Korn, Karneval und Kohl : 15 Dinge, die nur Dithmarscher verstehen

Brot, Eis, Seife, Kuchen ... in Dithmarschen gibt es nichts, was man aus Kohl nicht machen kann.
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Brot, Eis, Seife, Kuchen ... in Dithmarschen gibt es nichts, was man aus Kohl nicht machen kann.

Schüttelkorn, kennt keiner, der nicht aus Dithmarschen kommt. Merle Dießelkämper erklärt uns Dithmarscher Eigenheiten.

shz.de von
13. August 2017, 17:13 Uhr

Oldesloer Korn ist das Nationalgetränk

Das Getränk kann mit jeglichen Flüssigkeiten kombiniert werden. Wenn nichts anderes im Haus ist, sogar mit Selter. Das ist eh besser für die Figur. Für Fortgeschrittene wird vorher eine Packung Brausepulver in den Mund geworfen und dann die klare Flüssigkeit hinterher gekippt - Schüttelkorn. Dann heißt es: den Kopf kräftig schütteln und runter damit.

Eine Torte kann man nur durch Vier teilen

 

Wie jetzt nur vier Stücke? Ja genau, nur vier Stücke. Bei anderer Einteilung würden die einzelnen Abschnitte zu klein und die Dithmarscher nicht satt werden. Konsequenz: Beim Kaffeekränzchen bei Oma stehen dann gleich drei der sahnigen Kalorienbomben auf dem Tisch, damit auch jeder ein Dithmarscher-Stück bekommt.

Der Kohl ist alles

Kohlfelder so weit das Auge reicht.
Foto: dpa

Kohlfelder so weit das Auge reicht.

Wir sind das größte Kohlanbaugebiet Deutschlands und das soll auch jeder wissen. Dafür haben wir dem grünen Gewächs sogar ein niedliches Gesicht verpasst. Das Kohlgesicht lächelt von sämtlichen Plakaten, Flyern und Homepages. Die Dithmarscher Kohltage veranstalten wir im September, um dem Gemüse eine Woche lang zu huldigen und uns den Bauch mit sämtlichen Kohlgerichten vollzuschlagen. Dabei gibt es nichts, was man aus Kohl nicht machen kann. Brot, Eis, Seife, Kuchen... wir sind da recht kreativ.

Die Welt ist hinterm Nord-Ostsee-Kanal zu Ende

Nord-Ostsee-Kanal
Foto: Imago/Volker Preußer

Hinter dem Nord-Ostsee-Kanal leben die „verhassten“ Steinburger.

 

...denn dort beginnt das „feindliche Ausland“. Auf niemanden schimpfen wir so sehr wie auf die Steinburger. Schon als Kind hörte man die Erwachsenen immer fluchen „diese Steinburger“. Warum ist das so? Keine Ahnung, scheint was mit Tradition und Regionalstolz zu tun zu haben.

Marn hol fast!

<p>Am Rosenmontag in Marne geht es bunt und feuchtfröhlich zu. </p>
Foto: dpa

Am Rosenmontag in Marne geht es bunt und feuchtfröhlich zu.

 

Das ist unser Rosenmontags-Schlacht-Ruf. Während der fünften Jahreszeit stehen die Jecken nicht nur in Nordrhein-Westfalen Kopf, sondern auch in Dithmarschen. Marne ist die Karneval-Hochburg in Nordeutschland. Einmal im Jahr fahren wir alles auf - mit Prunksitzung und großem Umzug. Rosenmontag ist nach der vierten Unterrichtsstunde spätestens Schluss, damit es auch alle reichtzeitig zum Umzug schaffen. Wer alt genug ist, startet die Feierei traditionell mit einem feuchtfröhlichen Frühstück.

Das Dithmarscher

<p>Dithmarscher Bier ist der perfekte Durstlöscher auf Parties.</p>
Foto: dpa

Dithmarscher Bier ist der perfekte Durstlöscher auf Parties.

...ist das beste Bier überhaupt und wird bei uns gebraut. Der leckere Gerstensaft darf auf keiner Party fehlen, neben dem Korn.

Mindestens einer in der Familie ist Chemikant

<p>Jeder wird Chemiekant.</p>
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Jeder wird Chemiekant.

 

Mit Covestro, ehemals Bayer, Sasol, Yara und der Raffinerie Heide direkt vor der Haustür, wird man bei uns Chemikant. Als Kind dachte ich lange Zeit, dass man später entweder als Landwirt, Lehrer oder Chemikant arbeitet. Erst später wurde mir klar, dass der berufliche Horizont hinter den qualmenden Schornsteinen noch weiter geht.

Zum Baden geht's in die Nordsee

<p>Baden in der Nordsee ist und bleibt ein echtes Highlight. </p>
Foto: dpa

Baden in der Nordsee ist und bleibt ein echtes Highlight.

 

Jeden Sommer geht es zum Baden an die Nordsee. Statt Sandstrand gibt es grüne Wiese hinterm Deich und das Wasser ist eher braun als blau und wenn man Pech hat, ist sowieso gerade Ebbe. Dennoch ist das Schwimmen am Deich heute noch das Größte.

Vegetarier sind wie Einhörner

 

„Vegetarische Gerichte haben wir nicht. Ich koche für die Masse.“ So oder so ähnliche O-Töne bekommen Vegetarier in vielen Dithmarscher Restaurants zu hören. Wir mögen es deftig und fleischhaltig. Nur langsam schwappen die neuen Foodtrends zu uns an die Nordsee.

Wat de Buer nich kennt,

dat frett he nich. Neuem gegenüber sind wir grundsätzlich skeptisch und es braucht einiges an Zeit, bis wir uns mit einer Idee anfreunden können. Aber grundsätzlich wird sie erst mal abgelehnt und gemeckert. Meist lassen wir uns dann doch irgendwann erweichen, etwas Neues zu probieren. Was uns zum nächsten Punkt führt.

Trends, brauchen länger

Was jetzt in Städten wie Hamburg oder Berlin angesagt ist, kommt in rund zwei Jahren auch bei uns an. Wie gesagt, wir müssen uns erst daran gewöhnen. Natürlich ist der Trend dann längst vorbei. Was uns aber nicht daran hindert, uns trotzdem total hip und up to date zu fühlen.

Windmühlen

 

Sie sind wirklich überall. Wie Pilze sprießen sie aus dem Boden und lassen Nachbarn zu Feinden werden. Durch etliche Gemeinden zieht sich ein tiefer Graben zwischen Windmühlenbefürwortern und -gegnern. Wie so häufig, geht es ums Geld. Das Thema ist seit Jahren dauerpräsent und scheint keinen Abriss zu nehmen, denn immer wieder findet sich doch noch ein Feld, auf dem man die Mühlen aufstellen kann.

Gucken bis zum Horizont

<p>Blick bis zum Horizont. </p>
Foto: Dießelkämper

Blick bis zum Horizont.

 

Was Weitblick bedeutet, versteht man erst, wenn man nach Dithmarschen kommt.

Motorisierte Touristen treiben uns in den Wahnsinn

 

Schön mit 70 Stundenkilometern tuckern sie über die Landstraßen und scheinen dabei die Windmühlen zu zählen, während man selbst seine Wut kaum noch im Zaum halten kannst und am liebsten ins Lenkrad beißen würde. Ab Mai verstopfen die Touris die eh schon vollen Straßen und stellen die Geduld der Dithmarscher auf eine harte Probe. Dennoch, die Urlauber sind eine wichtige Einnahmequelle für uns.

Größter Marktplatz Deutschlands?

<p>Heide hat den größten unbebauten Marktplatz vorzuweisen. </p>
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Heide hat den größten unbebauten Marktplatz vorzuweisen.

 

Leider nicht mehr, man hat sich wohl vermessen. Der größte liegt nämlich in Freudenstadt und nicht in Heide. Allerdings ist das kein Grund zum Traurigsein. Wir haben immer noch den größten unbebauten Marktplatz (4,7Hektar) in Deutschland, wenn das nichts ist.

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