zur Navigation springen

Nach U-Bahn-Attacke in Berlin : 28-Jähriger war bis Ende 2015 in der Psychiatrie

vom

Ein 28-jähriger Hamburger stößt eine 20-Jährige vor eine U-Bahn. Die Frau stirbt. Hätte die Tat verhindert werden können?

shz.de von
erstellt am 23.Jan.2016 | 13:09 Uhr

Hamburg/Berlin | Der 28-Jährige aus Hamburg, der eine junge Frau in Berlin vor eine einfahrende U-Bahn gestoßen haben soll, war bis Ende vergangenen Jahres in einer psychiatrischen Einrichtung. Dort sei er auf Antrag seines Betreuers untergebracht gewesen, sagte Gerichtssprecher Kai Wantzen am Samstag und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Der 28-Jährige sei auch zuvor mehrfach auf Antrag seines Betreuers in einer psychiatrischen Klinik gewesen.

In Hamburg wird darüber diskutiert, ob die Tat des offenbar psychisch-kranken Mannes hätte verhindert werden können. Der 28-Jährige war der Justiz bekannt.

Der Verdächtige soll die ihm unbekannte 20-Jährige am Dienstag ohne vorherigen Streit vor den Zug gestoßen haben. Die junge Frau wurde überrollt und getötet. Der 28-Jährige, der in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wurde, soll laut Staatsanwaltschaft an einer schizophrenen Erkrankung leiden. Er äußerte sich bislang nicht zu der Tat.

Wantzen erklärte, dem Betreuungsgericht sei über eine mögliche Fremdgefährdung zuletzt nichts bekanntgeworden. „Der Unterbringungsgrund war immer Eigengefährdung.“ Allerdings habe es in der Vergangenheit einen Antrag nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz (PsychKG) gegeben, der sich auch auf eine mögliche Fremdgefährdung gestützt habe; eine Unterbringung nach PsychKG sei aber nicht erfolgt. Der 28-Jährige habe seit Jahren unter Betreuung gestanden: „Aber wenn jemand unter Betreuung steht, heißt das noch lange nicht, dass er gefährlich ist.“

Am Freitag hing ein bewegender Brief auf einem Bahnsteig der U-Bahnstation Ernst-Reuter-Platz, wo es am Dienstagabend zu der Gewaltattacke gekommen war. „Du warst und bist mein ein und alles, mein Baby meine Große meine Beste und meine Schönste. ... Für dich wäre ich bis ans Lebensende gegangen“, hieß es darin. Unterzeichnet waren die Worte mit „Deine Mami“. In einem weiteren Abschnitt war zu lesen: „Liebe Schwester, ... Du fehlst mir so, ich werde dich nie vergessen.“

Nach Informationen der Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“, die zuvor auch aus dem Brief zitiert hatten, meldete sich die junge Frau noch kurz vor ihrem Tod per SMS bei der Mutter mit den Worten: „Bin gleich zu Hause. Ich liebe Dich“. Die Mutter sagte den Zeitungen: „Es hätte jeden treffen können.“ Nach Angaben der Berliner Staatsanwaltschaft hatte das Opfer, eine Deutsch-Schwedin, ihr Abitur in Deutschland gemacht.

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg verlangt unterdessen Aufklärung von den Justizbehörden der Hansestadt. „Die Hamburger Justiz ist aufgefordert, ihren Berliner Kollegen jede nötige Form der Amtshilfe zu leisten, um sie bei den Mordermittlungen zu unterstützen“, erklärte am Freitag der justizpolitische Sprecher der Fraktion, Richard Seelmaecker. Darüber hinaus müsse in Hamburg genau untersucht werden, ob die Tat hätte vermieden werden können. „Der Täter stammt aus Hamburg und war der Justiz bestens bekannt. Zudem steht er im Verdacht, psychisch gestört zu sein“, so Seelmaecker weiter. Der CDU-Abgeordnete stellte auch eine schriftliche Kleine Anfrage an den Senat.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen