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Müllrose in Brandenburg : 24-Jähriger flüchtet und fährt zwei Polizisten tot

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Mann wird verdächtigt, zuvor seine Großmutter getötet zu haben. Mittlerweile ist er gefasst.

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2017 | 16:15 Uhr

Müllrose | Womöglich im Drogenrausch hat ein 24-Jähriger im brandenburgischen Landkreis Oder-Spree zunächst seine Großmutter und dann auf der Flucht zwei Polizisten getötet. Die Beamten hatten auf einer Bundesstraße versucht, den Flüchtigen mit einem Nagelbrett zu stoppen, wie Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Dienstag in Potsdam berichtete.

Ein Polizeifahrzeug vor dem Haus in Müllrose (Brandenburg), wo der Mann zuvor seine Großmutter umgebracht haben soll.
Ein Polizeifahrzeug vor dem Haus in Müllrose (Brandenburg), wo der Mann zuvor seine Großmutter umgebracht haben soll. Foto: dpa
 

„Der 24-Jährige hat jedoch mit seinem Auto voll auf die Polizisten draufgehalten, die sich auf dem Radweg neben der Straße in Sicherheit gebracht hatten“, sagte Mörke. „Das zeigt, mit welcher Skrupellosigkeit und mit welcher Gewalt dort gehandelt wurde.“ Nach Angaben von Innenminister Karl-Heinz Schröter waren die Beamten 49 und 52 Jahre alt. „Es waren sehr erfahrene Kollegen, die seit 1991 beziehungsweise seit 1995 im Dienst der brandenburgischen Polizei waren“, sagte der SPD-Minister.

Beide hinterließen jeweils eine Ehefrau und drei Kinder. „Wir werden alles tun, um das Leid der Familien zu lindern“, versprach Schröter. „Aber wir können den entsetzlichen Vorfall nicht ungeschehen machen.“ Seit 1990 sei zuvor ein Polizist im Dienst ermordet worden, sagte der Minister. Im August 1995 wurde der 46-jährige Martin Heinze von einem Einbrecher erstochen.

Die Polizei war am Vormittag durch einen Notruf darauf aufmerksam gemacht worden, der 24-Jährige sei unter Drogen mit dem Auto in Müllrose unterwegs. Polizeibeamte schauten nach weiteren Hinweisen im Haus der Großmutter nach und fanden die 79-Jährige tot im Bad. „Die Situation deutete klar auf ein Tötungsverbrechen hin“, sagte Mörke. Medienberichte, wonach die Frau Schnittverletzungen am Hals hatte, bestätigte er nicht.

Der 24-Jährige war kurz vor dem Auffinden der Leiche mit dem Auto seiner Großmutter geflüchtet. Daraufhin wurde sofort eine Großfahndung ausgelöst. Da es von Zeugen Hinweise auf eine Freundin des 24-Jährigen in Bayern gab, wurden die naheliegenden Autobahnauffahrten gesperrt. Gegen 12.40 Uhr entdeckte die Besatzung eines Polizeihubschraubers den Wagen und informierte die Streifenbeamten. Daraufhin legten die Polizisten auf einer Bundesstraße in der Nähe von Beeskow die Nagelbretter aus.

Der Wagen des Mannes sei zum Stehen gekommen, nachdem er die beiden Beamten überrollt hatte, berichtete Mörke. Anschließend rannte der Täter in das nahegelegene Dorf Oegeln und kaperte ein weiteres Fluchtfahrzeug. Mit diesem baute er wenig später einen weiteren Unfall, floh erneut zu Fuß und wurde schließlich festgenommen.

Der Mann habe sich bei dem Unfall verletzt und sei derzeit nicht vernehmungsfähig, sagte Mörke. Auf seiner Flucht hatte der 24-Jährige mindestens drei weitere Unfälle verursacht. Dabei blieb es aber bei Blechschäden. Der 24-Jährige sei bereits mehrfach wegen Straftaten verurteilt worden, berichtete Oberstaatsanwalt Helmut Lange. Darunter waren Delikte wie Raub, Körperverletzung und Diebstähle.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD), den die Nachricht während der Kabinettssitzung erreichte, reagierte bestürzt.„Der Tod der zwei Polizisten hat mich schwer getroffen“, sagte Woidke. „Meine Anteilnahme gilt den Angehörigen.“ Auch der Landeschef der oppositionellen CDU, Ingo Senftleben, zeigte sich schockiert: „Wir trauern um die beiden Polizisten, die im Dienst für Brandenburg ums Leben gekommen sind“, sagte Senftleben. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei ihren Angehörigen und Kollegen.“ Innenminister Schröter forderte in Potsdam eine Verschärfung der Gesetze. „Die Gewalt gegen Polizisten und Rettungskräfte nimmt stetig zu“, sagte Schröter. „Wir müssen unsere Ordnungskräfte besser vor Gewalttätern schützen.“

Hintergrund: Wenn Polizisten im Einsatz ums Leben kommen

Polizisten in Deutschland leben gefährlich. Dass sie im Einsatz ums Leben kommen, geschieht jedoch eher selten. Fälle aus den vergangenen Jahren:

  • Oktober 2016: Bei einer Razzia feuert ein sogenannter Reichsbürger in Georgensgmünd (Bayern) auf vier Polizisten. Einer von ihnen erliegt seinen Verletzungen im Krankenhaus. Das Spezialeinsatzkommando wollte die Waffen des Jägers beschlagnahmen.
  • Dezember 2015: In einem Regionalzug ersticht ein Schwarzfahrer bei Herborn (Hessen) einen 46 Jahre alten Polizisten, sein Kollege wird schwer verletzt.
  • Oktober 2011: Nach einer Verfolgungsjagd in Augsburg wird ein 41 Jahre alter Polizist erschossen, seine Kollegin verletzt. Sie wollten zwei Brüder kontrollieren, die einen Raubüberfall geplant hatten.
  • März 2010: Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) will in Anhausen (Rheinland-Pfalz) in die Wohnung eines Mitglieds der „Hells Angels“ eindringen, der Rocker feuert durch die geschlossene Tür. Ein Beamter stirbt.
  • April 2007: In Heilbronn (Baden-Württemberg) wird die 22-jährige Polizistin Michèle Kiesewetter mit einem Kopfschuss tot neben ihrem Streifenwagen gefunden. Ihr Kollege überlebt schwer verletzt. Erst Jahre später wird klar, dass sie Opfer der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) wurden.
  • März 2006: Ein Räuber schießt in Berlin einen Zivilfahnder nieder, der ihn kontrollieren will. Der 42-jährige Beamte stirbt vier Tage später.
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