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Internationale Osterbräuche : Ostern kommt der Bilby: Ungewöhnliche Bräuche von Australien bis Spanien

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Während in Australien der Bilby die Ostereier versteckt, trägt man in Irland am Ostersonntag einen Hering feierlich zu Grabe.

Australien: Der Bilby kommt 

Natürlich kennt man den Osterhasen auch Down Under. Allerdings ist er dort nicht ganz so beliebt wie hierzulande, denn die australische Natur wurde von den eingeschleppten Hasen und Kaninchen der Einwanderer doch arg gebeutelt. So hüpft ein ganz anderes Tier immer öfter zu Ostern in die Herzen der Australier: der drollige Kaninchennasenbeutler, der im Englischen auch „Bilby“ genannt wird. Inzwischen gibt es den Oster-Bilby auch schon als Schokoladenbeutler zu kaufen und so verdrängt er den klassischen Schokohasen immer öfter aus den Supermarktregalen.

Schon im März 1968 schrieb die damals neunjährige Rose-Marie Dusting eine Geschichte über „Billy, The Aussie Easter Bilby“, die sie ganze elf Jahre später auch veröffentlichte. Die Story half damals, den dramatischen Rückgang der australischen Nasenbeutler stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, und so griffen Naturschützer wie Nicholas Newland die Idee vom Oster-Bilby Anfang der 1990er Jahre wieder auf. Es dauerte nicht lange, da sprangen die ersten Schokoladenhersteller auf den Zug auf, und somit hat Australien heute sein ganz eigenes Symboltier für das Osterfest Down Under.

Irland: Das Heringsbegräbnis

In einigen Gegenden Irlands wird am Ostersonntag ein Hering feierlich zu Grabe getragen. Was auf den ersten Blick ein wenig befremdlich wirkt und eher an einen Monty-Python-Sketch erinnert, ist in Wahrheit überliefertes Brauchtum. Zu Ostern endet schließlich die strenge Fastenzeit, in der der Hering als Hauptmahlzeit vielerorts ein wenig überstrapaziert wurde.

Seit jeher nutzen die Metzger die Gelegenheit, um mit diesem Brauch das eigene Geschäft ein wenig anzukurbeln. So sind sie es oftmals, die, wie in Cork oder Dublin, die feierliche Herings-Prozession anführen.

USA: Eier kaufen im Weißen Haus

Im Weißen Haus wird Ostern ein bisschen größer gefeiert – und auch mit ein wenig mehr Tamtam. In diesem Jahr werden 35.000 Menschen zum traditionellen „White House Easter Egg Roll“ erwartet. Schon zum 138. Male findet dann im Garten des Weißen Hauses in Washington, D.C. eine große bunte Gartenparty mit viel Musik und gastronomischen Highlights statt.

Last but not least darf natürlich auch der namengebende Eierrollwettbewerb nicht fehlen. Selbstverständlich kann man die Wettbewerbseier anschließend auch im Rahmen einer speziellen Sammlerkollektion erwerben – mit der Signatur des Präsidenten und der First Lady darauf.

Bulgarien: Trick 17 mit Selbstüberlistung

In Bulgarien treffen sich vor allem die Kinder gern zum „Eierditschen“. Die Kunst besteht darin, das eigene Osterei so geschickt in der Hand zu halten, dass es nicht zerbricht, wenn es auf das Osterei des Kontrahenten trifft, beziehungsweise „aufditscht“. Der Verlierer muss sein kaputtes Ei nämlich sofort aufessen und das kann auf Dauer ganz schön auf den Magen gehen.

Aus diesem Grund kursieren auch jede Menge Geheimtipps, wie das eigene Osterei stabilisiert werden kann, um möglichst als Gewinner aus dem Ditschwettbewerb hervorzugehen. Ein Trick ist, sehr frische Eier zu verwenden, da bei diesen die Luftblase im Inneren noch nicht so stark ausgeprägt ist, was der Stabilität enorm zu Gute kommt. Auch die Eier möglichst junger Hennen sind oft von überraschend hoher Festigkeit.

Manche Kids versuchen auch, mit einem Holz- oder Gipsei zu mogeln, aber dieser Trick 17 mit Selbstüberlistung fällt im Allgemeinen schnell auf. Und weil das Ganze so viel Spaß macht, kennt man das Eierditschen natürlich nicht nur in Bulgarien, sondern auch anderswo. Im Rheinland, in der Oberpfalz, in Luxemburg, aber auch in vielen Regionen Österreichs sowie der Schweiz, und im Balkan bis nach Russland ist dieser Osterbrauch verbreitet.

England: Pfannkuchenrennen
 

In dem kleinen verschlafenen Örtchen Olney im britischen Buckinghamshire findet jedes Jahr an Gründonnerstag ein traditionelles Pfannkuchenrennen statt. Seine Wurzeln hat der Brauch im Jahr 1445. Damals wurde eine namentlich nicht näher bekannte Hausfrau vom Läuten der Kirchenglocken angeblich so sehr überrascht, dass sie noch mit umgebundener Schürze und Haube auf dem Kopf sowie Bratpfanne mitsamt Pfannkuchen in der Hand in die Kirche gelaufen sein soll.

An diesem historischen Ereignis orientiert sich bis heute das Regelwerk des Wettrennens. Teilnehmen darf nur, wer mit Schürze sowie Kopfhaube startet und natürlich mit einer Bratpfanne mitsamt Pfannkuchen in der Hand. Die Distanz führt über 380 Meter vom Marktplatz Olneys bis zur Kirche St. Peter und St. Paul.

Als 1. Preis winkt wie schon anno 1445 ein Kuss vom Küster. Das historische Pfannkuchenrennen ist inzwischen übrigens derart beliebt, dass es sogar schon erste Ableger in London und Amerika gibt.

Polen: Wasser marsch!


In Polen bespritzt man sich am Ostermontag gern mit Wasser, auch ruhig einmal mit etwas mehr. Das Ganze nennt sich dann „Lany poniedzialek“, was soviel bedeutet wie „nasser Montag“. Nach christlicher Überlieferung soll die Wasserplanscherei an die Taufe Mieszkos I. im Jahre 966 erinnern, der dem polnischen Volk auf diese Weise das Christentum bescherte.

Andere Historiker führen den heutigen Wasserspaß auf symbolische Reinigungen zum Frühlingsbeginn in vorchristlicher Zeit zurück.

Spanien: Tanz der klappernden Skelette
 

In dem kleinen spanischen Dorf Verges in Katalonien geht es am Gründonnerstag recht gruselig zu. Um 22 Uhr beginnt auf dem Marktplatz des kleinen Ortes die Aufführung eines einzigartigen Passionsspiels, dessen Wurzeln sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen lassen. Ein Tanz der Toten schließt sich an, bei dem einige als Skelette verkleidete Einwohner zum Takt der Trommeln durch die dunklen Gassen ziehen. Das ist nicht nur gruselig, sondern auch lehrreich, denn der Totentanz soll den Zuschauern die Vergänglichkeit allen Lebens ins Bewusstsein rufen. Naja, und wie ginge das wohl besser als mit klappernden Skeletten?

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erstellt am 27.Mär.2016 | 09:50 Uhr

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