatarinburgs ältester Kirche „Pokémon Go“ - ein Verstoß gegen das Blasphemiegesetz.

shz.de von
erstellt am 12.Mai.2017 | 14:10 Uhr

Ein Blogger und YouTuber, der in einer Kirche „Pokémon Go“ gespielt hatte, ist von einem russischen Gericht zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Mit seiner Aktion habe Ruslan Sokolowski religiöse Gefühle verletzt, begründete das Gericht in der Uralmetropole Jekaterinburg am Donnerstag das Urteil. Die Anklage hatte dreieinhalb Jahre Lagerhaft beantragt. Sokolowski beteuerte seine Unschuld.

Die Verurteilung Sokolowskis ist eine starke Botschaft der russischen Behörden an alle, die das umstrittene Blasphemiegesetz in Russland in Frage stellen. Das Gesetz wurde 2013, als Reaktion auf den Protest der kremlkritischen Punkband Pussy Riot in einer orthodoxen Kirche, verschärft und sieht bei Beleidigung religiöser Gefühle bis zu drei Jahre Haft vor.

Ruslan Sokolowski wurde nach Artikel 282 (Anstiftung zu Hass oder Feindschaft und Demütigung der Menschenwürde) und Artikel 148 (Verstoß gegen die Gedankenfreiheit und die Religionsfreiheit) des russischen Strafgesetzbuches verurteilt. Der Artikel 282 wurde erst 2016 weiter verschärft und wird häufig herangezogen, um Regierungskritiker oder Andersdenkende in Russland zu bestrafen. Artikel 148 ist besser bekannt unter dem Namen „Blasphemiegesetz“.

Sokolowski hatte im Sommer 2016 einen Video-Clip ins Internet gestellt. Darin ist zu sehen, wie er in einer orthodoxen Kirche das Smartphone-Spiel „Pokémon Go“ spielt. In dem Spiel wird auf echten Straßen und in Gebäuden nach virtuellen Figuren gesucht.

„Ich finde, das ist fast ein Freispruch“, sagte Sokolowski. „Ich bin froh, dass ich in Freiheit bleibe.“ Der 22-Jährige kündigte an, er werde nun für den Bürgermeister von Jekaterinburg, Jewgeni Rojsman, arbeiten. Rojsman hatte sich in dem Verfahren für Sokolowski eingesetzt. Menschenrechtler kritisierten den Prozess.

Sokolowski hatte sein „Pokémon“-Video in der Blut-Erlöser-Kathedrale, der größten Kirche von Jekaterinburg, gedreht. An dem Ort der heutigen Kirche waren 1918 der letzte russische Zar Nikolaus II. sowie dessen Familie von Bolschewisten ermordet worden.

Obwohl Sokolowskis Aussagen über Religion von einigen als abschätzig bezeichnet werden, ist es laut Sergei Nikitin, dem Direktor von Amnesty International in Russland, nicht genug um ihn zu verurteilen. Sokolovsky erhielt die Aufmerksamkeit der Behörden allein dadurch, dass er öffentlich das absurde Gesetz zu Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen anzweifelte.

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