Weltweite Neujahrsfeiern : 2015 ist da: Freude in Berlin, Tragödie in Shanghai

Vor dem Brandenburger Tor bejubeln Hunderttausende einen altbekannten Freiheits-Song. Nicht überall verlaufen die Feiern glimpflich. In Shanghai kommt es zur Katastrophe.

shz.de von
01. Januar 2015, 11:00 Uhr

Berlin | Das Jahr 2015 ist da. Weltweit feierten Millionen Menschen ausgelassen. Nachdem als erste die Einwohner Samoas und der Line-Inseln im Pazifik das neue Jahr um 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit (MEZ) begrüßt hatten, stießen dann Stunden später auch die Menschen in Deutschland auf den Jahreswechsel an. In Berlin feierten Hunderttausende am Brandenburger Tor auf der größten Silvesterparty des Landes.

In der chinesischen Metropole Shanghai ereignet sich hingegen eine Tragödie. Bei einer Massenpanik sterben 36 Menschen, 47 weitere wurden verletzt. Das Unglück ereignete sich auf dem Bund, der berühmten Uferpromenade. Dort hatte sich am Abend eine riesige Menschenmenge versammelt. 25 Minuten vor dem Jahreswechsel (16.35 Uhr MEZ) geriet die Menschenmasse in Panik. An dem überfüllten Chen-Yi-Platz wurden 35 Menschen zu Tode getrampelt, wie die Nachrichtenagentur China News in der Nacht zum Donnerstag unter Berufung auf die Regierung der ostchinesischen Hafenstadt berichtete. Die Behörden untersuchen die mögliche Ursache des Unglücks. Aus einem der Luxus-Clubs in den historischen Gebäuden am Bund war „Neujahrsgeld“ in Form von 100-US-Dollar-Scheinen geworfen worden, berichteten Augenzeugen in chinesischen sozialen Medien. Fotos zeigten auf dem Boden liegende, nachgemachte Scheine mit dem Aufdruck „Neujahr 2015“ und dem Namen des berühmten Nachtclubs „M18“.

„Oben flog Geld“, sagte ein Verletzter im Krankenhaus nach Angaben der chinesischen Zeitung „The Paper“. Es sei so gewesen, als wenn „ganz viel Geld heruntergeworfen wird, alles US-Dollar“. Die Leute hätten „da wird Geld geworfen“ gerufen. Chaos sei ausgebrochen und die ersten seien niedergetrampelt worden, schilderte er. Ein Reporter vor Ort berichtete, das „Neujahrsgeld“ habe wie Coupons ausgesehen.

In Fotos auf Twitter war zu sehen, wie Opfer regungslos auf der Straße lagen. Passanten versuchten verzweifelt, sie wiederzubeleben. Die Polizei bemühte sich, in den Menschenmassen eine Gasse für Rettungswagen freizumachen, um überhaupt Verletzte in Krankenhäuser bringen zu können. Viele junge Leute waren unter den Opfern.

Es seien einfach „zu viele Menschen“ auf der Straße gewesen, schilderte ein anderer Augenzeuge. Der Chen-Yi-Platz am historischen Peace Hotel und die Flusspromenade sind berühmte Aussichtsplattformen gegenüber der Skyline mit den gigantischen Hochhäusern von Pudong. Hunderttausende hatten sich zum Jahreswechsel am Ufer und auf der entlang laufenden breiten Straße versammelt.

In Berlin zählten die Feiernden die letzten Sekunden bis Mitternacht zusammen herunter und lagen sich dann mit Bechern voll Sekt in den Armen. Stargeiger David Garrett spielte zum Jahreswechsel, Mezzosopranistin Katherine Jenkins sang Beethovens „Ode an die Freude“. Dazu erhellten rund 6000 Raketen minutenlang den Nachthimmel. Anschließend sprang David Hasselhoff auf die Bühne und sang „Looking for Freedom“. Die Berliner Silvesterfeier zählt zu den größten Freiluft-Partys der Welt. Schon weit vor Mitternacht waren die Eingänge wegen des großen Besucherandrangs gesperrt worden.

Mehr als 15.000 Kilometer östlich von Deutschland begann auf den Line-Inseln und Samoa das neue Jahr bei sommerlichen Temperaturen von rund 30 Grad. Die Neujahrsfeierlichkeiten in Neuseeland waren am Abend von Regengüssen getrübt worden. Dennoch strömten viele Menschen zu den Stränden, wo sie um 12 Uhr MEZ mit Feuerwerken und Konzerten das neue Jahr willkommen hießen.

Ein Dorf in Spanien zog den Beginn des neuen Jahres um zwölf Stunden vor. Etwa 50 Bewohner und Besucher von Villar de Corneja feierten den Jahreswechsel am Mittwoch schon um 12 Uhr mittags. Der Grund: das sehr hohe Durchschnittsalter der Dorfbewohner, das bei 75 Jahren liegt. Der spanischen Silvester-Tradition folgend versammelten sich Bewohner und Besucher auf dem Hauptplatz des Dorfes und verspeisten zu jedem Glockenschlag des Rathausturmes eine Weintraube.

In Sydney, der Metropole Australiens, waren um Mitternacht (14 Uhr MEZ) mehr als eine Million Menschen live dabei, als das Riesenfeuerwerk vor der malerischen Kulisse an Oper und Hafenbecken gezündet wurde. Touristen und Anwohner hatten sich bereits Tage zuvor Plätze für das Spektakel gesichert.

Chinas Hauptstadt begrüßte das neue Jahr mit einer großen Fernsehgala zur Bewerbung Pekings um die Olympischen Winterspiele 2022. Höhepunkt der Veranstaltung am „Vogelnest“ genannten Olympiastadion von 2008 waren kurz vor Mitternacht Ortszeit Auftritte von Starpianist Lang Lang und mehreren Olympiasiegern. Eigentlich feiert China nicht Silvester, da dort das neue Jahr nach dem Mondkalender erst am 19. Februar begrüßt wird. Doch gab es in der früheren britischen Kronkolonie Hongkong, die seit 1997 als Sonderverwaltungsregion zu China gehört, ein großes Feuerwerk.

Zeitgleich mit China rutschen die Menschen auf den Philippinen ins neue Jahr - über Manila erhellte ein riesiges Feuerwerk den Himmel. Ähnlich erleuchtet war es dann auch über Singapur und Taipeh in Taiwan.

Bei Tanzmusik und einem bunten Feuerwerk über dem weltberühmten Kreml in Russland begrüßten Tausende Moskauer das neue Jahr. Die Stadtverwaltung machte die Hauptstraße der Millionenmetropole, die Twerskaja Uliza, in der Silvesternacht zu einer riesigen Tanzfläche. Auf dem Roten Platz läuteten Glocken das neue Jahr ein.

Gleich 16 Mal können die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS auf das neue Jahr anstoßen. Mit einer Geschwindigkeit von gut acht Kilometern pro Sekunde überquere die ISS in der Silvesternacht insgesamt 16 Zeitzonen, berichtete die russische Staatszeitung „Rossijskaja Gaseta“.

Um 3 Uhr MEZ war es zum Beispiel in Brasilien so weit, um 4 Uhr MEZ in Argentinien und um 6 Uhr MEZ in New York in den USA sowie auf Kuba. Als letztes wird das neue Jahr auf Hawaii begrüßt. Dort hieß es erst um 11 Uhr MEZ am Donnerstag: Happy New Year.

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