Trotz Hitze, Strand und Eis : 2014 - ein Sommer ohne Sommerhit

Traumhaft schön ist dieser Sommer - wie hier am Strand von Travemünde.
Traumhaft schön ist dieser Sommer - wie hier am Strand von Travemünde.

Die Sonne strahlt den ganzen Tag und zaubert abends den schönsten Untergang - es ist Sommer in SH. Doch wo bleibt der Sommerhit? shz.de testet sechs Kandidaten.

bma-autorin.jpg von
29. Juli 2014, 19:07 Uhr

Erinnern Sie sich noch an „Dragostea din tei“ von O-Zone? Ein echter Sommerhit. Ein Ohrwurm. Das Erfolgsrezept: Text, den keiner versteht, aber trotzdem alle am Strand mitsingen können, eine einfache Melodie und ein tanzbarer Rhythmus. Im Video tanzten die Sänger sogar auf den Tragflächen eines Flugzeugs. Sie waren bestimmt auf dem Weg in den Urlaub. 2011 und 2010 bestimmten zweifelhafte Saxophon-Euro-Beat-Klänge den Sommer: „Mr. Saxobeat“ von Alexandra Stan und „We No Speak Americano“ von Yolanda Be Cool. Letztes Jahr kürte Media Control das Lied „Wake Me Up“ von Avicii zum Sommerhit.

Und 2014? In Schleswig-Holstein tobt der Sommer - die Sonne lacht, der Strand ruft, das Eis schmilzt. Es ist perfekt. Nur der Sommerhit lässt auf sich warten. Was fehlt den bisherigen Kandidaten?

Cro: „Traum

Im Juni war Cro noch mit diesem Lied auf Platz eins der Charts. Das ist schon das große Problem. Wir haben uns an dem Lied doch alle schon satt gehört, oder? Schade ist das schon. Ein bisschen Romantik, ein bisschen harmloser Jungen-Charme und ein eingängiger Pop-Song - das hätte funktioniert.

Andreas Bourani: „Auf uns

Ja, wir sind Weltmeister. Ja, das ist toll. Ja, Andreas Bourani kann stolz sein, dass er auf dieses WM-Feierei-Liedgut gesetzt hat. Aber nein, ein Sommerhit ist das nicht. Mit hochgerissenen Armen in einer Menschenmenge stehen und glückselig mitgrölen kann man bei diesem Song. Eine heiße Sommernacht durchtanzen eher nicht. Außer vielleicht, man möchte mit dem Goucho-Tanz beeindrucken. Die anderen WM-Hits - zum Beispiel die offizielle Hymne von Pitbull und Jennifer Lopez oder Love Runs Out“ von One Republic - unterschlagen wir hier mal bewusst.

Mark Forster feat. Sido: „Au Revoir

Ein anderes Lied, ein ähnliches Problem. „Au Revoir“ postuliert den großen Aufbruch und könnte eine Reise-Hymne sein, kommt aber einfach nicht richtig in Fahrt. Und wo ist eigentlich die positive „Wir feiern eine Party am Strand"-Attitüde? Da hilft auch nicht, dass sich in Sidos Rap „Maya-Thron“ auf „Indiana Jones“ reimt.

Jason Derulo feat. Snoop Dog: „Wiggle

Jason Derulo hat in der Sommerhit-Schule ein bisschen besser aufgepasst. Cool am Pool tanzen kann man dazu schon ganz gut. Allein, die überbordende Lebensfreude fehlt.

Calvin Harris: „Summer

Der Titel klingt vielversprechend. „I met you in the Summer“, singt Calvin Harris. Da hört das Sommer-Gefühl auch schon wieder auf. Den Grund erfährt, wer auf den Text achtet: Verliebt hat sich Calvin Harris erst, als die Blätter schon wieder braun wurden. Wir wissen: Ein echter Sommerflirt braucht Tempo, plötzlich überbordende Gefühle, ein Leben im Jetzt. Gedanken an den Herbst oder Winter stören da nur. Calvin Harris könnte auch „I met you in the Winter“ singen - und keinem würde es auffallen. Immerhin: tanzbar.

Lilly Wood & The Prick and Robin Schulz: Prayer in C

Ja, das könnte was werden. Den Namen des Interpreten vergisst man schön schnell, was ja auch ein Merkmal für einen guten Sommerhit ist. Einen Beat gibt es auch, eine junge Frau singt. Immerhin. Dann werden wir uns später an diesen melancholischen Sommer 2014 erinnern, in dem Deutschland Weltmeister wurde und alle ansonsten total nachdenklich und selbstversunken in den knallblauen Himmel blickten.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen