zur Navigation springen

Batman-Mörder von Aurora : Opfer-Familien aufgebracht: Kino-Amokläufer entgeht der Todestrafe

vom

Der sogenannte Batman-Mörder muss lebenslang in Haft. Die Geschworenen konnten sich im Prozess um den Amoklauf von Aurora in den USA nicht auf die Todesstrafe einigen. Das Urteil enttäuscht viele Familien der Opfer.

Centennial | Drei Jahre nach seinem Amoklauf in einem Kino in der US-Stadt Aurora mit 12 Toten und 70 Verletzen ist James Holmes der Todesstrafe entgangen. Stattdessen soll der 27-Jährige für den Rest seines Lebens hinter Gitter. Richter Carlos Samour verkündete am Freitagabend (Ortszeit) in Centennial bei Denver die Entscheidung der zwölf Geschworenen, ihn zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Haftentlassung zu verurteilen.

Holmes war auch „Batman-Mörder“ genannt worden, weil er bei der Premiere eines „Batman“-Films in die Menge geschossen hatte. Er war zunächst unbewaffnet in das Kino gekommen, dann während des Films herausgeschlichen und mit militärischer Ausrüstung wie Helm und Schutzkleidung zurückgekommen. Einige Zuschauer hielten ihn für einen Fan mit Kostüm. Dann schoss er erst mit einer Schrotflinte, dann einem Sturmgewehr und schließlich einer Pistole in die Menge. Das jüngste Opfer war eine Sechsjährige. Ihre Mutter ist seit dem Attentat fast völlig gelähmt - sie hatte einige Tage nach dem Amoklauf eine Fehlgeburt.

Nach mehr als sechsstündigen Beratungen über zwei Tage hatte sich die Jury nicht auf eine Strafe für Holmes einigen können. Es sei nicht möglich gewesen, die Meinungsverschiedenheiten zu lösen, zitierte CNN am Samstag eine Frau aus der Jury. Um die im Bundesstaat Colorado kaum noch angewendete Todesstrafe zu verhängen, wäre eine einstimmige Entscheidung der zwölf Geschworenen notwendig gewesen.

Vielen Angehörigen der Opfer fiel es schwer, das Jury-Urteil zu akzeptieren. „Das ist keine Gerechtigkeit“, zitierte CNN den Großvater der getöteten Veronica Moser Sullivan. „Er lebt, er atmet. Unsere Liebsten sind tot.“ Einige betroffene Familien hätten Holmes sterben sehen wollen, schrieb CNN unter Berufung auf Sandy Philipps, die bei dem Blutbad ihre Tochter verloren hatte. Für sie und ihren Mann sei die Todesstrafe nicht entscheidend gewesen. „Heute fiel es mir schwer, das Urteil für die anderen Familien zu akzeptieren“, wurde Philipps von Medien zitiert. Viele Familien seien sehr aufgebracht, sagte sie.

Holmes hatte im Juli 2012 zwölf Menschen in dem Kino erschossen und 70 zum Teil schwer verletzt. Er nahm das Strafmaß ohne Regung zur Kenntnis. Nach Verlesung der Entscheidung stand er mit Händen in den Hosentaschen zwischen seinen Verteidigern und blickte zu Boden. Im Gerichtssaal war während der Verlesung des Strafmaßes mehrfach kurzes Schluchzen zu hören, Angehörige neigten ihre Köpfe und weinten.

Die Verteidigung hatte gefordert, Holmes in eine Psychiatrie einzuweisen. Staatsanwalt George Brauchler hatte dagegen die Todesstrafe angestrebt. Es sei seine Schuld, dass die von den Familien erwartete Todesstrafe nicht erreicht werden konnte, zitierte CNN den Juristen.

Die Staatsanwaltschaft hatte Holmes 165 Mal angeklagt: Für jeden der zwölf Toten war Holmes des Mordes und des Totschlags angeklagt, für jeden der 70 Verletzten des versuchten Totschlags und versuchten Mordes - ergibt 164 Fälle. Der letzte und 165. Fall bezog sich auf die Sprengsätze, mit der er seine Wohnung versehen hatte.

Vor drei Wochen war Holmes in allen Punkten schuldig gesprochen worden. Es folgte eine zweite Phase des Prozesses, in der mildernde Umstände geprüft wurden. Die Geschworenen hätten dann die Todesstrafe ausschließen können und Holmes hätte automatisch eine lebenslange Haftstrafe ohne Möglichkeit der Begnadigung bekommen.

Holmes Eltern äußerten sich zunächst nicht öffentlich zu dem Urteil. In einer Pressemitteilung ließen sie ihre Anwältin Lisa Damiani erklären, dass sie den Vorfall ebenso wie das enorme Leid und den Verlust der Opfer und Familien zutiefst bedauerten, wie CNN berichtete.

 

zur Startseite

von
erstellt am 08.Aug.2015 | 16:38 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen