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09. November 2013, 06:00 Uhr

Es ist eine bemerkenswerte, gar freimütige Feststellung: „Es war ja nicht nur purer Altruismus, der uns zur Gründung der Stiftung veranlasst hat.“ Ina Haukohl, die einst mit gleicher Leidenschaft als Juristin im Berufsleben gestanden hat wie Ehemann Michael als erfolgreicher Unternehmer, setzt hinzu: „Es hat auch damit zu tun, dass wir keine eigenen Kinder haben.“ Die Michael-Haukohl-Stiftung würde ihnen aber ermöglichen, sich für die junge Generation zu engagieren, indem sie herausragende und außergewöhnliche Angebote und Bildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in Lübeck schafft.
Vor gut zwölf Jahren wurde die Stiftung genehmigt und das Grundvermögen eingebracht. Als Stiftungsziele werden in der offiziellen Datenbank des Kieler Innenministeriums die Förderung des Sports im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit in Sportvereinen, die Förderung der Jugendhilfe und die Förderung von Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen genannt.
Gründer und Stiftungsvorstand Michael Haukohl versteht seinen bürgerschaftlichen Einsatz vor allem als operatives Engagement. „Wir geben eigentlich kein, oder nur selten, Geld für gemeinnützige Projekte anderer aus der Hand, sondern setzen bevorzugt eigene Ideen um.“
Und da dies bei einer größeren Stiftung nur selten durch den Vorstand alleine möglich ist, kann Michael Haukohl längst auf hochqualifiziertes Personal zurückgreifen.
Wie beispielsweise auf Swenja Koschnick. Die junge Stiftungsmanagerin verfügt über ein Staatsexamen für Erziehungswissenschaften und das Lehramt in Germanistik und Geographie, einen Magisterabschluss in Europäischer Ethnologie, und hat sich danach zur Museumspädagogin und Stiftungsmanagerin weiterqualifiziert. Swenja Koschnick organisiert für die Michael-Haukohl-Stiftung beispielsweise das Projekt „Jugend ins Museum“. Dazu gehört auch die Ausbildung von Oberstufenschülern zu Museumsführern, die dann ihre Mitschüler im Rahmen der Initiative „Schüler führen Schüler“ sachkundig durch die Lübecker Museen leiten können. Zu den Museen gehören beispiels-weise das Buddenbrookhaus, das Günter-Grass- oder auch Willy-Brandt-Haus genau so wie das Museum im Holstentor.
Ein Jahr lang werden ausgewählte Schüler im Rahmen dieses Projekts ausgebildet, sollten dann im Anschluss zwei Jahre lang als Museumsführer zur Verfügung stehen. „Natürlich nur im Rahmen ihrer schulischen Möglichkeiten“, wie Michael Haukohl betont. Bemerkenswert ist dabei wiederum der umfassende Ansatz dieses Projekts: Expertise in Sachen Museen wird vermittelt, Führungsfähigkeit, rhetorisches und organisatorisches Handwerkszeug und sogar lauteres und zuverlässiges Kaufmannshandeln. Die Schüler-Museumsführer bekommen nämlich für jeden Einsatz einen finanziellen Obolus. Vorausgesetzt, dass eine korrekte Honorarrechnung spätestens zwei Wochen nach der Führung im Stiftungsbüro eingeht. Vor dem ersten Einsatz haben die neuen Museumsführer sogar eine Beobachtungs- und Bewertungsphase zu durchlaufen, die von Swenja Koschnick detailliert aufgezeichnet und bewertet wird.
Es ist kaum möglich, die vielfältigen Aktivitäten und Projekte der Michael-Haukohl-Stiftung an dieser Stelle vorzustellen. Es sind Projektfahrten darunter, Theater-Abos für Schulklassen, Volksliedersingen, Gewaltprävention für Mädchen, die Finanzierung Freiwilliger Sozialer Jahre, Rudern und sogar das Schachspiel an der Paul-Gerhard-Schule. Ein Projekt, das dem Stifter auch persönlich sehr am Herzen liegt. „Der einzige Schachverein Lübecks hatte kaum noch jugendliche Mitglieder“, erzählt Michael Haukohl. Durch die Qualifizierung interessierter Lehrer, die Einrichtung von Schachspiel-Arbeitsgemeinschaften an der Schule und durch das Engagement des bekannten Lübecker Schachlehrers Michael Weiß konnte die „Flamme fürs Schachspielen“ dann neu bei der Jugend entfacht werden. „Unser Engagement hat sich dabei auch für den Schachverein bemerkbar gemacht, dem eine Menge neuer, und vor allem junger, Mitglieder beigetreten sind.“
Ina und Michael Haukohl setzen Maßstäbe für außergewöhnliche Jugendprojekte in Lübeck, für die staatliche Initiativen und Möglichkeiten kaum noch messbar sind. Möglich ist dies nur, weil bürgerschaftlich engagierten Menschen wie dem Ehepaar Haukohl die positive gesellschaftliche Entwicklung, wie auch die Verbesserung von Startchancen für junge Menschen, nicht gleichgültig sind. Und die vor allem auch eine eigene und selbstlose Vorstellung davon haben, wie man den Erfolg des eigenen Lebenswegs an die nachfolgende Generation weitergeben kann.

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